Sie vermehren sich in stehendem, warmem Wasser und stellen eine besondere Gefahr dar für uns Menschen: Die Legionellen. Das Bakterium ist berüchtigt, weil es die Legionärskrankheit auslöst, eine schwere Lungenentzündung. Jährlich werden dem Bundesamt für Gesundheit 400 Fälle gemeldet. Davon verlaufen fünf bis zehn Prozent trotz Antibiotika tödlich.

Ein grundlegendes Problem besteht darin, dass es rund zwei Wochen dauert, den Erreger nachzuweisen. Denn die meisten Labors operieren nach wie vor mit der von Robert Koch im 19. Jahrhundert entwickelte Kulturplatten-Technik. Dabei werden Nährböden in einer Petrischale ausgegossen und die Wasserproben darauf gegeben. Nun muss der Laborant erst einmal warten, bis in der Petrischale Bakterienstämme zu wachsen beginnen, die er dann unter dem Mikroskop identifizieren kann. Manchmal kommt es sogar vor, dass im beobachteten Zeitraum keine Bakterienstämme entstehen, obwohl die Probe infiziert ist.

Das Schlieremer Start-up Rqmicro hat nun ein Gerät entwickelt, das eine schnellere Identifikation der Krankheitserreger erlaubt. «Aufgrund der heutigen langsamen Testmethoden sind Tonnen von Lebensmitteln in Quarantäne eingelagert, während man auf die Testergebnisse wartet», schreibt Rqmicro auf seiner Webseite. Krankenhäuser könnten Reinigungsarbeiten über zwei Wochen nicht abschliessen, weil sie die Testergebnisse nicht kennen.

Resultat nach einer Stunde

Rqmicro, gerade erst zum vierten Mal in Folge vom Institut für Jungunternehmen unter die Top 100 der Schweizer Start- ups gewählt, ist daran, all dies zu ändern. Von einer technologischen Revolution will Daniel Schaffhauser, Gründer und CTO bei Rqmicro, zwar nicht sprechen. Dem Potenzial seiner Methode ist er sich aber sehr wohl bewusst. Denn das von Rqmicro entwickelte Gerät namens Cellstream erlaubt die präzise Überprüfung von Wasserproben auf Legionellen in nur einer Stunde . «Die Methode markiert die Bakterien mit Antikörpern, an denen magnetische Nanopartikel hängen. Dadurch lassen sich die Erreger mit einem Magnetfeld aus der Probe herausziehen und mit einem Laser zählen», so Schaffhauser.

Die Idee dazu entwickelte Hans-Anton Keserue, Mit-Gründer und CEO von Rqmicro, während seiner Doktorarbeit. 2013 gründeten er und Schaffhauser das ETH-Spinoff. Nach zwei Jahren war der erste Prototyp fertig. Ein wichtiger Meilenstein folgte, als sie im November 2015 den mit 150 000 Franken dotierten Heuberger Jungunternehmerpreis gewannen. Mit dem Geld konnten sie das Gerät industrialisieren. Weltweit zum Patent angemeldet und zum Verkauf zugelassen ist Cellstream bereits. Als Nächstes strebt das Jungunternehmen die ISO-Zertifizierung an.

Ein Milliarden-Markt

Rqmicro will sich aber nicht nur auf Legionellen beschränken. Momentan arbeitet das Start-up daran, auch andere Krankheitserreger wie Salmonellen oder Pseudomonas mit der Schnellmethode nachzuweisen. Ein künftiger, hochregulierter Markt könnten gemäss Schaffhauser zudem diagnostische Tests für Menschen sein. «Der Mikrobiologie-Markt ist ein Milliarden-Markt, der stark am Wachsen ist», sagt Schaffhauser. Die eine Hälfte aller Labortests beruhe noch auf der klassischen Technik.

Die andere Hälfte des Marktes entfalle auf die neuen Methoden, wie sie auch Rqmicro anbiete. «Unsere Konkurrenz ist gegenüber den klassischen Methoden entweder schneller oder präziser. Rqmicro ist beides», so Schaffhauser.

Potentielle Kunden des Jungunternehmens sind Krankenhäuser, Schulen, Wasserlabore, Kühlturmbetriebe, die Sanitärindustrie oder Kreuzfahrtschiffe. Ein besonderes Augenmerk gilt den Märkten in Deutschland und China. In Deutschland sind Trinkwassererwärmer von mehr als 400 Litern gemäss Trinkwasserverordnung einmal jährlich auf Legionellen zu untersuchen.

«Dadurch explodierte der Markt», sagt Schaffhauser. Und in China sei das Vertrauen in die Trinkwasserqualität in der Bevölkerung nicht sehr hoch, es bestehe deshalb ein grosser Bedarf an Schnelltests. «Darum eröffnen wir bald ein Office in Shanghai, um dort möglichst früh Fuss zu fassen», sagt Schaffhauser.

Für den Standort Schlieren hat sich Rqmicro nicht zuletzt deshalb entschieden, weil die Stadt ein Biotech-Hub ist. «Grundsätzlich ist es gut für uns, im Raum Zürich zu sein. Zürich ist international bekannt, hat eine gute Verkehrsanbindung und die Arbeitskräfte sind da. Schlieren ist deshalb ein sehr guter Kompromiss. Denn je näher man an Zürich kommt, desto enger und teurer wird es», sagt Schaffhauser.