Sicherheit

Sicherheitsprüfung – Experten starten durch für den sicheren Anflug

Die Super King Air ist mit viel Technik ausgestattet. Auf dem Bildschirm werden die Daten des Instrumentenlandesystems ausgewertet.

Die Super King Air ist mit viel Technik ausgestattet. Auf dem Bildschirm werden die Daten des Instrumentenlandesystems ausgewertet.

Die Flugsicherung Skyguide überprüft in Kloten und Dübendorf mit Messflügen regelmässig die Navigationssysteme auf dem Boden. Ein Expertenteam reist extra aus Deutschland an, um das System zu testen. Die Schweiz schneidet gut ab.

Die Flugsicherung Skyguide möchte an diesem Tag in Dübendorf das Instrumentenlandesystem (ILS) testen. Dazu sind zwei Flight-Validation-Piloten und ein Flugmessingenieur aus Deutschland angereist. Sie arbeiten für die Firma Aerodata mit Sitz in Braunschweig.

Die Crew der Super King Air 350 muss sich noch gedulden. Obwohl die Wettervorhersagen blendend sind, darf sie noch nicht in die Luft. Der Grund: Dicke Nebelschwaden liegen an diesem Morgen über dem Flugplatz Dübendorf. Es ist bereits 11 Uhr, als sich die ersten Sonnenstrahlen bemerkbar machen. Die Zeit drängt.

Die Crew weilt schon seit mehreren Tagen in der Schweiz. Sie ist im ganzen Land unterwegs. «Gestern haben wir am Flughafen in Genf Messungen durchgeführt», erzählt Flugmessingenieur Volker Logemann. Heute ist nun der Flugplatz in Dübendorf an der Reihe. «Wir testen die Anlagen an den Schweizer Flughäfen halbjährlich.» Da über der Region Zürich stets reger Flugbetrieb herrscht, muss jeweils einiges in die Wege geleitet werden, damit das zweimotorige Propellerflugzeug in die Luft kann.

Um 11.15 Uhr ist der Himmel stahlblau: perfekte Bedingungen für die Crew aus Deutschland. «Für die ersten Messanflüge haben wir nun 45 Minuten Zeit», sagt Flugmessingenieur Logemann. Zwischen 12 und 13 Uhr ist nämlich Mittagspause. In dieser Zeit muss das Flugzeug auf dem Boden bleiben.

Die Routen sind vom sogenannten Flight Inspection System vorgegeben und werden per Autopilot abgeflogen. Zuerst stehen zwei lange Anflüge aus rund 24 Kilometern Entfernung auf dem Programm. Während die beiden Piloten im Cockpit Platz nehmen, sitzt der Flugmessingenieur hinten und notiert die Daten, die das Instrumentenlandesystem von Dübendorf her aussendet. Logemann kann auf einem Bildschirm beobachten, wie exakt die Signale sind. «Auf dem Bildschirm habe ich die gleichen Instrumente wie im Cockpit.» Heisst: einen künstlichen Horizont, einen Kreuzzeiger und eine Moving Map.

Präzise Systeme in der Schweiz

Vor der Mittagspause hat es dann doch noch für fünf Anflüge gereicht. Logemann ist zufrieden: «Es passt alles ganz gut.» Das überrascht ihn nicht: «In der Schweiz arbeiten die Systeme immer sehr präzise. Es kommt nur sehr selten vor, dass etwas nicht stimmt.» Am Nachmittag geht es weiter.

Über mehrere Stunden kreist die Super King Air 350 noch über dem Flugplatz Dübendorf. «Um 2 Uhr nachts müssen wir jeweils spätestens gelandet sein», sagt Flight-Validation-Pilot Oliver Schomaker. Heute solls nicht so lange dauern. «Wir planen, noch am Abend nach Braunschweig zurückzukehren.»

Das Instrumentenlandesystem ist das am weitesten verbreitete Landesystem in der Verkehrsfliegerei. Die Signale, die vom Boden her ausgesendet werden, ermöglichen präzise Anflüge bei schlechtem Wetter, wenn die Landebahn für die Piloten erst spät sichtbar wird. Der Localizer führt das Flugzeug zur Landebahn und informiert die Piloten über die seitliche Abweichung in Bezug auf die Mittellinie – in der Fachsprache auch Centerline genannt.

Neben der seitlichen Führung wird das Flugzeug durch das ILS auch vertikal geführt. Diesen Gleitwegsender kann man sich vorstellen wie eine Rutschbahn, die zur Landebahn führt. Diese hat normalerweise eine Neigung von drei Grad. Der Glide Slope Indicator informiert die Piloten, ob sie sich auf dem Drei-Grad-Gleitwinkel befinden oder zu hoch beziehungsweise zu tief sind.

Drohnen und Vögel als Problem

Die Crew aus Deutschland fliegt mit der Super King Air 350 meist viel tiefer als grössere Passagierflugzeuge. Die ganze Besatzung muss deshalb sehr aufmerksam sein. «Wir blicken mit einem Auge immer aus dem Fenster», sagt Volker Logemann.

Der Grund: Drohnen und Vögel, die das Propellerflugzeug bei einer Kollision beschädigen könnten. Pilot Oliver Schomaker warnt: «Drohnen stellen in der Schweiz ein grosses Problem dar.» Diese seien zum Teil mehrere Kilogramm schwer und würden sich oft in grossen Flughöhen bewegen.

«Glücklicherweise mussten wir hier in Dübendorf noch nie einem solchen Gerät ausweichen.» Das bleibt auch heute so. Lediglich ein Rotmilan kommt in die Nähe der Maschine. Ein Ausweichmanöver ist aber nicht nötig.

Das zweimotorige Propellerflugzeug wurde speziell für die Messflüge umgerüstet. So wurden etwa über 20 Extra-Antennen an der Super King Air 350 angebracht. Die Maschine absolviert über 2000 Flugstunden pro Jahr. Ihre Heimatbasis liegt in Braunschweig. Oliver Schomaker, Flight-Validation-Pilot, sagt: «Wir führen mit dem Flugzeug in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Messflüge durch.» Inzwischen haben auch andere europäische Länder Interesse an diesem Service bekundet. Die King Air stammt aus der Beechcraft Family und wird meist für Geschäftsreisen genutzt. Das Modell, das für die Messflüge genutzt wird, kommt auch bei den US- Streitkräften zum Einsatz. (fzw)

Super King Air 350: Das Propellerflugzeug absolviert jedes Jahr über 2000 Flugstunden.

Das zweimotorige Propellerflugzeug wurde speziell für die Messflüge umgerüstet. So wurden etwa über 20 Extra-Antennen an der Super King Air 350 angebracht. Die Maschine absolviert über 2000 Flugstunden pro Jahr. Ihre Heimatbasis liegt in Braunschweig. Oliver Schomaker, Flight-Validation-Pilot, sagt: «Wir führen mit dem Flugzeug in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Messflüge durch.» Inzwischen haben auch andere europäische Länder Interesse an diesem Service bekundet. Die King Air stammt aus der Beechcraft Family und wird meist für Geschäftsreisen genutzt. Das Modell, das für die Messflüge genutzt wird, kommt auch bei den US- Streitkräften zum Einsatz. (fzw)

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