Das Erstaunen war gross, als am 18. Juni in Schlieren ein Wolf unter einen Zug geriet. Die genetische Analyse zeigte, dass es sich bei dem überfahrenen Tier um M43 handelte, einen Wolf aus dem Calanda-Rudel bei Chur. Er war durch die Kantone Glarus und Schwyz bis in die Zürcher Agglomeration gewandert.

Der von einem Zug abrupt beendete Besuch von M43 war die erste und bis heute einzige nachgewiesene Wolfspräsenz im Kanton Zürich seit über hundert Jahren. Bei der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung ist man aber überzeugt, dass ein solcher Besuch erneut vorkommen kann.

Dauerhafte Ansiedlung eher unwahrscheinlich

Es sei nicht ausgeschlossen, dass schon bald wieder ein Wolf im Kanton Zürich auftauche, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Rechnen müsse man mit einzeln umherziehenden Tieren. Eine dauerhafte Ansiedlung von Wölfen sei zwar eher unwahrscheinlich, wegen der Anpassungsfähigkeit dieser Art aber ebenfalls nicht ausgeschlossen.

Der Kanton Zürich fördert die Rückkehr des Wolfes zwar nicht aktiv, bereitet sich nun aber darauf vor. Die Jagdverwaltung hat unter dem Titel "Handlungsleitfaden Wolf" einen Aktionsplan erarbeitet, der bei weiteren Wolfs-Besuchen zur Anwendung kommen soll.

Der Leitfaden zeigt unter anderem, wer zuständig ist, wenn Wolfsspuren gesichtet oder gerissen Tiere gefunden werden und wann die Öffentlichkeit über Sichtungen informiert wird. Diese Handlungsanweisung soll zudem Konflikte zwischen Nutztierhaltern, Jägern, Bevölkerung und dem Wolf minimieren.

Gerissene Nutztiere wahrscheinlich

Für Wildtiere wie beispielsweise Rehe dürfte die Rückkehr der Jäger grössere Auswirkungen haben als auf die Menschen. Die Wildtierpopulation sei durch den Wolf nicht gefährdet, betont die Fischerei- und Jagdverwaltung. In bestimmten Gebieten könne es aber durchaus zeitweise zu einem Rückgang einzelner Arten kommen. Möglich sei auch, dass Wildtiere in andere Gebiete ausweichen.

Inwieweit auch Nutztiere wie Schafe durch die Rückkehr des Wolfes gefährdet sind, ist für den Kanton schwierig abzuschätzen. Gerissene Nutztiere seien aber nicht ausgeschlossen. Um die Halter über den Wolf zu informieren und sie beim Schutz ihrer Tiere zu unterstützen, hat der Kanton deshalb einen Herdenschutzberater ernannt.

Er ist an der Landwirtschaftsschule Strickhof Lindau angesiedelt und soll gemäss Kanton einen zentralen Beitrag zum konfliktfreien Nebeneinander von Mensch und Wolf leisten.