Banken
SNB-Entscheid ist keine gute Nachricht für Bankenplatz Zürich

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sind gestern auch die Aktienkurse von Schweizer Banken eingebrochen – der stärkere Franken könnte negative Folgen haben.

Philipp Lenherr
Drucken
Teilen
Auch dem Bankenplatz Zürich könnten trübe Aussichten bevorstehen.

Auch dem Bankenplatz Zürich könnten trübe Aussichten bevorstehen.

Keystone

Der tiefe Fall des Euros gegenüber dem Schweizer Franken sorgte gestern bei den Banken für einen Ansturm von Kunden, die günstig Euros ergattern wollten. Der starke Schweizer Franken könnte den einheimischen Banken aber auch darüber hinaus noch Probleme bereiten. Ihre Aktienkurse sind gestern teilweise im zweistelligen Prozentbereich eingebrochen – und das nicht ohne Grund.

«Der Rückgang der Kurse ist weitgehend gerechtfertigt, auch im Ausmass», sagt Andreas Brun, Aktienanalyst für Banken bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), auf Anfrage. Potenziell am stärksten betroffen sind Finanzinstitute, die hauptsächlich Vermögensverwaltung betreiben, also etwa die UBS oder die in Zürich ansässige Privatbank Julius Bär. «Die verwalteten Kundenvermögen sind grösstenteils in Euro und Dollar angelegt», sagt Brun. Werden diese nun zu einem Stichtag zu den jetzt tieferen Kursen in Franken bewertet, so sinkt die Summe der verwalteten Vermögen und damit die Erträge der Vermögensverwalter.

Auch Zinsband wird gesenkt

Aber auch Banken, die vorwiegend im Retailgeschäft tätig sind, also beispielsweise die Kantonalbanken oder die Raiffeisenbank, kommen nicht ungeschoren davon. Denn die SNB hat gestern gleichzeitig mit der Aufhebung des Mindestkurses auch eine Senkung des Zinsbandes bekannt gegeben. «Dadurch sinken die schon seit Monaten rückläufigen Zinsmargen der Banken noch weiter», sagt Brun. Zudem geht er davon aus, dass die Rezessionsrisiken in der Schweiz durch den gestrigen Entscheid der SNB grösser geworden sind – wodurch bei den Banken in der langen Frist auch die Wahrscheinlichkeit für Kreditausfälle steige.

Für den Finanzplatz Schweiz dürfte der stärkere Schweizer Franken somit zu einer weiteren Belastung werden. Mögliche negative Folgen könnten sich gerade auch in der Region Zürich bemerkbar machen, da hier ein grosser Teil des Vermögensverwaltungsgeschäfts angesiedelt ist.

Die Privatbanken beispielsweise, die oft einen grossen Anteil ausländischer Kunden haben, sind in einer vergleichbaren Situation wie die Exportindustrie: Ihre Kosten fallen in Schweizer Franken an – und das exportierte Produkt, in diesem Fall die Beratungsdienstleistung, muss sich mit den Preisen von Anbietern aus anderen Ländern messen lassen. Dies könnte im schlimmsten Fall – wiederum ähnlich wie bei der Exportindustrie – zu einem Abbau von Arbeitsplätzen in der Schweiz führen. Die Zukunftsaussichten des Finanzplatzes Zürich sind durch den gestrigen Ausstieg aus der faktischen Euro-Anbindung des Schweizer Frankens jedenfalls nicht besser geworden.