Zürich
So kam die Börse an die Sihl

Weil in den 1990er-Jahren die Computer aufkamen, hat die Börse an der Selnaustrasse in Zürich heute zu viel Platz.

Valéry Jeanbourquin
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1992 bezog die Börse das Gebäude an der Selnaustrasse.

1992 bezog die Börse das Gebäude an der Selnaustrasse.

Keystone

Während die Schweizer Börse Schritt für Schritt ihre neuen Räumlichkeiten in Zürich bezieht, jährt sich der letzte Umzug der damaligen Zürcher Börse zum 25. Mal. Ein Jahr nach dem Umzug entstand durch die Fusion der Zürcher Börse mit den Handelsplätzen Genf und Basel die heutige Schweizer Börse SIX.

In den späten 80er-Jahren liess die Zürcher Börse ein neues Quartier für den klassischen Parketthandel an der Zürcher Selnaustrasse bauen. Damit sollte der nötige Platz für den explodierenden Wertschriftenhandel geschaffen werden. Denn damals begannen Unternehmen, sich stärker über den Kapitalmarkt zu finanzieren. Zudem kamen Derivate auf.
Für die Zürcher Börse war der Wechsel an die Selnaustrasse bereits der zweite Umzug. Das erste Gebäude, das zwischen 1877 und 1880 erbaut wurde, befindet sich in der Börsenstrasse. 1930 zog die Zürcher Börse dann an den Bleicherweg – das Gebäude wird heute noch «Alte Börse» genannt. Dort gab es zwei Handelsringe, die mit Telefonen ausgestattet waren.

Auch andere Börsenplätze mussten damals aus Platzgründen umziehen. Seinerzeit gab es in der Schweiz sieben Börsen: die drei grossen in Zürich, Genf und Basel. Daneben waren vier kleinere Börsen in Lausanne, Bern, Neuenburg und St. Gallen angesiedelt.

Die Zürcher Börse zog schliesslich im Juli 1992 in die neuen Räumlichkeiten am Ufer der Sihl ein. Das Gebäude bot genug Platz für sechs Handelsringe. Ein Jahr später folgte der Zusammenschluss mit Genf und Basel zur Schweizer Börse.

Platz bald nicht mehr gefragt

Noch für einige Jahre sollte an der Selnaustrasse über das System «à la criée» gehandelt werden, bei dem sich schreiende Händler gegenseitig Aktien und Obligationen feilboten. Erst Ende 1995 begann das platzsparendere elektronische Börsenzeitalter. Computer haben weit geringere Platzbedürfnisse als Menschen.

Kaum war das massige und 200 Millionen Franken teure Gebäude denn auch eingeweiht, stellten sich die Verantwortlichen schon die Frage, ob die Börse dort lange bleiben würde. Inzwischen belegt die Börse nur noch wenig Raum in dem Gebäude. Der Rest ist unter anderem an Büros und Restaurants vermietet.

An die ursprüngliche Funktion erinnert nur noch ein Bildschirm am Eingang mit den aktuellen Börsenkursen und ein ringförmiger Konferenzsaal. Dieses Jahr nun zieht die Swiss Exchange in ein kleineres und kostengünstigeres Gebäude im Hardturmpark ein.

Das Gebäude an der Selnaustrasse hat die Pensionskasse BVK als bisherige Eigentümerin an EF Education First verkauft, einen Anbieter für internationale Bildungsprogramme. Das multinationale Unternehmen mit Sitz in Luzern beschäftigt weltweit 40 000 Mitarbeitende. In Zürich sollen nach dem Einzug rund 1000 Angestellte arbeiten. (SDA)