Zürich
Sitzbänke werden zur Begegnungszone – die Köpfe hinter «Hansbank in allen Gassen»

Das «Hansbank in allen Gassen» - Projekt will mit kreativ gestalteten Sitzgelegenheiten der städtischen Anonymität entgegenwirken und damit den Austausch zwischen den Menschen fördern

Lina Giusto
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Die Köpfe hinter der Hansbank: Stadtzürcher SP-Gemeinderätin Linda Bär, Nils Epprecht (Res Publik), Laura Bruns (Stadtstattstrand), Andreas Rupf und Valentin Stuber (beide Res Publik).

Die Köpfe hinter der Hansbank: Stadtzürcher SP-Gemeinderätin Linda Bär, Nils Epprecht (Res Publik), Laura Bruns (Stadtstattstrand), Andreas Rupf und Valentin Stuber (beide Res Publik).

Laura Rivas

Die 415 682 Bewohner von Zürich machen die Limmatstadt nicht nur zur Grössten, sondern zu einer der vielfältigsten Stadt der Schweiz. In Erscheinung tritt diese in den öffentlichen Verkehrsmitteln, auf öffentlichen Plätzen, in Cafés und Restaurants – dabei aber mehrheitlich neben- und nicht miteinander. Der wohl kleinste gemeinsame Begegnungsraum zwischen Menschen bildet die Sitzbank. So sehen das zumindest die Initianten von «Hansbank in allen Gassen».

Deshalb laden Laura Bruns, Gründerin der deutschen Plattform Stadtstattstrand und Nils Epprecht von der Zürcher Denkfabrik Res Publik kommenden Samstag die Zürcherinnen und Zürcher dazu ein, die Sitzbänke vor ihrem Haus zu beleben – sei dies mit Musik, einer auffallenden Dekoration oder einem Apéro. Nachbarn oder auch Passanten sollen zum Verweilen eingeladen werden. «Wir wollen die Quartiere mit dieser Aktion beleben und helfen, dass sich Nachbaren kennenlernen», erklärt Bruns das Ziel hinter dem Anlass.

Wer keine eigene Sitzbank vor der Haustür hat, kann zwischen 11 und 16 Uhr am Samstag auf dem Werdmühleplatz selber eine zimmern. Für rund 40 Sitzbänke stehen Interessierten kostenlos Pläne sowie notwendiges Baumaterial zur Verfügung. Die Vorlagen können auf der Hansbank-Website heruntergeladen werden. Wie sich zeigt, sind der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt.

Kunst: Das Fundbüro 2 geht auf Tournee

Das Fundbüro 2 befindet sich am Zürcher Werdmühleplatz. Also genau dort, wo am Samstag Sitzbänke nach Plan zusammengezimmert werden können. Während das «Hansbank in allen Gassen»-Projekt versucht Begegnungen zwischen Menschen zu fördern, begegnen sich seit Februar auch beim Fundbüro 2 Menschen. Meist sind dies ein Suchender oder ein Finder und ein Schalterbeamter. Bei diesem Projekt geht es nicht um verlorene Gegenstände, sondern vielmehr um abhandengekommene Werte oder einen wiedergefundenen Lebenssinn.

Die Verantwortlichen des Projektes, Patrick Bolle und Andrea Keller, wollen mit dem Fundbüro der anderen Art, das Bewusstsein für das Immaterielle sensibilisieren. «Bislang haben wir nahezu 400 Meldungen erhalten, freuen uns aber über jede weitere Geschichte», sagt Bolle auf Anfrage. Weil über die Landesgrenzen hinaus Interesse am Kunstprojekt besteht, besucht das Fundbüro 2 im September das Kunstfestival Interim in Deutschland. Die Schalter des Fundbüros sind noch bis Ende Dezember geöffnet. Die gesammelten Suchannoncen, die Statistiken sowie die Porträts von Besuchern und Beamten werden im Sommer 2018 als Buch publiziert. (GIU)

So bieten die Veranstalter Bauanleitungen für eine klassische Sitzbank mit oder ohne Rückenlehne. Aber auch Pläne für exotischere Varianten mit Rädern – die Rollbank –, oder einem Pingpong-Tisch gibt es zum Nachbauen. «Schon während des Aufbaus geht es in erster Linie darum, zusammen zu kommen und Zeit für ein Gespräch zu haben. Nebenbei wird grilliert und Musik gehört», so Bruns.

Mit Sitzbänken Nähe schaffen

Nach Fertigstellung sollen die Bänke an die von den Erbauern gewünschten Orte in der Stadt verteilt werden. Zugleich werden sie auf der Online-Karte mit einem Kurzbeschrieb verortet. Auch selbst entworfene Sitzbänke oder bereits bestehende Sitzgelegenheiten dürfen auf der Karte eingetragen werden. «Ziel ist, dass sich Dritte anhand der Karte eine Route durch die Stadt festlegen und unterschiedliche Sitzbänke besuchen», sagt Bruns.

Auch wenn der Anlass nur einmal stattfinde, sollen die Sitzbänke und die Begegnungen darüber hinaus gepflegt werden. Deshalb ist der Projektname an den Ausdruck «Hans Dampf in allen Gassen» angelehnt – ein umtriebiger Mensch, der überall anzutreffen ist. Was schliesslich bei den einzelnen Standorten passiert, ist der Fantasie der Betreiber überlassen.

Ob zusammen Kuchen gegessen wird, Musik gehört, über politische Inhalte debattiert oder einfach dagesessen wird – die Möglichkeiten sind vielfältig, sind Bruns und Epprecht überzeugt. «Unsere Motivation ist, den gesellschaftlichen Zusammenhalt gezielt zu fördern», so Epprecht. Die Denkfabrik ist deshalb auch mit einer Bank direkt am Werdmühleplatz vertreten, wo sich Neugierige über die Organisation informieren können.

Gefördert wird der Anlass von der Stiftung Avina, die sich für eine nachhaltige Gesellschaft einsetzt, und vom Sozialdepartement der Stadt Zürich. «Das Projekt ist innovativ und fördert auf niederschwellige Art den Austausch zwischen den verschiedensten Menschen in den Quartieren unserer Stadt. Deshalb beteiligt sich das Sozialdepartement mit einem einmaligen Beitrag von 8000 Franken am Projekt», sagt Heike Isselhorst, stellvertretende Kommunikationsleiterin der Stadtverwaltung Zürich.

Befürchtungen wegen Nutzungskonflikten im öffentlichen Raum habe die Stadt nicht, weil das Projekt zeitlich klar begrenzt sei und die Verantwortlichen ein umsichtiges Sicherheits- und Entsorgungskonzept vorgelegt hätten. Für die konfliktfreie Nutzung von Trottoirs und öffentlichen Plätzen bieten die Hansbank-Initianten auf ihrer Website Informationen über das rechtliche Tun und Lassen während des Anlasses.