Bildung
Silvia Steiner will Tagesschulen fördern, aber nicht erzwingen

Auch in ländlichen Regionen und kleineren Gemeinden im Kanton Zürich sollen vermehrt Tagesschulen angeboten werden. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) will die interessierten Schulgemeinden dabei unterstützen, wie sie bei ihrem Auftritt sagte.

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Regierungsrätin Silvia Steiner möchte im Kanton Zürich Tagesschulen fördern (Archiv).

Regierungsrätin Silvia Steiner möchte im Kanton Zürich Tagesschulen fördern (Archiv).

Keystone

"Tagesschulen bringen Konstanz in den Schulalltag", sagte Steiner am Freitag vor den Medien in der Schule am Wasser in Zürich. "Sie gewährleisten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und halten Mütter und Väter im Beruf." Zudem könne man diese Schulform effizienter führen als das komplexe System aus Schule und Hort.

"Wir wollen auch Gemeinden in ländlichen Gebieten aufmuntern, auf die Tagesschule umzusteigen." Die Bildungsdirektion will Interessierte konkret beim Aufbau unterstützen. Im Internet bietet sie deshalb einfache Musterkonzepte, Qualitätskriterien, Grundlagen für die Kostenberechnung sowie Checklisten an.

Zudem berät das Volksschulamt die Gemeinden in organisatorischen und rechtlichen Fragen. "Wir wollen Tagesschulen nach Kräften fördern, nicht erzwingen", sagte Steiner. Auch sollen Kinder in Schulgemeinden, wo ausschliesslich eine Tagesschule angeboten wird, trotzdem die Mittagspause daheim verbringen können.

In der Stadt Zürich startet auf Beginn des nächsten Schuljahrs das Pilotprojekt "Tagesschule 2025". An sechs Schulen werden die Kinder mit Nachmittagsunterricht dann über Mittag im Schulhaus bleiben. Bis 2025 sollen die Tagesschulen flächendeckend eingeführt und damit auch obligatorisch gemacht werden.

Mehr Wertschätzung für die Lehrerinnen und Lehrer

Grossen Wert legt die Bildungsdirektorin in allen Bereichen auf den Dialog, wie sie betonte. "Unsere wichtigste Ressource sind die Beteiligten", sagte sie. Besonders die Lehrerinnen und Lehrer hätten mehr Wertschätzung verdient. Nur so könne man gute Leute im Beruf halten und neue dafür gewinnen.

Zu grossen Diskussionen wird es ohnehin kommen. Steiner kündigte nämlich an, dass der Bildungsbereich finanzpolitisch vor grossen Herausforderungen stehe. "Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben - und das wird weniger", sagte Steiner.

Denn die Bildungsdirektion muss sich an der Sanierung des Finanzhaushalts beteiligen. Konkret müssen die Volksschulen jährlich mit 20 Millionen, die Mittelschulen mit 18 Millionen und die Berufsbildung mit 11 Millionen zur Leistungsüberprüfung 2016 beitragen.

"Wir müssen zusammen diskutieren, worauf verzichtet werden kann und worauf nicht", sagte die Bildungsdirektorin. Dies werde mit Blick auf die stark wachsenden Schülerzahlen keine einfache Aufgabe. Wichtig sei vor allem, dass allen der Ernst der Lage bewusst sei.

Nach den Reformen mehr Ruhe

Vor allem strebt die neue Bildungsdirektorin aber eine Beruhigung im Bildungsbereich an. "Ich möchte keine grossen Umbauten mehr", sagte Steiner. Die Reformen der letzten Jahre hätten der Lehrerschaft viel abverlangt - auch wenn der Wandel notwendig gewesen sei.

Steiner verwies dabei etwa auf das neue Volksschulgesetz mit Tagesstrukturen, die Schulleitungen oder die integrative Förderung. Jetzt sei aber Zeit für mehr Ruhe und die "Feinjustierung". Auch bei der Einführung des Lehrplans 21 soll vorsichtig vorgegangen werden. Zürich führt da als einziger Kanton auch eine Vernehmlassung durch.