Zürich
Shop-Ville-Angestellte haben ein Recht auf Tageslicht

Den Angestellten im Zürcher Shop Ville fehlt während der Arbeitszeit das Tageslicht und frische Luft. Deshalb schreibt das Zürcher Arbeitsinspektorat, gestützt auf Vorschriften des Bundes, Pausen vor. Doch nicht alle Arbeitgeber halten sich daran.

Drucken
Teilen
Im Shop-Ville gibts kein Tageslicht. Die Angestellten brauchen deshalb Pausen über der Erde (Symbolbild).

Im Shop-Ville gibts kein Tageslicht. Die Angestellten brauchen deshalb Pausen über der Erde (Symbolbild).

Keystone

Wer zu wenig Tageslicht bekommt, dem drohen schlimmstenfalls Depressionen oder Verhaltensstörungen. Deshalb schreibt das Stadtzürcher Arbeitsinspektorat den rund 50 Ladenbetreibern im Shop Ville vor, bis Anfangs Juli zusätzliche bezahlte Pausen am Tageslicht oder Ersatzmassnahmen für ihre Angestellten einzuführen. Daran gehalten haben sich aber bisher nur 60 Prozent der Adressaten, wie der "Tagesanzeiger" schreibt. Die anderen hätten Bedenken geäussert oder gar nicht erst reagiert.

Dabei sprach das Zürcher Verwaltungsgericht im Herbst 2013 ein aufsehenerregendes Urteil gegen die Migros mit ihrer Filiale im Hauptbahnhof aus. Die dortigen Angestellten erhalten nun täglich zwei Pausen à je 20 Minuten an der frischen Luft. Die Migros kostet dies nach eigenen Angaben 75 000 Franken pro Jahr. Dieser Lohnaufwand sei mit einer der Gründe, warum die Arbeitgeber im Shop Ville sich gegen die Anordnung stellen.

Das Arbeitsinspektorat räumt jedoch auch ein, dass solche "Lichtpausen" nicht für alle Geschäfte realistisch seien, etwa bei Ärzten, Coiffeuren und Ein-Mann-Verpflegungslokalitäten. Es wird nun jenen Arbeitgebern einen Besuch abstatten, die nicht reagiert haben und mit ihnen über Alternativen diskutieren. So sei es etwa denkbar, Angestellte zwischen oberirdischen und unterirdischen Shop-Ville-Filialen zirkulieren zu lassen.

Das Arbeitsinspektorat werde nun jenen Arbeitgebern einen Besuch abstatten, die nicht reagiert haben und mit ihnen die Alternativen diskutieren. So sei es etwa denkbar, die Angestellten zwischen verschiedenen oberirdischen und Shop-Ville-Filialen zirkulieren zu lassen.

Die Weisung des Seco unter Druck verschiedener Interessen

Zwingende Lichtpausen gehen auf eine Wegleitung des Seco zur Verordnung zum Arbeitsgesetz zurück und sind damit in einem Dokument von untergeordneter Bedeutung festgeschrieben. Seit Jahren kämpfen Arbeitgeber und Gewerkschaften um die Auslegung. Auf Druck der Arbeitgeber hatte das Seco ein Merkblatt verfasst, auf dem die Pausen über Tage nicht mehr festgeschrieben waren. Nach einem Verwaltungsgerichtsentscheid steht nun fest, dass die Wegleitung und nicht das Merkblatt gilt. Gestritten wird aber weiter. Das Seco überarbeitete die Wegleitung und führte neu die Unterscheidung zwischen "Tageslicht am Arbeitsplatz" und "Blick ins Freie ein". Während ersteres durch starke Lampen ersetzt werden könne, ist anderes für das Wohl der Psyche zwingend nötig.

Aktuelle Nachrichten