Zürich
So will Richard Wolff zusätzliche Stimmen holen

Der AL-Kandidat für den Zürcher Stadtrat, Richard Wolff, setzt vor dem zweiten Wahlgang auch auf Finanzpolitik.

Matthias Scharrer
Drucken
Richard Wolff, überraschend starker AL-Stadtratskandidat.rüe

Richard Wolff, überraschend starker AL-Stadtratskandidat.rüe

Herr Wolff, im ersten Wahlgang der Zürcher Stadtrats-Ersatzwahl ist Ihnen ein Überraschungserfolg gelungen, indem sie nur knapp hinter dem FDP-Kandidaten Marco Camin auf Platz 2 landeten. Wo können Sie im zweiten Wahlgang noch zulegen?

Richard Wolff: Zum Teil bei Wählern der Grünliberalen, falls sich die GLP zurückzieht. Dann bei Leuten, die eine Stimme für mich für verloren hielten und nun sehen: Der AL-Kandidat ist wählbar. Vielleicht auch bei SP- und CVP-Wählern, die gemerkt haben, dass ich ihre Interessen besser vertrete als Marco Camin.

Was werden Sie tun, um zusätzliche Stimmen zu holen?

Den definitiven Entscheid über meine Kandidatur fällt am Dienstagabend die AL-Vollversammlung. Ich werde weiterhin auf die Sachthemen Wohnen, Verkehr, Hort- und Krippenplätze und 2000-Watt-Gesellschaft setzen. Zudem will ich Akzente in der Steuer- und Finanzpolitik setzen.

Welche?

Es gilt, die Steuereinnahmen zu bewahren. Ein erster Schritt war am Sonntag die Ablehnung der Senkung der Grundstückgewinnsteuer. Als Nächstes muss die Unternehmenssteuerreform III des Bundes verhindert werden, die den Gemeinden nochmals Einbussen brächte. Zudem gilt es, Steuerlöcher zu stopfen, von denen internationale Firmen wie Google profitieren, indem sie Gewinne in steuergünstigere Länder transferieren. Klar, für einen Stadtrat sind die Möglichkeiten diesbezüglich beschränkt. Aber man kann das zumindest zu einem öffentlichen Thema machen. Ausserdem müssen wir bei den Ausgaben schauen, dass es nicht überbordet. Der Bau eines neuen Kongresszentrums hat für mich keine hohe Priorität.

Braucht Zürich ein neues Fussballstadion?

Ich bin hin- und hergerissen. Eigentlich hat eine Stadt wie Zürich ein richtiges Fussballstadion verdient. Aber ich zweifle, ob die Kosten beim Volk durchzubringen sind.

In der Nacht auf Sonntag sorgte eine Kundgebung aus der Hausbesetzerszene für hohen Sachschaden in Zürich. Ihre Reaktion?

Dass es zu Gewalt gekommen ist, ist schlecht. Ich will das nicht legitimieren. Aber man muss den Zusammenhang sehen: Der Druck auf Freiräume der alternativen Szene in Zürich ist gross, ähnlich wie 1980. Das Fabrikareal in der Binz, von dem die Demo nach einem Fest mit über 3000 Beteiligten ausging, ist ein wichtiger Ort der kreativen Szene und gab in den letzten Jahren eigentlich keinen Anlass zur Beanstandung. Jetzt sind mehrere solche Freiräume von der Schliessung bedroht: in der Binz, auf dem Labitzke-Areal, im Güterbahnhof, im Geroldareal. Dass es da zu Demos kommt, ist klar. Nochmals: Dass es zu Gewalt kam, ist schlecht. Aber auch die Politik muss sich fragen: Was läuft da falsch?

Aktuelle Nachrichten