Die Szenerie erinnert an die Hauswirtschaftsschule zu Gymi-Zeiten: Auf dem einen Tisch liegen Gemüseraffeln und Seifenblöcke, auf dem anderen Zitronen, Trichter, Ölflaschen und Kochplatten, auf dem nächsten ein Mörser, Holzbrettchen, Teepackungen – und ein Glas Asche.

Die beiden Studentinnen Alina Wittwer und Miriam Leimgruber haben im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche der Zürcher Hochschulen zum Workshop «Hausmittel selber herstellen» ins Toni-Areal geladen.

Wittwer, die Umweltwissenschaft studiert, erklärt, warum es nachhaltig sei, Handcrème, Zahnpasta, Waschmittel oder Deos selber herzustellen: Handelsübliche Handcrèmen würden beispielsweise zumeist Mikroplastik als Bindemittel enthalten.

«Das kommt dann in die Flüsse, ins Meer, die Fische essen es – und wir essen dann die Fische.» Mit Mikroplastik. Guten Appetit!

Oder zum Beispiel Zahnpasta: «Manche davon enthalten auch heute noch Phosphat», sagt Wittwer. Das führe in den Gewässern zu übermässigem Algenwachstum und letztlich zu Zonen ohne Sauerstoff im Wasser, woran wiederum Fische sterben.

Waschpulver selber gemacht

Waschpulver selber gemacht

Der hohe Fluorgehalt mancher Zahnpasten stehe zudem unter Verdacht, Krebs erregen zu können. Ebenso das Aluminium, das in vielen Deos enthalten sei.

«Es gibt zwar auch umweltfreundliche Produkte zu kaufen», so Wittwer. «Aber die sind oft teuer.» Zudem kaufe man damit jeweils auch noch Verpackungsmaterial, das im Abfall landet. «Grund genug, selber Produkte herzustellen», so die Umweltstudentin.

Die Workshop-Teilnehmenden – zwölf junge Frauen, zwei junge Männer – machen sich ans Werk. Die Rezepte sind simpel. Für die Zahnpasta etwa wird Birkenzucker (Xylit), Asche, und Natron abgewogen und mit Kräutertee für den Geschmack vermischt.

Die Asche lässt sich bei der nächsten Gartenparty durch Verbrennen von Ästen selbst gewinnen. Alle anderen Zutaten gibts in grösseren Detailhandelsfilialen oder Reformhäusern. Um das Pulver zur Paste zu machen, genügt es, eine feuchte Zahnbürste hineinzutunken.

Doch wie wirkt diese Mischung gegen Karies? «Xylit und Natron verhindern, dass die zahnschädigenden Bakterien sich vermehren», erklärt Wittwer. «Und die Asche sorgt für einen reinigenden Reibungseffekt.»

Am Tisch nebenan bereiten die Workshop-Teilnehmerinnen Handcrème zu: In einem Glas im Wasserbad erhitzen sie Bienenwachs und Speiseöl, bis das Wachs schmilzt. Für den Geruch fügen sie frisch geriebenen Ingwer hinzu. Auch Spitzwegerich oder ätherische Öle würden sich dazu eignen, sagt Leimgruber.

Die Workshop-Co-Leiterin hat die Handcrème bereits ausprobiert. «Ob sie mit einer Anti-Aging-Crème mithalten kann, weiss ich nicht», räumt sie ein. «Aber ich glaube, sie genügt für das, was die Haut wirklich braucht: etwas Feuchtigkeit und Fett.»

Der Zitronendeo ist ebenfalls rasch zubereitet: Wasser mit frischgeriebener Zitronenschale aufkochen, Zitronenschale darin ziehen lassen, Natron beimischen, nach dem Abkühlen Ethanol hinzufügen – fertig. Laut Wittwer ist der Deo problemlos zwei Wochen haltbar.

Auch das selber gemachte Waschmittel ist keine Hexerei: Kernseife fein raffeln, mit Soda, Natron und Regeneriersalz mischen – und vor dem Waschgang in heissem Wasser auflösen. Auch hier lässt sich mit ätherischen Ölen eine spezielle Duftnote hinzufügen. «Das Waschpulver ist aber nicht geeignet für Wolle und Seide», warnt Leimgruber.

Nach gut einer Stunde haben alle Workshop-Teilnehmer alle vier Hausmittel hergestellt. Zeit zum Probieren. Die Zahnpasta schmeckt angenehm süss und nach Pfefferminze – lecker! Beim Deo hätte es noch etwas mehr Aroma vertragen, doch dank des rasch auf der Haut verdampfenden Alkohols wirkt er erfrischend.

Die Handcréme zieht gut in die Haut ein, doch der mit Ingwer versetzte Bienenwachsgeruch ist nicht jedermanns Sache. Das Waschpulver stinkt – aber daran liesse sich ja mittels ätherischen Ölen noch etwas machen.