Bei der Bemessung der Strafe folgte das Gericht vollumfänglich der Staatsanwaltschaft: Larible wurde zu 160 Tagessätzen zu 120 Franken verurteilt, wegen sexueller Handlungen mit einem Kind. Auch beim Landesverweis war das Gericht gleicher Meinung wie die Anklage.

Es handle sich zwar um ein klassisches Vieraugen-Delikt, sagte der Richter in der Begründung. Man habe dem Mädchen aber klar mehr geglaubt als dem Beschuldigten. Die Aussagen des Mädchens seien überzeugend, widerspruchsfrei. Zudem habe sich die 14-Jährige sehr geschämt, über die Küsse zu reden, was ebenfalls glaubhaft sei.

Clown David Larible will Schuldspruch weiterziehen

Clown David Larible: "Ich habe nie dieses Mädchen geküsst"

Der weltbekannte Clown David Larible ist in erster Instanz schuldig gesprochen worden. Doch er beteuert seine Unschuld. Er habe die damals 14-Jährige nicht geküsst. Sein Anwalt Valentin Landmann kündigte an, dass er das Urteil weiterziehen werde.

"Den ersten Kuss gestohlen"

Es sei zudem kein Grund erkennbar, weshalb dieser Fan sein Idol zu Unrecht beschuldigen sollte. "Sie haben das Vertrauen eines Kindes, das Sie verehrte, missbraucht", sagte der Richter an Larible gerichtet. "Und sie haben einem Mädchen den ersten Kuss gestohlen."

Was der Clown zu seiner Verteidigung vorgebracht hatte, bezeichnete der Richter als "nicht nachvollziehbar und diffus". Die Aussagen seien widersprüchlich, beschönigend und nicht überzeugend. So habe Laribleetwa nicht erklären können, warum er als 60-jähriger Mann eineinhalb Stunden mit einem Mädchen im Hotelzimmer blieb.

Anwalt des Mädchens nach Larible-Prozess: "Widersprüche in Aussagen des Beschuldigten"

Anwalt des Mädchens: "Widersprüche in Aussagen des Beschuldigten"

Sven Gretler, der Anwalt des jungen Mädchens im Fall David Larible, betont die Glaubwürdigkeit seiner Mandantin. Das Mädchen habe sich im Gegensatz zum beschuldigten Clown nicht in Widersprüche verstrickt. 

Als "verstörend" bezeichnete der Richter die knapp 1000 Whatsapp-Nachrichten, welche der Clown und sein Fan ausgetauscht hatten. Er schrieb der 14-Jährigen, er wolle sie umarmen, er vermisse sie, wolle Fotos von ihr und mit ihr auf ein "nächstes Level" kommen. Wenn er ihr "so many nice things" zeigen wollte, sei es dabei sicher nicht um Zirkuskunst gegangen, so der Richter weiter.

Larible muss dem Mädchen knapp 1500 Franken Schadenersatz und 2000 Franken Genugtuung zahlen. Ebenfalls zu seinen Lasten gehen die Kosten für die Psychotherapie, welche das Mädchen absolviert. Es leidet heute unter Angstzuständen und Schlafstörungen.

Gemäss Urteil hat er das Mädchen in einem Hotelzimmer beim Zürcher Hauptbahnhof drei Mal mit Zunge geküsst und es gestreichelt. Es wollte eigentlich nur ein Buch über Clownskunst bei ihm im Hotelzimmer holen, weil es selber Artistin werden will.

Landesverweis für Knie-Clown Larible

Landesverweis für Knie-Clown Larible

Der Circus-Knie-Clown David Larible erhält einen fünfjährigen Landesverweis und eine Geldstrafe. Grund dafür: ein Zungenkuss mit einer 14-Jährigen.

Anwalt: "Schwärmereien einer Pubertierenden"

Valentin Landmann, der Anwalt des beschuldigten Clowns David Larible, hatte die Vorwürfe des Mädchens am Dienstag vor dem Zürcher Bezirksgericht als "Schwärmereien einer Pubertierenden" dargestellt. Man könne nicht ausschliessen, dass die 14-Jährige einiges hinzugedichtet habe.

Das Verhalten des Mädchens nach dem angeblichen Übergriff zeige vor allem eines: Dass es niemandem gegenüber wirklich ehrlich gewesen sei, sagte Landmann in seinem Plädoyer. So habe sie ihrer Freundin etwas anderes erzählt als ihrer Mutter.

Es müsse davon ausgegangen werden, dass die 14-Jährige Dinge hinzufantasiert habe, die ihr zu diesem Zeitpunkt im Kopf herumgegeistert hätten. "Was in diesem Hotelzimmer wirklich passiert ist, wissen wohl nur die beiden Protagonisten."

Von einer traumatischen Erfahrung könne zudem keineswegs die Rede sein. Das Mädchen habe auch noch während der Ermittlungen versucht, Kontakt zu David Larible aufzunehmen, etwa über den Snapchat-Account seiner Tochter. "Und das obwohl er ihr etwas Schlimmes angetan haben soll." Auch mit den Zirkus-Besuchen machte das Mädchen weiter. "Wiederum suchte sie dort Kontakt zu Artisten."

Clown David Larible steht heute in Zürich vor Gericht

Clown David Larible vor dem Prozess in Zürich

Hat der Clown David Larible einer 14-jährigen Zungenküsse gegeben, oder war die Situation doch anders? Der 59-jährige Künstler war sich vor dem Prozess sicher, dass sich bald alles klären würde. 

"Pädo-Clown"

Landmann forderte einen Freispruch vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind und vom Vorwurf der sexuellen Belästigung. Die Staatskasse müsse ihn für das erlittene Leid angemessen entschädigen. "Er wurde beruflich ermordet. Niemand wollte mehr etwas mit dem Pädo-Clown zu tun haben." Larible wolle das Geld aber nicht behalten, sondern einem Kinderhilfswerk spenden.

Larible selber betonte in seinem Schlusswort, dass er kein Pädophiler sei. "Ich habe kein Interesse an Mädchen. Ich habe Horror vor Leuten, die so etwas tun."

Kennengelernt hatten sich der Clown und das Mädchen, weil er es bei einer Vorführung zu sich in die Manege gerufen hatte. Danach trafen sie sich mehrere Male bei Fan-Kontakten, oft auch in Begleitung ihrer Mutter. Sie ging aber auch alleine mit ihm Mittagessen. In den Wochen vor dem mutmasslichen Übergriff tauschten Larible und die 14-Jährige fast 1000 Whatsapp-Nachrichten aus.

Aussagen des Clowns zerpflückt

Der Anwalt des Mädchens, das David Larible wegen Zungenküssen im Hotelzimmer angezeigt hatte, hat am Dienstag vor dem Zürcher Bezirksgericht die Aussagen des beschuldigten Clowns zerpflückt. Hotelkameras und Whatsapp-Nachrichten würden ihn überführen.

Larible hatte ausgesagt, dass er das Mädchen eigentlich nicht habe aufs Hotelzimmer mitnehmen wollen. Sie habe ihm in der Lobby aber gesagt, dass sie sich alleine unwohl fühle. Deshalb habe er sie mit rauf genommen, als er das Clown-Buch für sie holen wollte.

Der Anwalt des Mädchens zeigte in seinem Plädoyer aber auf, dass diese Geschichte hinkt. Kameraufzeichnungen der Hotellobby zeigen nämlich, dass es eine solche Konversation gar nie gab. "Er forderte sie nie dazu auf, in der Lobby zu bleiben. Er nahm sie einfach mit."

Einer Fotografin, die er eigentlich vom Flughafen abholen wollte, schrieb er zudem per Whatsapp, dass sie mit dem Zug an den Hauptbahnhof Zürich fahren solle. "I have a very important meeting" - damit habe er das Treffen mit dem Mädchen gemeint.

Fast 1000 Nachrichten ausgetauscht

Zudem habe er mit dem Mädchen fast 1000 Whatsapp-Nachrichten ausgetauscht. "Weshalb sollte er sich derart intensiv um einen Fan kümmern?" Er schrieb ihr, er wolle sie umarmen, er vermisse sie, wolle Fotos von ihr und auf ein "nächstes Level" kommen. "Da schrieb kein väterlicher Freund. Da schrieb ein Mann, der sich verloren hat."

Die Zuwendung war durchaus nicht einseitig: Auch das Mädchen schickte Herzchen und Küsschen, war offensichtlich in eine Schwärmerei verfallen. "Ein 60-Jähriger hat jedoch die Aufgabe, verantwortungsvoll mit einer solchen Schwärmerei umzugehen."

Es gehe nicht, dem Mädchen irgend eine Schuld in die Schuhe zu schieben. Dies sei nach der Verhaftung aber genau passiert. Seine Mandantin sei zur Täterin gemacht worden, welche die Karriere eines sympathischen Clowns zerstört habe.