Schloss Laufen
So will der Kanton Zürich den Rheinfall für Touristen attraktiver erschliessen

Lange blickten lokale Politiker neidisch auf die Schaffhauser Seite des Rheinfalls. Nun zieht Zürich nach und sucht einen neuen Betreiber, der von Hotellerie und Gastronomie bis hin zu den Parkplätzen alles aus einer Hand bietet.

Delia Bachmann
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Beim Rheinfall markiert der Fluss die Kantonsgrenze zwischen Schaffhausen und dem Kanton Zürich mit dem Schloss Laufen.

Beim Rheinfall markiert der Fluss die Kantonsgrenze zwischen Schaffhausen und dem Kanton Zürich mit dem Schloss Laufen.

KEYSTONE

Weil die Kantonsgrenze mitten durch den Rhein verläuft, betreiben Zürich und Schaffhausen je eine Hälfte des touristischen Angebots am Rheinfall. Die Touristen kümmert das indes nicht. Sie wollen den grössten Wasserfall Europas sehen, allenfalls noch gut essen und in einem bequemen Bett schlafen. Darum wurde vor fünf Jahren die Rheinfall Betriebs AG gegründet, die auf Schaffhauser Seite sämtliche touristische Anlagen aus einer Hand betreibt.

Auf der anderen Seite des Ufers kommt das nicht nur gut an. Vor allem Kantonsräte aus dem Weinland kritisieren seit Jahren, dass das touristische Potenzial des Rheinfalls auf Zürcher Seite nicht genug ausgeschöpft wird und man bei der interkantonalen Zusammenarbeit nicht vom Fleck kommt. Diese Kritik wird auch in dem Postulat laut, das die drei Kantonsräte Markus Späth (SP) aus Feuerthalen, Martin Farner (FDP) aus Stammheim und Benno Scherer (GLP) aus Uster vor vier Jahren einreichten. Seit Donnerstag ist der Bericht des Regierungsrats öffentlich, der zeigt, dass die Kritik angekommen ist. Bereits umgesetzt wurde etwa die Forderung nach einem verbesserten Besucherzugang von der Haltestelle Schloss Laufen am Rheinfall zum Lift. Und auch das gemeinsame Ticketsystem ist schon Realität.

Ein Betreiber für alles gesucht

Später als geplant beginnt dafür der Umbau des Schlosses Laufen. Dies, weil neben der ohnehin nötigen Gesamtsanierung auch ein neues Betriebskonzept her soll. Die Details sind noch unklar. Sicher ist, dass der Kanton, dem das Schloss gehört, einen Betreiber für die gesamte Anlage sucht. Dieser soll alle touristischen Angebote aus einer Hand anbieten. Im Gegensatz zum Schaffhauser Modell wird dafür aber nicht eigens eine Betreibergesellschaft gegründet.

Besonders viel wird sich in den Bereichen Gastronomie und Hotellerie ändern. Der Mietvertrag mit der SV Group, der bisherigen Pächterin, wurde bis 2021 verlängert. Die Jugendherberge hat ein ähnliches Angebot abgelehnt und zieht bereits Ende 2019 aus. Obwohl der Umbau um vier Jahre auf 2024 verschoben wurde, soll die Nachfolge schon 2022 übernehmen: «Wir wollen den neuen Betreiber möglichst früh ins Boot holen, damit er beim Umbau auch mitreden kann», sagt Thomas Maag, Sprecher der Zürcher Baudirektion.

In seinem Bericht umreisst der Regierungsrat grob seine Pläne für die Gastronomie am südlichen Rheinfall. So sollen die Gäste künftig eine grössere Auswahl und eine schönere Aussicht haben. Damit sie künftig das Rheinfallbecken im Blick haben, muss das Restaurant verlegt werden. Nötig ist auch die Aufwertung der Kücheninfrastruktur. Zudem soll das kleine Museum nicht länger isoliert betrieben, sondern in den Gastronomie- und Hotelleriebetrieb integriert werden. Mit nur 42 766 Eintritten bei insgesamt über 730 000 Rheinfallbesuchern im Jahr 2018 gilt es als Sorgenkind.

Die Parkplatzfrage ist noch offen

Ob künftig auch auf der Zürcher Seite gebührenpflichtige Parkplätze geschaffen werden, ist noch nicht entschieden. Direkt betroffen wären die anliegenden Gemeinden Dachsen und Uhwiesen, die zusätzlichen Suchverkehr befürchten, wie es im Bericht des Regierungsrats heisst. Allerdings ist dort auch von flankierenden Massnahmen die Rede, die man dann ergreifen könne.