Regensdorf
Siedlung Sonnhalde wird zum Denkmalschutzobjekt

Die kantonale Denkmalpflege möchte die Siedlung Sonnhalde in Regensdorf ins Inventar der Denkmalschutzobjekte aufnehmen. Unter Schutz stehen die teils sanierungsbedürftigen Gebäude damit aber noch nicht.

Alexander Lanner
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Denkmalschutzwürdig oder Problembau zum Vergessen? Nicht überall wird der Entscheid der kantonalen Denkmalpflege verstanden.

Denkmalschutzwürdig oder Problembau zum Vergessen? Nicht überall wird der Entscheid der kantonalen Denkmalpflege verstanden.

Sibylle Meier

Die Siedlung Sonnhalde im Regensdorfer Ortsteil Adlikon ist in die Jahre gekommen. Die sieben drei- bis achtgeschossigen Zeilenbauten des Zürcher Baupioniers Ernst Göhner haben seit der Entstehung in den 1970er-Jahren an Ausstrahlungskraft verloren. Das vormals lebhafte Quartier musste einige Rückschläge verkraften.

Anfang der 90er-Jahre wurde die Siedlung teilweise saniert und verkauft. Die Infrastruktur mit Läden, Coiffeur, Restaurant und Poststelle ging nach und nach verloren. Vor einigen Jahren machte die Siedlung vermehrt als Problemquartier Schlagzeilen – beispielsweise wegen illegal entsorgter Müllberge.

«Es besteht kein Zweifel daran, dass die Siedlung Sonnhalde inventarwürdig ist»

Derzeit revidiert die kantonale Denkmalpflege das Inventar der überkommunal bedeutenden Objekte im Kanton Zürich. Bestandteil der fachlichen Einschätzung ist neben Archivrecherchen auch die Begutachtung vor Ort. Gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde Regensdorf wurde auch die Wohnsiedlung Sonnhalde angeschaut.

«Aus unserer Sicht besteht kein Zweifel daran, dass die Siedlung Sonnhalde inventarwürdig ist», sagt Anne Lauer, stellvertretende Leiterin des Ressorts Inventarisation bei der kantonalen Denkmalpflege. Die Wohnsiedlung sei in Bezug auf das Gesamtkonzept sowie die architektonische und landschaftsgestalterische Umsetzung exemplarisch für ihre Zeit.

Anne Lauer kennt die problematischen Aspekte der Siedlung. Sie ist sich darüber im Klaren, dass die Einschätzung der Denkmalpfleger nicht überall auf Verständnis stossen wird. «Unser gesetzlicher Auftrag ist es, eine fachliche Beurteilung sowie eine Schutzvermutung für diese Gebäude gemäss den gesetzlichen Vorgaben und denkmalpflegerischen Kriterien abzugeben», erklärt Lauer.

Die Sonnhalde wird als «erhaltenswürdiger Zeuge wichtiger wirtschaftlicher, sozialer und bautechnischer Entwicklungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts» eingestuft. Auch innerhalb der Göhner-Siedlungen – die Sonnhalde ist hinter der Siedlung Sunnebüel in Volketswil die zweitgrösste Göhner-Anlage der Schweiz – gelte die Sonnhalde als Vorzeige-Wohnsiedlung der 1970er-Jahre.

Der Zustand der Gebäude und der Umgebung wird von der Denkmalpflege insgesamt als gut bezeichnet. Die bisherigen Massnahmen zur Wärmedämmung an den Wohnbauten seien durch Verkleidung der Aussenwände ausgeführt worden und würden teilweise sogar die ursprüngliche Farbigkeit und Gliederung der Fassaden gut aufnehmen.

Ersatzneubau für das Zentrum soll eruiert werden

Mit der Inventarisierung sind die Sonnhalde-Wohnblöcke noch nicht unter Schutz gestellt. Der Regelfall ist: Will ein Eigentümer ein inventarisiertes Gebäude umbauen, erfolgt zwingend eine sogenannte Schutzabklärung. Bei positiver Beurteilung wird der Schutzumfang formuliert und die Möglichkeiten und Grenzen für bauliche Veränderungen werden festgelegt. Die Sonnhalde wurde allerdings als Ganzes ins Inventar aufgenommen, obwohl die Liegenschaften verschiedenen Eigentümern gehören. Einen einzelnen Block der Siedlung abzureissen und durch einen Neubau zu ersetzen, dürfte mit der Inventarisierung schwierig werden.

Ebenfalls Bestandteil der inventarisierten Siedlung Sonnhalde ist der vorgelagerte Zentrumsbau. Diesen hat die Gemeinde Regensdorf kürzlich für 1,81 Millionen Franken erworben. Dass die Sonnhalde-Siedlung nun im Inventar ist, stört die Pläne der neuen Eigentümerin allerdings nicht. In einem Projektwettbewerb, an welchem sich das kantonale Amt für Raumentwicklung (ARE) mit rund 125 000 Franken beteiligt (siehe Interview rechts), soll eine allfällige Sanierung oder ein Ersatzneubau für das Zentrum eruiert werden.

Von der Inventarisierung wurde die Standortgemeinde nicht überrascht. Schon länger sei man mit den zuständigen kantonalen Stellen in Kontakt, führt Regensdorfs Gemeindepräsident Max Walter aus. Nach wie vor sei ein Ersatzneubau anstelle des Zentrumsgebäudes die favorisierte Lösung.

«Denkmalpflege ist nicht Heimatschutz. Auch mit der Inventarisierung der ganzen Siedlung ist ein Neubau noch möglich», stellt er klar. Gerade aus diesem Grund sei schon länger vereinbart, dass die Denkmalpflege Einsitz im Fachgremium der Bewertungskommission des Projektwettbewerbs hat. Damit werde verhindert, dass im Nachhinein Anliegen der Denkmalpflege zu einem Rekurs mit Verzögerung des Prozesses führen.