Sprache
So vielfältig «schnurren» die Zürcher und Zürcherinnen

Die Mehrheit spricht in Zürich Deutsch oder Mundart – es gibt aber auch Sprachexoten. Fünf von sechs in Zürich wohnhaften Personen sind nicht in der Stadt geboren – sondern zugezogen. Damit ist klar: Die Sprachenvielfalt in Zürich ist gross.

Lina Giusto
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Ein Prozent der Stadtzürcher – etwa 3800 Personen – lernt Schweizerdeutsch.

Ein Prozent der Stadtzürcher – etwa 3800 Personen – lernt Schweizerdeutsch.

Keystone/GAETAN BALLY

Vier von fünf Zürchern geben als ihre Hauptsprache Hochdeutsch und Mundart an. Das zeigt eine gestern veröffentlichte Statistik der Stadt Zürich. Englisch ist mit neun Prozent, Italienisch mit sechs und Französisch mit fünf Prozent ebenfalls oft vertreten. Unter den 30 am häufigsten gesprochenen Sprachen in Zürich befinden sich aber auch Exoten wie Farsi, Tigrinya oder Tagalog. Zwischen 400 und 800 Personen unterhalten sich in diesen weniger geläufigen Sprachen.

Das Züridüütsch ABC, Teil 1

aagattlige: Etwas angehen oder anreissen.
aaper: bedeutet schlicht schneefrei.
alpot: Von gelegentlich kaum eine Spur. Ein entsprechendes Ereignis - was auch immer - könnte auch «all Häneschiss», also eher zuhauf eintreffen.
bäägge: Hier wird geweint und geheult, was das Zeug hält.
bäfzge: Das tun kleine Hunde oder auch Menschen – anbellen.
blagiere: Etas für Angeber – blöffe.
Bonzefasnacht: Das Sechseläuten.
Brägel: Ein flacher Zürcher Kuchen.
Chätschgi: Der Kaugummi.
Chlöpfmost: Der Champagner.
Chlüppli: Entweder sind Wäscheklammern oder in der Mehrzahl die Finger damit gemeint.
Chrottepösche: Nicht eine Kröte ist damit gemeint sondern der Löwenzahn.
diffissiil: Wenn es kompliziert wird.
Dingulari: Alter Ausdruck für das neuzürcherische «Dingsbums».
Diwan: Das Sofa.
Eggüröiel: Was grässlich klingt, ist in Tat und Wahrheit ein süsses Eichhörnchen.
Fägnäscht: Ein sich nachts im Bett ständig drehender Zeitgenosse.
Fisimatänte: Die Lausbubenstreiche sind auch als «Schparglimänte» geläufig.
gäggäligääl: Der Zürcher Superlativ in Sachen Farbenlehre: gelber als gelb geht es nicht.
Gängelibüez: Eine feinmotorische Arbeit die man auch «Nifelibüez» nennt.
Galööri: Der Tölpel.
Guggummere: Die Gurke.
Gschtabi: Ein ungelenkiger Mitmensch.
Häftlimacher: Der Hutmacher. Der Ausdruck «Aufpassen wie ein Häftlimacher» bezeichnete die Konzentration bei einer akribischen Arbeit.
Halszäpfli: Der Adamsapfel.
Herkulanum: Das Zürcher Idiom für «Himmel, Herrgott, Stärne» oder das urzürcherische «Gottfried Stutz».
Hirnibick: Damit bezeichnet der Zürcher einen Dachschaden.
hundskomun: gewöhnlich.
Isetaxi: Der Zug.
Jota: Häufig ist eine Angelegenheit schlicht keinen «Zwänzger» wert.
Lumpesammler: Den Saufkumpanen den man als Letzer nach Hause bringt.
Lüüchzgi: Damit markiert man ganz einfach Textstellen.
Magefahrplan: Die aktuelle Speisekarte.
Murerjoghurt: Das Bier.
Mobikli: Ein kleines Momentchen gedulden.
Morelli: Die Diagnose lautet auf psychisches Tief.
Nasevelo: Die Brille.
nodere: Wieder ein Wort für arbeiten.
Oberschtübli: Der menschliche Denkapparat.
Ohreheuel: Die Taube.
Pändüüle: Das Pendel bei der Wanduhr, auch als «Gälerättli» bekannt.
plange: Sich etwas ersehnen.
Putsch: Ursprünglich für Knall. Durch den Züriputsch 1839 verbreitete sich das Wort im deutschsprachigen Raum.

Daheim Mundart sprechen

Die Internationalisierung macht sich auch am Arbeitsplatz bemerkbar. Wie sich zeigt, sprechen die über 450 000 Beschäftigten am Arbeitsplatz mehrheitlich Deutsch oder Schweizerdeutsch. Über ein Drittel jedoch spricht mit den Arbeitskollegen Englisch.

Die Landessprachen Französisch und Italienisch werden bei der Arbeit relativ selten gesprochen. Noch seltener hört man aber Gespräche auf Spanisch (drei Prozent), Portugiesisch, Serbisch, Kroatisch und Albanisch (alle je ein Prozent). Diese Sprachen werden öfter im privaten Umfeld gesprochen. Rund zwei Drittel der Zürcher sprechen zu Hause aber Mundart.

Und jene, die kein Deutsch sprechen, machen etwa einen Fünftel der Zürcher Bewohner aus. Etwa 12 Prozent der Stadtbewohner sprechen weder eine Landessprache, noch Englisch. Das sind etwa 8500 Personen, die am häufigsten serbisch, kroatisch, portugiesisch, türkisch oder albanisch sprechen. Ein Drittel davon lebt im Stadtquartier Hard, gefolgt von Schwamendingen-Mitte, Hirzenbach und Altstetten.

Diese Gruppe der Anderssprachigen zeichnet sich dadurch aus, dass sie erst kürzlich nach Zürich gezogen ist oder aber schon seit mehr als 20 Jahren hier leben. Letztere gehören denn auch zur Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen. Bemerkenswert ist , dass 4220 Italiener in Zürich leben, die weder Deutsch als Hauptsprache sprechen, noch in ihrem Umfeld so kommunizieren.

Freiwillig Sprachen lernen

Fehlende Sprachkenntnisse können denn auch im Alltag zu Verständigungsschwierigkeiten führen. Am meisten Probleme haben die Befragten bei Behördengängen oder im Kontakt mit dem Gesundheitspersonal. Diese Hürden sinken jedoch mit steigender Aufenthaltsdauer oder durch den Besuch von Sprachkursen. So zeigt die Statistik, dass innerhalb eines Jahres rund 27 Prozent der Zürcher freiwillig eine neue Sprache gelernt oder ihre Kenntnisse vertieft haben. Die Lernkurve aber ist je nach Altersgruppe sehr unterschiedlich.

Bei den 15- bis 24-Jährigen ist sie relativ steil. Der Anteil derjenigen, deren Hauptsprache nicht Deutsch ist, sinkt von 58 Prozent nach höchsten einem Jahr in der Schweiz, auf 32 Prozent bei einem fünf bis neunjährigen Aufenthalt hier. Sind sie zehn Jahre und länger im Land, sinkt ihr Anteil auf unter sieben Prozent.

Einen Lernbruch gibt es bei der Altersgruppe ab 45 Jahren. Der Anteil an Personen mit Deutschkenntnissen ist unabhängig von ihrer Aufenthaltsdauer in der Schweiz. Damit weisen die älteren Personen eine relativ flache Lernkurve auf. Dennoch: pro Jahr lernen etwa 13 000 Zürcher Deutsch.

Aber nicht nur: So spricht in Zürich jede fünfte Person mindestens zwei Hauptsprachen; jeder dreissigste sogar drei oder mehr. Auch hier gibt es grosse Unterschiede bei den Altersgruppen. Die Mehrsprachigkeit ist bei den 15- bis 24-Jährigen am häufigsten. Oft handelt es sich um fremdsprachig Aufgewachsene, die vor allem durch die Schulausbildung und Arbeit eine weitere Sprache lernen.

Je älter die Menschen werden, desto weniger häufig sprechen sie eine zweite Sprache. Zürich belegt in der Mehrsprachigkeit schweizweit lediglich den sechsten Rang. Auf den ersten drei Plätzen liegen Genf, Biel und Lausanne. Dies auch darum, weil viele internationale Organisationen ihren Standort in der Romandie haben.

Das Züridüütsch ABC, Teil 2

Quadrati: Das ist der Einfaltspinsel im Quadrat oder einfach ein Dösel.
Quodlibet: Ein Durcheinander verschiedener Stilrichtungen besonders im musikalischen Bereich.
rätsche: Jemanden verpetzen.
Riibyse: Ein streitsüchtiges, weibliches Geschöpf.
schampar: Die Steigerungsform von sehr.
sirache: Hier wird getobt.
süüferli: Behutsames Vorgehen ist gefragt.
Scheese: Eine wenig gebildete Zeitgenossin.
Schnuderlumpe: Ein gewöhnliches Taschentuch.
Schuumbüüle: Die Zürcher Version des «Mohrenkopfes».
schpatzifizottle: Das sagen die Zürcher, wenn sie spazieren gehen.
schpatzig: Damit meint man einen Zwischenraum.
Schpinnwindi: Die Psychiatrie.
Schpöizchnebel: Das ist die Holzflöte.
Schpränzel: Ein Mann, der etwas dünn geraten ist.
schtaggele: Stottern.
Schtierenaug: Das Spiegelei.
schtigelisinig: Wenn etwas wahnsinnig enervierend ist.
tschudere: Ein kurzfristiges Frösteln.
tuubetänzig: Eine gewisse innere, wie auch äussere Nervosität.
überschtelig: Leicht übermütig.
verchachle: Wenn man schlechte Arbeit abliefert.
wäärwäisse: Mutmassen.
Waldfäscht: Die Cervelat oder auch «Arbeiter-Forelle».
Wäleschleger: Ein Kaffee- oder Teelöffel.
Zimmerlinde: Liebevolle Bezeichnung für den Gatten oder die Gattin.
Zingge: Eine markante Nase.