Energiewende
Smart Meter kommen flächendeckend im ganzen Kanton

Trotz bescheidenem Stromspareffekt setzen die EKZ auf die schlauen Messgeräte. Die EKZ investieren dafür in den nächsten zwei Jahren 13 Millionen Franken. In den nächsten 20 Jahren sei mit Kosten von rund 100 Millionen Franken zu rechnen.

Matthias Scharrer
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Die in Zürich getesteten Smart Meter zeigen den Konsumenten ihren Stromverbrauch direkt an.

Die in Zürich getesteten Smart Meter zeigen den Konsumenten ihren Stromverbrauch direkt an.

1000 Haushalte in Dietikon machten den Anfang. Nun führen die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) Smart Meter, die den Stromverbrauch automatisch an den Energieversorger übermitteln, ab Herbst 2013 flächendeckend im ganzen Kanton Zürich ein. Die EKZ investieren dafür in den nächsten zwei Jahren 13 Millionen Franken, wie Sprecherin Priska Laïaïda auf Anfrage sagte. In den nächsten 20 Jahren sei mit Kosten von rund 100 Millionen Franken zu rechnen.

Von den neuartigen Stromzählern sollen jährlich 25 000 Stück eingebaut werden. «Zum einen wechseln wir alte Stromzähler aus. Zum anderen werden in Neubauten von Anfang an nur noch Smart Meter eingebaut», so Laïaïda. Höhere Strompreise seien daher nach jetzigem Stand nicht zu erwarten.

Schwerpunkt der Neuausrichtung sei in einer ersten Phase der Raum Dietikon/Schlieren. In Dietikon hatten die EKZ vor drei Jahren ein Smart-Meter-Pilotprojekt mit 1000 Haushalten lanciert. Der ökologische Effekt blieb laut EKZ-Angaben zwar unter den Erwartungen: Der Stromverbrauch sank in den Testhaushalten, die ein Anzeigegerät direkt in der Wohnung hatten, um rund 3 Prozent.

Ausschlaggebend für den EKZ-Entscheid zur flächendeckenden Einführung ist aber laut Laïaïda ein anderer Aspekt: «Prozesse können automatisiert und damit vereinfacht werden.» Der Stromverbrauch müsse nicht mehr in jedem Haushalt vor Ort abgelesen werden. Und: «Das ist ein erster Schritt in Richtung Smart Grid» – also hin zu einer Stromproduktion und -verteilung, die unmittelbar auf die Verbraucherbedürfnisse abgestimmt ist.

Anzeigegeräte direkt in der Wohnung sieht die jetzige EKZ-Strategie nicht vor. Stattdessen sollen Kunden ab nächstem Jahr im Internet Details zu ihrem Stromverbrauch nachsehen können.

«Wichtiger Baustein»

Auch das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) setzt künftig auf Smart Meter: «Ab Mitte 2014 sind wir bereit für den Rollout», sagte Lukas Küng, Leiter Verteilnetze beim EWZ, gestern bei der Präsentation einer gross angelegten wissenschaftlichen Studie zum Thema Smart Meter.

An der Stadtzürcher Studie, die Forscher der Universitäten Lausanne und Zürich mit dem EWZ und dem Bundesamt für Energie durchführten, waren 5000 Testhaushalte beteiligt. Davon hatten rund 1000 Anzeigegeräte direkt in der Wohnung. Bei ihnen sank der Stromverbrauch um 3,2 Prozent, was beim aktuellen Strompreis knapp 15 Franken pro Jahr entspricht. Bei den anderen Testhaushalten, die entweder Stromsparberatung erhielten oder ihren Stromverbrauch mit anderen Haushalten vergleichen konnten, war der Stromspareffekt deutlich geringer. Die Studie dauerte 15 Monate.

Sie zeigte auf, dass der Stromverbrauch vor allem in der Anfangsphase stark sank, wenn die Konsumenten die Anzeigegeräte häufig benutzten. Damit ist wissenschaftlich erhärtet, dass Smart Meter zum Stromsparen beitragen können. Umstritten ist jedoch nebst dem Thema Datenschutz, ob der Stromspareffekt die hohen Kosten rechtfertigt. Um die 200 000 Stromzähler in der Stadt Zürich durch die in der Studie verwendeten Smart Meter zu ersetzen, wären laut Küng Investitionen von 120 Millionen Franken nötig.

Dennoch hält Matthias Gysler, Chefökonom des Bundesamts für Energie, Smart Meter für «volkswirtschaftlich sinnvoll». Sie seien im Hinblick auf die angestrebte Energiewende ein «wichtiger Baustein» der Energiestrategie des Bundes, über die die eidgenössischen Räte nächstes Jahr entscheiden werden.