Zürich
Ship-ahoy! Nun kommt das Airbnb für Boote

Über eine neue Plattform können Bootsbesitzer ihre Gefährte tageweise zur Vermietung anbieten.

Lina Giusto
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Kein eigenes Boot? Über eine neue Plattform kann man sich nun eines ausleihen.

Kein eigenes Boot? Über eine neue Plattform kann man sich nun eines ausleihen.

Keystone

Die Sommerferien haben begonnen und manch ein Urlauber ist bei der Suche nach einer Unterkunft auf der Plattform Airbnb fündig geworden. Dort bieten Personen, die ihre Unterkunft gerade nicht selber bewohnen, diese Touristen oder Geschäftsreisenden für einige Zeit an. Neuerdings können sich auch passionierte Bootsfahrer ohne eigenes Boot nach demselben Prinzip ihren Wunsch nach einer Fahrt auf dem Zürichsee erfüllen. Die Plattform des Zürcher Start-ups Ship-ahoy bringt Bootsbesitzer, die ihr Gefährt teilen wollen, und Seeliebhaber zusammen.

Weil der Unterhalt für ein Boot teuer ist und die Anlegeplätze am Seeufer eine Rarität sind, haben sich Gründer Christian Fehr und seine zwei Kollegen entschieden, ein Angebot zu lancieren, welches das Teilen von Booten ermöglicht. Wer also im Besitz eines Bootes ist und es während seiner Abwesenheit weitervermieten will, kann auf der Plattform von Ship-ahoy ein Inserat lancieren. Passionierte Böötler wiederum, die selber kein seetaugliches Gefährt besitzen, können sich für die gewünschte Zeitdauer ein Ruder-, Motor- oder Seegelboot mieten.

«Ich habe selber ein kleines Boot auf dem See und habe es in jungen Jahren privat unter Freunden weitervermietet.»

Christian Fehr, Gründer von Ship-ahoy

Wie Fehr sagt, ist die Idee, Boote zu Teilen ursprünglich aus persönlichem Interesse entstanden. «Ich habe selber ein kleines Boot auf dem See und habe es in jungen Jahren privat unter Freunden weitervermietet, um die Fixkosten, die dieses Hobby mit sich bringen, decken zu können.» Die zwei weiteren Firmenmitglieder seines Start-ups teilen die Freude am See und dem Bootfahren mit Fehr. «Nach dem Vorbild von Airbnb fanden wir, dass die Sharing-Economy-Idee das Bootfahren begünstigen kann», sagt Fehr weiter.

Das Zürcher Jungunternehmen lanciert in rund zwei Wochen nun die App für Smartphones. «Damit wird das Mieten und Vermieten auch über den Zürichsee hinaus interessant», so Fehr. Zumindest gibt es ausserhalb von Zürich bereits einen Bootvermieter auf dem Murtensee auf der Plattform.

Im Raum Zürich können bereits rund 30 Boote gemietet werden. Allerdings variiert das Angebot. Wer auf Ship-ahoy sein Boot ausschreibt, kann die Verfügbarkeit bei Eigenbedarf in Form von Sperrdaten auch wieder deaktivieren. Die Plattform ist nicht nur für private Bootsbesitzer zugängig. «Viele unserer Vermieter sind institutionelle Bootsvermieter, die unsere Plattform als Zusatzangebot nutzen», so Fehr.

Vertragsabschluss und Zahlungen funktionieren wie bei dem Online-Marktplatz Airbnb via Kreditkarte. Mit der integrierten Chatfunktion können dann die Vertragspartner Übergabe sowie Fragen rund um die Nutzung und Bedienung des Bootes klären. Als Starthilfe bietet die Plattform dafür ein vorgefertigtes Protokoll an. Zudem stellen die Betreiber von Ship-ahoy eine Übersicht zu den wichtigsten Regeln für den Bootsverkehr auf dem Zürichsee zur Verfügung. Der Versicherungsschutz läuft derzeit aber noch über die privaten Haftpflichtversicherungen der Mieter. «Wir erarbeiten derzeit mit einem Versicherungsunternehmen eine Lösung, die ähnlich wie die Drittlenkerversicherung im Strassenverkehr funktioniert», sagt Fehr.

«Boote sind Gegenstände, die nicht konstant genutzt werden können und deren Einrichtung nicht allzu persönliche ist.»

Christian Fehr, Gründer von Ship-ahoy

Mit diesem Angebot wäre eine vollumfängliche Vertragsabwicklung über die Ship-ahoy-Plattform möglich. Dass ein Mieter ohne Bootsprüfung ein ausweispflichtiges Gefährt mietet, kann laut Fehr nicht passieren. «Mieter registrieren sich auf unserer Plattform und müssen – sofern vorhanden – ein Foto des Ausweises hochladen.» Ist kein solcher vorhanden, ist der potenzielle Mieter nicht berechtigt, ein Boot zu mieten, das über mehr als 8 PS verfügt. Dass Besitzer ihr Boot wegen allfälligen Schäden nicht gerne vermieten werden, glaubt Fehr nicht.

«Boote sind Gegenstände, die nicht konstant genutzt werden können und verfügen, trotz des hohen Wertes, nicht über eine allzu persönliche Einrichtung», sagt Fehr. Er vermutet, dass der Vorteil des Teilens der Unterhaltskosten die Angst vor Schäden überwiege. «Das Boot ist während der Mietdauer ja vollumfänglich versichert», so Fehr. Wem das dennoch nicht geheuer ist, kann sich demnächst als Kapitän zur Verfügung stellen und Seeliebhaber stundenweise über das Wasser schippern.