Tox-Zentrum
So viele Anrufe aufs Giftberatungs-Telefon, wie noch nie

35'568 Mal hat letztes Jahr im Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum (Tox-Zentrum) das Giftberatungs- Telefon geklingelt. In den allermeisten Fällen ging es um konkrete Gift-Kontakte, 10 Prozent der Anrufenden wollten sich vorsorglich informieren.

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Nicht zum Verzehr geeignet: Der Fliegenpilz.

Nicht zum Verzehr geeignet: Der Fliegenpilz.

Keystone

Erneut angestiegen ist die Zahl der Pilzvergiftungen, wie Tox- Zentrum-Direktor Hugo Kupferschmidt am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Verzeichnete das Zentrum 2010 knapp 450 Patienten mit Pilzvergiftung, so waren es 2011 rund 470.

Insgesamt allerdings sind Pilzvergiftungen laut Kupferschmidt «eine Randerscheinung». Um sie ging es letztes Jahr bei grade mal 2% aller Beratungen. Vergiftungen mit Pilzen kämen saisonal beschränkt vor und seien stark wetterabhängig. Ihre Zahl schwanke denn auch von Jahr zu Jahr erheblich.

Rekordzahl Anrufe

Die Gesamtzahl der Beratungsfälle nahm erneut zu. Mit 35'568 Anrufen wurde die Giftberatung um 4% häufiger in Anspruch genommen als im Vorjahr, so oft, wie nie zuvor, wie das Tox-Zentrum mitteilte.

Bei 52% der Anfragen ging es um mögliche oder tatsächliche Vergiftungen bei Kindern, und zwar in neun von zehn Fällen um Kinder im Vorschulalter. Meist hatten sie Medikamente, Haushaltprodukte oder Pflanzen zu sich genommen.

Handelt es sich bei Kindern im Allgemeinen um Unfälle, so geht es bei den Erwachsenen häufiger um absichtliche Selbstvergiftung: 69% dieser Fälle waren laut Mitteilung Selbstmordversuche, 11 Prozent Fälle von Substanzmissbrauch.

Kaum Meldungen über Todesfälle

Über die Folgen der Vergiftungen konnte Kupferschmidt noch nichts sagen. Die meisten Vergiftungen seien gut behandelbar. Schwere Fälle zögen sich häufig länger hin. Im August veröffentlicht das Tox- Zentrum jeweils detailliertere Zahlen.

Laut dem Direktor des Tox-Zentrums dürfte sich die Anzahl Todesfälle 2011 «im Rahmen der Vorjahre bewegen» - also bei rund zehn. Dies sei allerdings nur ein sehr kleiner Teil der tödlichen Vergiftungen in der Schweiz.

«Giftzentren können nur rund 5-10% der Todesfälle erfassen», sagte Kupferschmidt. Dies aus dem einfachen Grund, weil die Beratungszentren nicht mehr beigezogen werden, wenn die Vergifteten schon tot sind, wenn man sie findet. «Da gibt es nichts mehr zu beraten». In diesen Fällen würden allenfalls die Rechtsmediziner aufgeboten.

Am häufigsten Medikamente

Insgesamt rangieren laut Tox-Zentrum Medikamentenvergiftungen mit fast 40% auf Platz 1 aller Vergiftungen, gefolgt von Haushaltprodukten (25,5%) und Pflanzen (10%).

Pflanzenvergiftungen nahmen laut Mitteilung deutlich zu: Ihre Zahl stieg um gut 15% auf über 3000 Fälle. Am häufigsten waren Kirschlorbeer, Eiben oder andere, «nicht identifizierte» rote Beeren die Ursache.

Bei den Beratungen geht es im übrigen nicht nur um Menschen. In insgesamt 1521 Fällen waren Tiere die Patienten, ein Anstieg um 4,7% gegenüber 2010. In 69% der Fälle sorgten sich die Anrufer um Hunde, in 21% der Fällen um Katzen.