Stadtentwicklung
Sihlpost-Umbau: Markantes Baudenkmal erhält neues Innenleben

Im alten Post- und SBB-Gebäude beim Zürcher Hauptbahnhof entsteht ein postmoderner Mix. Unter dem Dach des denkmalgeschützten Gebäudes wird Nützliches mit dem Angenehmen verbunden.

Matthias Scharrer
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Sihlpost
7 Bilder
Markanter Bau - die Sihlpost von der Sihl aus gesehen
Hinter der Sihlpost liegt der neue Stadtteil Europaallee
Blick in die Postschalterhalle der Sihlpost
Sihlpost von hinten
Der ehemalige Bahnhof Sihlpost ist eine Grossbaustelle
So sollen Sihlpost und Europaplatz ab 2020 aussehen

Sihlpost

Matthias Scharrer

An Grossbaustellen mangelte es in den letzten Jahren beim Hauptbahnhof Zürich nie. Aktuell rattern die Baumaschinen in der alten Sihlpost: Der denkmalgeschützte Bau aus dem Jahr 1930 wird komplett ausgehöhlt und mit moderner Gebäudetechnik ausgestattet.

Die Post ist in ein Provisorium ein paar Schritte weiter an der Europaallee umgezogen. Im November dieses Jahres kehrt sie wieder ins renovierte Sihlpost-Parterre zurück, wie der Post-Kommunikationsverantwortliche Erich Schmid auf Anfrage sagt.

Neu stehen dann 16 Schalter zur Verfügung, einer mehr als bisher. Auch die Kundenfläche wird erweitert. «Es ist ein sehr guter Standort», so Schmid. Zum einen sorgen die Pendlerströme, die täglich auf dem Weg zum Bahnhof an der Sihlpost vorbeikommen, für Kundschaft; zum anderen auch der wachsende neue Stadtteil Europaallee, der sich von der Sihlpost bis zur Langstrasse erstreckt.

Das Sihlpost-Gebäude wird nicht nur für die Post erneuert: Im ersten und zweiten Stock mietet sich die vom Kaufmännischen Verband Zürich betriebene KV Business School ein. Sie wird dort auf 4500 Quadratmetern ab 2016 ihre Weiterbildungs-Angebote für Erwachsene unterbringen, wie die SBB als Vermieter mitteilten.

Im Erdgeschoss eröffnen zudem die Gastro-Unternehmen Bindella und Hiltl um den Jahreswechsel 2015/16 zwei Restaurants: Bindellas «La Stazione» ist auf der vom Bahnhof abgewandten Seite des Sihlpost-Gebäudes an der Lagerstrasse geplant. Hiltl plant auf der dem Bahnhof zugewandten Seite, wo dereinst der Europaplatz entstehen soll, eine Mischung aus Café, Bistro, Take-Away und Bar. Kapazität: Rund 100 Innenplätze; hinzukommen Sitzplätze im Aussenbereich.

Hiltl witterte frühzeitig Chance

Das Lokal des Vegetarier-Pioniers Hiltl wird laut SBB-Mitteilung durch Original-Theken und Postfächer der damaligen Sihlpost aus den 1930er-Jahren geprägt sein. «Ich konnte das Mobiliar schon vor 20 Jahren übernehmen», so Rolf Hiltl. Er lagerte die alten Stücke aus Holz und Messing in der Zwischenzeit ein. Bereits damals habe er die Chance gewittert, dereinst im Sihlpost-Gebäude ein Restaurant zu eröffnen. Ende 2015 soll es nun soweit sein. Der Name des neuen Hiltl-Restaurants ist Programm: «Sihlpost».

Gartenbeiz bei Grossbaustelle

Allerdings werden seine Gäste in den ersten Jahren noch eine Grossbaustelle vor der Nase haben. Denn bis der Europaplatz fertig ist, wird es laut SBB-Sprecherin Lea Meyer 2020. Zuvor gilt es, die Bauarbeiten auf dem Areal des ehemaligen Bahnhofs Sihlpost fertigzustellen.

Dieser wurde nach der Eröffnung des unterirdischen Bahnhofs Löwenstrasse im vergangenen Sommer zurückgebaut. In den neuen Bürogebäuden, die hier bis 2020 entstehen, zieht Google als einer der Hauptmieter ein.

Der Europaplatz bildet den Abschluss der Europaallee. Er wird auf dem vormaligen Vorplatz des Bahnhofs Sihlpost gebaut. Bis letztes Jahr standen dort ein Spettacolo-Café und ein Kiosk. Im Zuge der Bauarbeiten wollen die SBB auch die angrenzende Bahnhofsunterführung verbreitern.

Die Aussicht auf eine Grossbaustelle vor seinem neusten Restaurant begeistert Hiltl nicht gerade: «Das ist unangenehm», so der Gastro-Unternehmer. Er rechne daher mit einem «soften» Start. «Aber wir freuen uns vor allem langfristig auf das Projekt», sagt Hiltl weiter.

In den Obergeschossen des Sihlpost-Gebäudes, die früher von den SBB selbst genutzt wurden, stehen noch rund 5000 Quadratmeter Büroflächen zur Verfügung. «Unter anderem wird Google in der Sihlpost Büros mieten», sagt SBB-Sprecherin Meyer.

Das alte Sihlpost-Gebäude wird damit zur Hülle für alte und neue Kommunikationsunternehmen: von der Post über Restaurants bis hin zum Internet-Giganten. Ein postmoderner Mix entsteht.