Die Übergänge zwischen Polit- und Privatsphäre sind fliessend – das gilt für die Auftritte von Politikern auf Internet-Foren wie Facebook und Twitter ebenso wie für das gestrige Podiumsgespräch: Man trifft sich in «Filippos Lounge», einem Begegnungsraum im Wohnhaus des Zürcher FDP-Stadtrats Filippo Leutenegger.

«Man» sind fünf Zürcher Regierungsratskandidaten, deren Umgang mit Social Media das ganze Spektrum abdeckt: «Ich poste, ich twittere, ich kommentiere. Manchmal habe ich das Gefühl, ich werde wahnsinnig», sagt FDP-Kandidatin Carmen Walker Späh, die am 12. April Nachfolgerin von FDP-Regierungsrätin Ursula Gut werden will.

«Das ist aber nicht gut, wenn du jetzt schon wahnsinnig wirst», entgegnet SVP-Regierungsrat Ernst Stocker. Er ist der einzige Social-Media-Abstinente auf dem Podium. Angesichts der über 100 öffentlichen Auftritte, die er als Regierungsrat ohnehin schon pro Jahr hat, findet Stocker punkto Social Media: «Das ist nicht mein Ding. Dafür habe ich schlicht keine Zeit.»

Der Volkswirtschaftsdirektor zeigt sich besorgt, dass seine Direktionsangestellten Arbeitszeit auf Facebook verplempern könnten und will kein schlechtes Vorbild sein.

Jungparteimitglieder als Helfer

Etwas anders hält es sein Regierungsratskollege Martin Graf (Grüne). Zwar sei auch ihm klar, dass Regierungsräte noch zwei, drei andere Aufgaben hätten, als zu twittern und posten. Dennoch unterhält er ein Facebookprofil, das er von einem Mitglied der Jungen Grünen bewirtschaften lässt.

Besonders nachhaltig ist die Facebook-Präsenz des Grünen aber nicht: «Ich mach das auf die Wahlen hin. Dann stell ichs wieder ab», sagt Graf.

Zu den aktivsten Social-Media-Nutzern unter den Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten zählt Jacqueline Fehr (SP). Anders als Graf und CVP-Kandidatin Silvia Steiner bewirtschaftet sie ihre Online-Kommunikationskanäle selber. «Das ist ein normaler Bestandteil der politischen Kommunikation», sagt Fehr.

Via Twitter erreiche sie vor allem Journalisten. Facebook sieht sie als Ergänzung, um ungefiltert Positionen beziehen zu können.

Doch auch Fehr räumt angesichts der zahlreichen Kanäle heutiger Politkommunikation ein: «Ich komme an meine Grenzen.» Falls sie Regierungsrätin werde, müsse sie ihre Facebook- und Twitter-Aktivitäten wohl einschränken, aber nicht einstellen: «Der Mensch hinter der Regierungsperson darf durchaus auch mal was twittern», so Fehr. Und: «Twitter kann auch für Regierungsräte ein Medium sein.»

Silvia Steiner lässt ihr Facebook-Profil von einem Mitglied der Jungen CVP bewirtschaften. Persönliche Mitteilungen segne sie ab oder gebe den Input dazu. Die Staatsanwältin warnt davor, dass via Social Media gemachte Äusserungen in einen völlig anderen Zusammenhang gestellt werden können. «Ich kontrolliere alles dreimal», sagt Steiner.

Der Zeitaufwand für Social-Media-Aktivitäten variiert bei den Regierungsratskandidaten stark: Bis zu 30 Minuten pro Tag sind es bei Jacqueline Fehr, 15 Minuten am Wochenende bei Silvia Steiner – und 0 Minuten bei Ernst Stocker.