Umweltentlastung
So kreativ versuchen Zürcher Detaillisten ihren Abfall zu reduzieren

Der Lebensmittelhandel befasst sich aus kostentechnischen und umweltschonenden Gründen intensiv mit dem Thema Abfall. Zürcher Detailisten versuchen nun mittels Einsatz von Mehrweggeschirr ihre Ressourcen zu schonen.

Lina Giusto
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Lange getestet und seit diesem Sommer an sechs Migros Take-Away offiziell im Einsatz: das Mehrweggeschirr. ZVG

Lange getestet und seit diesem Sommer an sechs Migros Take-Away offiziell im Einsatz: das Mehrweggeschirr. ZVG

Wo viele Menschen leben, gibt es viel Abfall. Wie die Abfallstatistik des Kantons Zürich zeigt, hat die Zürcher Bevölkerung 2015 pro Kopf rund 203,4 Kilogramm Kehricht- und Sperrgut-Abfall verursacht. Hinzu kommen pro Kopf noch 14,9 Kilogramm Karton und 28,4 Kilogramm Verpackungsglas, wobei hier das Mehrwegglas nicht berücksichtigt wird. Die Abfallmengen an Karton und Glas sind seit 2013 im ganzen Kanton, aber auch in der Stadt Zürich etwa gleich geblieben. Dagegen sank in den letzten drei Jahren die kantonale Pro-Kopf-Menge an Kehricht um rund sieben Kilogramm.

Offenbar sind die Zürcher im Umgang mit Abfall sparsamer geworden. Diese Einschätzung dämpft aber Daniel Oetiker von der Baudirektion des Kantons Zürich: «Diese Interpretation der Daten ist heikel. Betrachtet man alle Siedlungsabfälle, so ist die Menge pro Kopf mit leichten Schwankungen über die letzten Jahre in etwa konstant geblieben.» Dennoch kann man – wenn auch nur von einer leichten Stagnierung des Abfalls pro Kopf ausgehen, da die Bevölkerung seit 2013 im Schnitt um drei Prozent gestiegen ist.

Die Reduktion des Kehrichts um rund sieben Kilogramm schreibt Oetiker denn auch einer anderen Entwicklung zu. Da viele Gemeinden eine umfassende Sammlung von biogenen Abfällen inklusive Küchen- und Speiseresten eingeführt hätten, würden diese Mengen in der Kategorie «Kehricht und Sperrgut» entfallen. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass die ausgewiesenen Abfallmengen nicht nur von privaten Haushalten stammen, sondern auch jene des Gewerbes miteinbeziehen.

Plastiksäcke kosten bald fünf Rappen

Coop testet ab 24. Oktober in zehn Filialen der Stadt Zürich die kostenpflichtigen Plastik-taschen. Kosten werden die weissen Plastiktüten dann vorläufig fünf Rappen. Läuft der Test bei Coop zufriedenstellend, werden sie laut eigenen Angaben die Kostenpflicht bei den Plastiksäckchen kommenden Frühling auf die gesamte Schweiz ausweiten. Die Gebühr für die Plastiksäckchen hat die Migros bereits 2013 getestet. Dabei stellte die Migros laut eigenen Angaben eine «drastische Reduktion» beim Verbrauch der weissen Säckchen fest. Die Migros-Plastiktaschen kosten bereits ab 1. November in der ganzen Schweiz fünf Rappen. Damit wird eine seit 2012 vom Parlament geforderte Massnahme endgültig umgesetzt. (GIU)

Mehrweggeschirr kostet

Das Gewerbe – darunter besonders der Lebensmittelhandel – befasst sich aus kostentechnischen aber auch umweltschonenden Gründen intensiv mit ihren Abfallmengen. So führte die Genossenschaft Migros Zürich zu Beginn des Sommers das Mehrweggeschirr ein. Bei den sechs Standorten in der Stadt handelt es sich um die Take-Aways der Migros City, Kreuzplatz, Limmatplatz, Rigiplatz, Stadelhofen und Wengihof. Gegen ein Depot von zehn Franken kann man das Mehrweggeschirr beziehen und später ungereinigt wieder beim Take-Away abgeben oder aber für den nächsten Essenseinkauf benutzen. Francesco Laratta, Mediensprecher der Genossenschaft Migros Zürich sagt, man werde das Angebot des Mehrweggeschirrs auch auf weitere Schnell-Restaurants ausweiten.

Wie viel Abfall die Migros durch die Einführung von wiederverwendbarem Geschirr sparen kann, lässt sich laut Laratta nur schwierig beziffern. «Grundsätzlich wird mit dem Einsatz von Mehrweggeschirr mindestens ein Plastikbehälter pro Einkauf gespart. Mittel- bis langfristig können so Tausende Verpackungen vermieden werden», sagt er. Durch die Rücknahme und den Abwasch des Geschirrs würde die Migros keine Kosten sparen, dafür werde aber in die Umwelt investiert.

«Refill» schont die Umwelt

Auch der Lebensmittelhändler Coop akzeptiert von Kunden mitgebrachte Behälter. «Aus Hygienegründen muss die Tupperware aber sauber sein und aus Sicherheitsgründen akzeptieren wir keine bruchfähigen Behältnisse», sagt Ramón Gander, Mediensprecher von Coop, auf Anfrage. Wo möglich biete Coop bereits heute Produkte im Offenverkauf – also gänzlich unverpackt – an. Dies gerade in den Bereichen Früchte, Fleisch, Fisch und Käse. Eine Ausweitung auf andere Bereiche hat Coop getestet, die Versuche aber aus hygienischen Gründen wieder eingestellt. Auch Migros hat seine Zweifel, ob es gänzlich ohne Verpackung geht. Laut Mediensprecher Laratta belaste die Verpackung von Lebensmitteln die Umwelt nur zu einem geringen Teil. «Dieser Beitrag liegt bei unter vier Prozent», sagt er. Betrachte man den gesamten Produktlebenszyklus, falle auf, dass der Anbau eines Rohstoffs die grösste Umweltbelastung darstelle. Dies hätte mit dem intensiven Bewässerungs-, Dünger- und Pestizideneinsatz zu tun.

Dennoch gibt es in Zürich auch Ladenformate, die den Lebensmittelkreislauf vom Anbau bis auf den Teller nachhaltig optimieren wollen. Die Zero-Waste-Philosophie fokussiert darauf, keine Lebensmittel wegzuwerfen, mit der Energie sparsam umzugehen und die Verpackung zu reduzieren. Der Bachsermärt in der Kalkbreite Wohnsiedlung operiert genau nach diesem Prinzip. Das «Refill»-Angebot umfasst über 50 Produkte, die ohne Verpackung gekauft werden können. Im offenen Angebot gibt es Teigwaren, Hülsenfrüchte, Reis, Salz, Öl, Essig, Zucker sowie Milch, und Frühstücksflocken, und damit fast alles für den täglichen Gebrauch.