Theater
"Shut up": Erstaufführung begeistert Publikum im Schiffbau

Das Stücks "Shut up" von Jan Sobrie handelt von Freundschaft und Solidarität. Das junge Schauspielhaus in Zürich führt es erstmals in deutscher Sprache auf. Gefeierte Premiere war am Donnerstag in der Matchbox des Schiffbaus.

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Im Schiffbau wurde Premiere gefeiert. (Symbolbild)

Im Schiffbau wurde Premiere gefeiert. (Symbolbild)

Keystone

Wie unter Strom ist dieser Damien (Fabian Müller). Er hat die Diagnose ADHS, wirbelt durch die Matchbox im Zürcher Schiffbau, Turnschuhe, Jeans, Jacke, Wollmütze, und erzählt atemlos, schreit ihn heraus, seinen Frust mit seinem Bruder, mit seiner Mutter und der Psychologin, die ihn mit Tabletten ruhig stellen will.

Damiens packende akrobatische Performance mit Einkaufswagen, Getränkekisten und Metallstangen (Bühne und Kostüme: Cornelia Koch) setzt das 80 Minuten dauernde Stück des 1979 im belgischen Gent geborenen Autors Jan Sobrie in rasende Bewegung. Unter der Regie von Raven Ruëll wurde es 2014 in niederländischer Sprache uraufgeführt und erhielt 2015 den Kinder- und Jugendtheaterpreis "Kaas&Kappes".

Beste Freunde für immer

"Bekdichtzitstil", so der Originaltitel, heisst "Schnabel zu, sitz still". Wenn Damien ausser sich gerät, bringt ihn Becky (Anna Blumer) mit natürlicher Autorität zum Schweigen. "Damien, shut up", halt die Klappe. Sie, aus reichem Haus, hat die Diagnose "Lernbehinderung", was ihrer sozialen Kompetenz allerdings keineswegs abträglich ist.

Sie und Damien sind BFF, Best Friends Forever. Sie gehen in die gleiche Klasse und halten in ihrer Andersartigkeit zusammen. Dann erscheint der Neue, François (Aaron Hitz). Auch er ist anders, wortkarg, schüchtern, gilt aber als aggressiv. Schon mehrfach ist er von der Schule geflogen. Und gescheit ist er, gut in Mathematik und Geschichte, und merkt sofort, dass auch Damien und Becky wohltuend anders sind. Das Trio BFF ist perfekt.

Begeisterndes Ensemble

Enrico Beeler, stellvertretender Leiter und Regisseur am Jungen Schauspielhaus, inszeniert Jan Sobries Stück mit einem quicklebendigen und begeisternden Ensemble schnörkellos und gibt dem Schauspiel so den ihm gebührenden Raum.

Mit grosser Glaubwürdigkeit machen Damien, Becky und François deutlich, dass es sich lohnt, standhaft und eigenständig zu bleiben, auch wenn das gesellschaftliche Umfeld Anpassung verlangt. Auf ihre unzerstörbare Freundschaft zünden die drei am Schluss sprühende Vulkane an und malen ein grosses BFF an die Wand.