Prime Tower
«Sicherheit hat im höchsten Gebäude der Schweiz oberstes Gebot»

Gerade in Hochhäusern ist es schon eine Organisation für sich, die Sicherheit korrekt zu gewährleisten. Dafür stehen spezielle Konzepte für den Ernstfall bereit. Die Feuerwehr Zürich kennt den Turm bereits vor der Eröffnung in- und auswendig.

Alfred Borter
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Ende Jahr soll der Prime Tower, der höchste Wolkenkratzer der Schweiz, eröffnet werden. Chris Iseli

Ende Jahr soll der Prime Tower, der höchste Wolkenkratzer der Schweiz, eröffnet werden. Chris Iseli

Der Prime Tower, mit seinen 126 Metern das höchste Gebäude der Schweiz, wird zwar erst im Dezember eingeweiht, doch während in vielen Stockwerken noch die Handwerker an der Arbeit sind, bedient im Erdgeschoss die Zürcher Kantonalbank bereits ihre Kundinnen und Kunden. Auch die Anwaltskanzlei Homberger hat ihre Büros bezogen. Weitere Mieter kommen in den nächsten Wochen und Monaten hinzu.

Feuerwehr kennt sich aus

Wer den Prime Tower bereits gut kennt, das sind die Angehörigen der Zürcher Berufsfeuerwehr. Sie müssen wissen, was zu tun ist, falls ihre Hilfe nötig ist. Die Verantwortlichen haben freilich alles Notwendige vorgekehrt, dass dieser Fall nie eintrifft. Wie Peter Lehmann, Chief Investment Officer bei der Bauherrin, der in Olten beheimateten Immobilienfirma Swiss Prime Site, erläutert, hat man schon bei der Verwendung der Baumaterialien darauf geachtet, dass sie nicht brennbar sind.

Das Gebäude besteht aus Vollbeton, der einiges aushalte. «Beton ist in der Schweiz viel gebräuchlicher als etwa in den USA, wo man lieber auf Stahl setzt», erklärt er. Auf sämtlichen Etagen sind Sprinkler vorhanden, und die drei Fluchttreppenhäuser sind besonders stabil gebaut. In ihnen herrscht ein Überdruck, damit kein Rauch eindringen kann. Allerdings: Wer vom 35. Stockwerk aus nach unten eilt, braucht gut und gern zehn bis fünfzehn Minuten.

Rasche Lifte

Die Leitern der Feuerwehr reichen nur bis 25 Meter, weshalb die Rettung nicht von aussen erfolgen kann. Es ist nicht vorgesehen, Leute aufs Dach zu lotsen, um sie dort mit einem Helikopter in Sicherheit zu bringen: Sie müssen sich nach unten zu den Ausgängen bewegen. Es gibt, neben den acht normalen Liften auch einen geräumigen Feuerwehrlift.

Die Lifte übrigens, von Schindler gebaut, sind extrem leistungsfähig. Sie legen bis zu 6 Meter pro Sekunde zurück; in 30 Sekunden ist man vom Erdgeschoss zuoberst angelangt, wobei die Beschleunigung und das Abbremsen so dosiert verlaufen, dass man kaum etwas spürt.

Gemäss den Modellrechnungen der Swiss Prime Site sollten die rund 2000 Personen, die beim Endausbau im Tower arbeiten werden, aber auch die übrigen Besucher höchstens 60 Sekunden anstehen müssen, um nach oben oder unten befördert zu werden.

Die Erdbebensicherheit wurde ebenfalls gross geschrieben, doch macht Lehmann darauf aufmerksam, dass diese mit zunehmender Höhe eines Gebäudes ein immer geringeres Problem darstellt.

Auf Anklang gestossen

Was am Haus besonders fasziniert, ist natürlich weniger die für die Sicherheit investierte Technik, sondern die Architektur. Gigon und Guyer haben mit der Idee, ein ineinander verschachteltes Achteck als Grundfläche zu nehmen und den Turm mittels Auskragungen nach oben etwas breiter erscheinen zu lassen, dem Ganzen ein ganz spezielles Aussehen gegeben. Architekten und Baufachleute aus der ganzen Welt kommen her, um einen Augenschein zu nehmen.

Peter Lehmann Chief Investment Officer der Swiss Prime Site

Peter Lehmann Chief Investment Officer der Swiss Prime Site

Limmattaler Zeitung

Aber auch beim ganz gewöhnlichen Publikum hat der Tower Anklang gefunden, wie Lehmann weiss. Und man will auch dafür sorgen, dass der Turm für alle, die das wünschen, zugänglich wird. «Wir wollen uns auf keinen Fall abschotten», versichert er. So gibt es im Erdgeschoss ein Café, und das Dachrestaurant ist nicht allein den fein und schick tafelnden Gästen vorbehalten, es wird auch ein einfacheres Bistro geben und eine Lounge. «Wir öffnen uns gegen aussen», versichert der CIO. «Wer auch immer will, soll hier ein Bier trinken können.»

Lehmann ist sehr glücklich darüber, dass beim Start im Dezember alle Büroflächen vermietet sein werden. Das sei für ein solches Gebäude nicht selbstverständlich. Das Dachrestaurant Clouds werde Gäste von überall anziehen, und was die Konferenzräume im 34. Geschoss angeht, ist man mit den bisherigen Reservationen recht zufrieden. Gerade für die grösseren Räume mit einem Fassungsvermögen von 50 bis 100 Personen ist die Nachfrage gross.

Höherer Turm wäre möglich

Dann hätte man also auch einen höheren Turm bauen können? Grundsätzlich schon, gibt Lehmann zu verstehen, aber 35 Geschosse und 126 Meter, das habe man als genug erachtet: «Wir wollten den Bogen nicht überspannen.» Es habe sich dann ja auch gezeigt, dass man damit rundum auf Wohlwollen gestossen sei, bei der Bevölkerung, bei den Politikern, bei der Baubewilligungsbehörde.

Ist der Prime Tower bereits zu einem Symbol für Zürich geworden? Lehmann bejaht. Der Tower sei schon durch seine Höhe von überallher sichtbar, auch habe man bei der Architektur auf Qualität geachtet, und doch sei er «erstaunt, was abgeht». Das Interesse sei überwältigend. Es gibt sogar auf Facebook einen von einem Fotografen gegründeten «Prime Tower Zürich Fan Club».

Basel und Genf wetteifern

Wie lange wird der Prime Tower das höchste Gebäude bleiben? Lehmann lächelt: Sowohl in Basel wie in Genf befasst man sich mit höheren Gebäuden. «Das wird wohl einen ganzen Reigen geben», mutmasst er. Wird sich die Swiss Prime Site an diesem Reigen beteiligen? Das werde sich zeigen, lautet die Antwort, sicher nicht einfach mit dem Bestreben, ein noch höheres Gebäude zu bauen, um Prestige zu gewinnen, sondern bloss dann, wenn sich dies auch rechne.