Korruption
Sex und Geschenke: Noch kein Urteil für Zürcher Ex-Polizist

Vor dem Zürcher Obergericht hat sich am Donnerstag ein 39-jähriger Ex-Stadtpolizist verantworten müssen. Er nahm von einer Prostituierten wiederholt Geschenke und Sex an und ist deshalb wegen mehrfacher Vorteilsannahme angeklagt. Ein Urteil wurde noch nicht gefällt.

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Noch wartet der Zürcher Ex-Polizist auf sein Urteil. Die Richter wollen das Verfahren ausweiten.

Noch wartet der Zürcher Ex-Polizist auf sein Urteil. Die Richter wollen das Verfahren ausweiten.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Das Obergericht will das Verfahren eventuell ausdehnen und weitere Akten zuziehen. Deshalb werde das Urteil erst in etwa zwei bis vier Wochen eröffnet, sagte der Richter.

Die Vorinstanz, das Zürcher Bezirksgericht, hatte den ehemaligen Polizisten zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen von je 100 Franken verurteilt. Der 39-Jährige war mit diesem Urteil nicht einverstanden, weshalb der Fall vor Obergericht verhandelt wird.

Klar ist, dass sich der Ex-Polizist, der heute bei einer Versicherung arbeitet, von einer gebürtigen Brasilianerin mehrfach Kleider, Elektronikartikel, Flüge, Hotelaufenthalte und auch Sex schenken liess. Strittig ist jedoch, weshalb die Prostituierte dem Polizisten so viel Aufmerksamkeit zukommen liess.

Für die Anklage ist klar, was sich die Frau erhoffte: Dass die Polizei ihr und ihrem Salon gegenüber günstig gestimmt würde und bei künftigen Kontrollen vielleicht ein Auge zudrückt.

Der Beschuldigte war zwar nicht Mitarbeiter der Sittenpolizei, wurde aber wiederholt als "Schein-Freier" für Aktionen gegen illegale Prostitution eingesetzt: Er ging in einen Salon, liess sich ansprechen und Sex anbieten und kontrollierte dann die Frauen.

Auch die Prostituierte, die der Beschuldigte gemäss Staatsanwaltschaft "ausquetschte wie ein Zitrone", wurde von ihm kontrolliert.

Geld für einen Laptop

Der Ex-Polizist argumentierte am Donnerstag vor Obergericht, das Verhältnis zu dieser Frau sei nichts Dienstliches gewesen sondern rein privat. Man habe sich gegenseitig Geschenke gemacht. "Ich habe sie beispielsweise mehrmals zum Essen eingeladen."

Den Sex habe sie von sich aus gewünscht, weil sie schon immer mit einem Polizisten habe schlafen wollen. Er habe mitgemacht und dafür von ihr auch noch 2500 Franken für einen Laptop erhalten. Welche Version für das Gericht plausibler ist, zeigt sich beim Urteil.

Nebengleis der "Chilli's"-Affäre

Dieser Prozess ist ein Nebengleis der so genannten "Chilli's"-Korruptionsaffäre, welche im Jahr 2013 die Sittenabteilung der Stadtpolizei Zürich erschütterte.

Der Beschuldigte geriet nur deshalb ins Visier der Ermittler, weil er sich für das "Ausnehmen" der Prostituierten mit einem Kollegen zusammentat, der bei der Sittenpolizei tätig war. Die Staatsanwaltschaft wertete dessen Handy aus und stiess dabei auf die Konversation mit dem 39-Jährigen.