Arbeitsinspektoren
Sie kontrollieren, ob die Maske auch getragen wird: Aber trotz Lockerungen gibt es nicht mehr Inspektoren

In Läden, Beizen oder Coiffeursalons: Das kantonale Arbeitsinspektorat überprüft die Schutzmassnahmen in Betrieben. Das tun sie mit Nachsicht, geschlossen wurden bisher keine Läden. Doch die Inspektoren kämpfen mit Personalmangel.

Mirko Plüss
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Seit Montag muss der Kanton auch Kleiderläden oder Beizen kontrollieren.

Seit Montag muss der Kanton auch Kleiderläden oder Beizen kontrollieren.

KEYSTONE

Sind die Trennwändchen sauber montiert? Tragen die Coiffeusen und Coiffeure Masken? Und haben die Kunden beim Stöbern in den Bücherregalen wirklich genug Platz, um Abstand zu halten? Mit diesen Fragen im Kopf kontrollieren die Mitarbeitenden des kantonalen Arbeits­inspektorats derzeit zahlreiche Zürcher Betriebe.

Begonnen habe diese Kontrollen schon zu Beginn der Coronakrise, damals mit dem Fokus auf Lebensmittelläden oder auf Verteilzentren des Online-Handels. Doch auch nach der Öffnung von Beizen und Läden musste das Arbeitsinspektorat noch immer keinen Betrieb schliessen.

Stichproben und Verdachtsmeldungen

Der Kanton kontrolliert nach den Vorgaben der sogenannten Covid-19-Verordnung 2 des Bundesrats. Diese sieht keine Bussen oder sonstigen Sanktionen vor. Das einzige Mittel, fehlbare Betriebe zu bestrafen, wäre der drastische Schritt der behördlich angeordneten Schliessung.

Dass dies bisher nicht passiert ist, bedeutet aber nicht, dass im ganzen Kanton keine Fehler bei der Einhaltung der Schutzmassnahmen gemacht wurden. Vielmehr scheint der Kanton seine Kontrolltätigkeit mit Nachsicht auszuüben. Auf Anfrage heisst es bei der Volkswirtschaftsdirektion denn auch, wie wichtig neben der Kontrollarbeit die Beratung sei: «Die Arbeitsinspektoren prüfen die adäquate Umsetzung der Schutzkonzepte und beraten die Betriebe zudem bezüglich der Fragen, die sich spezifisch vor Ort ergeben. Dies wird von den Betrieben sehr geschätzt.»

Für die Betriebe ist die Umsetzung der Hygiene- und Abstandsregeln eine Herausforderung.

Für die Betriebe ist die Umsetzung der Hygiene- und Abstandsregeln eine Herausforderung.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Die Ressourcen des Kantons sind zudem begrenzt, auch wenn teilweise die Polizei zu Hilfe gezogen wird. 20 Arbeitsinspektoren sind derzeit mehrheitlich mit den genannten Kontrollen befasst. Es wurde kein externes Personal beigezogen. Bei nur schon über 3000 Gastronomie-Betrieben im Kanton müssen die Inspektoren wie auch sonst mit Stichproben arbeiten und Verdachtsmeldungen nachgehen. Seit Beginn der Coronakrise vor zwei Monaten hat das Arbeitsinspektorat rund 300 Kontrollen durchgeführt. Bis Ende Mai sollen nochmals 150 Kontrollen hinzukommen.

Gastroverband kritisiert nur einen Punkt

Ernst Bachmann, Präsident von Gastro Zürich, begrüsst die «zurückhaltende Art» der Inspektoren. Er habe bis jetzt keine negativen Rückmeldungen aus der Branche vernommen. Dennoch sei es «Terror», dass fehlbaren Betrieben gleich mit der Schliessung gedroht werde. «Es geben sich doch alle Mühe und es ist nur recht, dass nun auch viel beraten wird.»

Froh zeigt sich Bachmann, dass der «Mumpitz mit der Kunden-Registrierung» nun doch freiwillig sei. Denn für viele Betriebe sei es eine grosse Herausforderung, ganz individuell alle Anforderungen umzusetzen. Es gebe auch ständig neue Probleme, laut Gastro Zürich gelangt man derzeit schweizweit nur schwer an neue Plexiglas­scheiben zur Abtrennung von Kassen oder Essbereichen.

Auch beim kantonalen KMU- und Gewerbeverband hat man bisher keine negativen Erfahrungen mit den Kontrollen gemacht. Vielmehr herrsche eine Euphorie vor, dass nun wieder etwas geht, sagt Präsident Thomas Hess. «Wichtig ist, dass die Kontrollen weiterhin mit Augenmass vorgenommen werden, auch wenn die Auflagen natürlich zahlreich sind.»