Kündigung
Sexismus-Vorfälle beim ewz dürften auch das Parlament beschäftigen

Die Frauenfeindlichkeit von Kaderleuten beim Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz), die zur Kündigung des Vizedirektors geführt hat, dürfte bald auch die Politik beschäftigen. Die Geschäftsprüfungs-Kommission will aktiv werden, so deren Präsident.

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Sexismus-Vorfälle beim ewz ruften Politiker auf en Plan.

Sexismus-Vorfälle beim ewz ruften Politiker auf en Plan.

Keystone

Der Präsident der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Gemeinderates geht jedenfalls davon aus, dass das Parlament die GPK mit Abklärungen betraut.

Die «NZZ am Sonntag» hatte die Vorfälle in ihrer letzten Ausgabe publik gemacht. Das ewz bestätigte seinerseits, dass letztes Jahr im Bereich Verteilnetze, dem grössten ewz-Geschäftsbereich, Sexismus-Vorwürfe erhoben worden seien. Diese hatten den Austritt von drei jüngeren Mitarbeiterinnen zur Folge.

«Offensichtlicher Handlungsbedarf»

Da es sich beim ewz um eine städtische Dienstabteilung handelt, dürfte der Fall auch im Zürcher Gemeindeparlament zu reden geben. «Dass Handlungsbedarf besteht, ist offensichtlich», sagte GPK-Präsident Matthias Probst (Grüne) am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Probst geht davon aus, dass an der Parlamentssitzung vom kommenden Mittwoch ein Antrag gestellt wird, der mit einem Auftrag an die GPK verbunden ist.

Die erwähnten Vorfälle liegen bereits mehr als ein Jahr zurück. Die drei ewz-Mitarbeiterinnen erhoben im Sommer gleichzeitig verschiedene Vorwürfe, worauf ewz-Direktor Marcel Frei eine Untersuchung betreffend sexistischem Verhalten und Diskriminierung einleitete.

«Nicht immer respektvoll und unbefangen»

Ein Jahr später wurde dann ein vertraulicher Bericht erstellt. Darin wird festgehalten, dass «der Umgang mit weiblichen Mitarbeitenden nicht immer respektvoll und unbefangen ist», wie es in einer Mitteilung des ewz heisst.

Erarbeitet hat den Bericht ein externer Fachmann, wie ewz-Sprecher Harry Graf auf Anfrage sagte. Darin werde niemandem eine klare Schuld zugewiesen. Auch seien keine personalrechtlichen Massnahmen gefordert worden.

Gemäss Mitteilung ist es jedoch wiederholt zu «nicht akzeptablem und sexistischem Verhalten von Vorgesetzten und männlichen Kollegen» gekommen. Die drei betroffenen Mitarbeiterinnen waren teils längere Zeit krank geschrieben, wie Graf sagte.

Kriegt der Vizedirektor eine Entschädigung?

Schliesslich hätten alle «eine gute Vereinbarung[ erzielt. Ob sie eine Entschädigungszahlung erhielten, wollte Graf nicht sagen.

Als Folge der Vorfälle hat der Vizedirektor und Leiter Verteilnetze zusätzliche Massnahmen getroffen oder in die Wege geleitet. Ziel war laut Mitteilung, «ein Klima des respektvollen Umgangs zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in seinem Bereich zu schaffen.»

Trotzdem habe man nicht erreicht, «dass wieder Ruhe beim ewz einkehrt.» Für diese unerfreuliche Situation habe der stellvertretende Direktor und Leiter Verteilnetze nun die Verantwortung übernommen und die Konsequenzen gezogen. Vergangene Woche hat das Geschäftsleitungsmitglied die Kündigung eingereicht, wie Graf sagte.

15 von 170 Kaderangestellten sind Frauen

Die vom Vizedirektor eingeleiteten Massnahmen werden jedoch weitergeführt, wie Graf sagte. Aus aktuellem Anlass soll nun in Workshops der Umgang mit dem anderen Geschlecht am Arbeitsplatz thematisiert werden.

Der ewz-Geschäftsbereich Verteilnetze umfasst laut Graf rund 600 Mitarbeitende. Der Frauenanteil beträgt hier 18,1 Prozent. Noch tiefer ist der Anteil auf ewz-Kaderstufe. Gerade einmal 15 von den etwa 170 Kaderleuten sind Frauen. Graf räumt denn auch ein: «Wir hinken etwas hinterher.»