Wahlen 2011

«So links bin ich nun ja auch wieder nicht»

Will das neue Amt «mit Power» übernehmen: Martin Graf.  bierI/key

Will das neue Amt «mit Power» übernehmen: Martin Graf. bierI/key

Der neue grüne Regierungsrat Martin Graf glaubt nicht an den «Fukushima»-Effekt. Er habe eine liberale Haltung, aber in gewissen Punkten vertrete er schon seit langem «grünradikale Positionen».

Martin Graf, Hand aufs Herz, haben Sie daran geglaubt, Regierungsrat zu werden?

Martin Graf: Ich habe mich innerlich darauf eingestellt, nicht gewählt zu werden. Ich habe mich im Wahlkampf ja exponiert. Das war ein bewusster Entscheid. Ich wollte sagen, was ich denke. Ich wollte mich nicht verbiegen und einfach etwas leicht abgeschwächter zu sagen, nur um mehr Stimmen zu erhalten.

Dass im Kanton Zürich ein Grüner gewählt wird, und erst noch ein linker Grüner, kommt also auch für Sie selbst überraschend?

Zuerst einmal bin ich für unsere Partei froh, dass sie ihren Sitz in der Zürcher Regierung wieder zurückerobern konnte. Die Grünen stellten ja nur einmal ein Mitglied der Regierung. Das war mit Verena Diener. Und verglichen mit ihr, die ja dann 2004 die Grünliberalen mitbegründet hatte, stehe ich schon weiter links. Aber so links bin ich nun ja auch wieder nicht. Ich habe eine liberale Grundhaltung. Aber in gewissen Punkten vertrete ich schon seit langem grünradikale Positionen. Etwa bei den Themen Atomkraftwerke oder Gentechnologie. Da habe ich weniger Vertrauen in die Technik als andere.

Wie viel hat der «Fukushima»-Effekt am Ende zur Wahl beigetragen?

Nicht viel, denke ich. Bei Sachabstimmungen würde dieser Effekt viel mehr ausmachen, weil sich dann die Meinung, bedingt durch die Katastrophe, vor dem Urnengang noch ändern kann. Bei einer Wahl, vor allem einer mit einer tiefen Beteiligung von etwas über 30 Prozent, hat dieser Effekt aber kaum einen Einfluss. Die Wähler, die sich regelmässig an der Politik beteiligen, haben ihre Partei. Diese wechseln sie nicht so rasch.

Sie sind Stadtpräsident von Illnau-Effretikon, jetzt werden Sie Regierungsrat. Ist die politische Arbeit in Zürich wesentlich anders?

Die Ämter lassen sich nicht wirklich miteinander vergleichen. Als Regierungsrat werde ich wieder in einem Ressort drin sein. Und ich kann in Zukunft vielleicht, anders als ich es bislang gewohnt war, nicht mehr so freihändig führen. Zudem ist die Arbeit im Regierungsrat auch viel formeller, als sie es auf kommunaler Ebene ist.

Was heisst das?

Ich muss mich wohl hin und wieder etwas zurücknehmen und auch einmal aufs Maul sitzen (lacht).

Welches ist Ihr Wunschressort?

Ich habe natürlich meine Vorlieben. Aber ich will der konstituierenden Sitzung des Regierungsrats nicht über die Medien vorgreifen. Klar ist, dass ich das Amt, welches es auch sein wird, mit Power übernehmen werde.

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