Smart-City
So smart soll Zürich werden

Programmierer tüfteln während zwei Tagen an Lösungen, wie man den Grundwasserpegel, die Pendlerströme der Velofahrer und die Luftverschmutzung messen kann.

Lina Giusto
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Aus diesen Kabeln sollen rund 80 Hackathon-Teilnehmer smarte Lösungen für Zürich entwickeln

Aus diesen Kabeln sollen rund 80 Hackathon-Teilnehmer smarte Lösungen für Zürich entwickeln

Limmattaler Zeitung

Zürich soll effizienter, energiesparsamer und ökologischer werden. Genau darüber brüten, tüfteln und programmieren ab heute während zwei Tagen im Impact Hub im Kreis 5. Rund 80 kreative Köpfe nehmen am ersten «Make Zurich Hackathon« teil. Dieser Wettbewerb findet in Zusammenarbeit mit Open Data Zürich, den Elektrizitätswerken Zürich (EWZ) und The Things Network statt. Letztere ist eine internationale Organisation, die ein globales Internet für Dinge entwickelt – ein Netzwerk, das Geräte und Gegenstände digital miteinander verbindet.

Smart soll Zürich durch den Einsatz neuer Technologien werden, die unterschiedlichste Verwaltungsprozesse optimieren. Die Limmatstadt könnte damit zu einem Wohnort werden, der seinen Bewohnern eine hohe Lebensqualität bietet und dabei nur minimal Ressourcen verschwendet. Eine intelligente Verknüpfung von Infrastrukturen, wie Transportmittel, Energie und Kommunikation kann das ermöglichen, schreibt Smart City Schweiz auf ihrer Homepage. Zum Einsatz kämen solche Lösungen beginnend bei kleinen Einheiten wie Gebäuden, über Quartiere, bis hin zum städtischen Gesamtnetz.

Mit einer Smart-City-Strategie hat die Stadt auf eine politische Motion hin im vergangenen November Peter Messmann beauftragt. «Wir entwickeln eine departementsübergreifende Strategie, die es erlaubt mittels Prozessen und Technologien Synergien in der Verwaltung zu nutzen und einen Mehrwert für die Bürger sowie Unternehmen zu schaffen», erklärt Messmann seine Aufgabe. Solche Bedürfnisse gibt es auch in unterschiedlichen städtischen Abteilungen. Diese haben zusammen mit den Machern des heute beginnenden Innovationswettbewerbs sechs zukunftsgerichtete Bedürfnisse formuliert.

Unkonventionelles ist gefragt

Die EWZ sind mit zwei Projekten am Hackathon vertreten. Zum einen wollen sie von den Teilnehmern wissen, wie man künftig den Grundwasserspiegel messen kann. Diese Angaben sind für die Wärmepumpen im städtischen Boden relevant. Zudem wünscht sich die EWZ ein System für die Überwachung von E-Bikes. Damit erhoffen sie sich, Diebstähle weitestgehend verhindern zu können. Möglich machen soll diese Überwachung ein Netzwerk, dass trotz niedrigem Energieverbrauch eine grosse Reichweite erreichen kann. Ein eigenständiges Team der EWZ entwickelt derzeit ein Pilotprojekt, das eine Vielzahl von Gegenständen und Geräten über ein Netzwerk verbinden kann.

Eine Übersicht über die Pendlerströme der Velofahrer wünscht sich das Tiefbauamt der Stadt Zürich. Zudem wünscht sich das Sicherheitsdepartement ein Netzwerk, dass Lärmemissionen – explizit des Zürcher Nachtlebens – quantifiziert. Die letzten beiden städtischen Projekte fordern umweltbezogene Lösungen: Zum einen will Grün Stadt Zürich mehr über das Pflanzenwachstum Bescheid wissen, während der Umwelt- und Gesundheitsschutz neue Messmethoden der Zürcher Luft wünscht.

Damit in den nächsten beiden Tagen die Teilnehmer des Wettbewerbs auch gut vorbereitet sind, fand bereits vergangene Woche ein erster Workshop statt. Die Bedürfnisse der Stadtabteilungen wurden detailliert vorgestellt. Reto Wick von Open Data Zürich sagt: «Einige Teams haben bereits Ideen kommuniziert, jedoch eher skizzenhaft.» Deshalb sei es momentan noch zu früh, konkrete Beschreibungen vorzunehmen.

Wie aus Ideen Realität wird

Ob und wie es mit den realisierten Lösungen am Samstagabend weitergeht, ist laut Wick noch offen. Primär gehe es bei solchen Anlässen darum, Leute zusammenzubringen und Ideen entstehen zu lassen. «Auf diese Weise können unkonventionelle Ansätze entstehen, die bisherige etablierte Denkweisen hinterfragen», so Wick.

Das unkonventionelle Ideen auch Realität werden können, zeigen bereits zwei umgesetzte Projekte in Zürich. Seit über einem Jahr ist die Furttalstrasse in Zürich Affoltern auf 950 Metern mit 33 LED-Leuchten ausgestattet. Dabei handelt es sich um eine sogenannte intelligente Strassenbeleuchtung. Die Lichtintensität passt sich anhand von Sensoren dem tatsächlichen Verkehr an. Damit ist für die Sicherheit der Autofahrer gesorgt, gleichzeitig wird aber der Energieverbrauch gesenkt.

Zudem wird im Juli 2017 das Areal Green City in Zürich Süd für 800 Bewohner bezugsbereit. Es gilt als Pionierquartier der Stadt, das konsequent nach den Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft errichtet wurde. Die Gebäude sind nach dem Minergiestandard erbaut und die Stromversorgung erfolgt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.