Bezirkgericht
Sex und Alkohol statt Arbeit - IV-Betrüger verurteilt

Das Bezirksgericht Zürich hat einen Zürcher IV-Rentner wegen mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs verurteilt. Der angeblich arbeitsunfähige Serbe hatte seine Freizeit in vollen Zügen genossen und damit rund 150'000 Franken erschwindelt

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Bezirksgericht Zürich

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zvg

Mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten bedingt ging das Gericht über den Antrag des zuständigen Staatsanwaltes hinaus. Dieser hatte 21 Monate auf Bewährung gefordert.

Gemäss Anklage hatte der in der Stadt Zürich lebende Bauarbeiter ab 1999 nach einem Arbeitsunfall noch legal eine halbe IV-Rente bezogen. Dies änderte sich im Sommer 2003, als sich der Serbe als voll arbeitsunfähig meldete.

Der Angeklagte verwies auf ärztliche Gutachten, die ihm Depressionen und Vereinsamung attestierten. Demnach lebte der Familienvater sozial sehr zurückgezogen und fuhr nur sehr wenig mit dem Auto.

Dazu unternahm er gemäss Bericht nicht viel, da er keine Energie oder Lust verspüre. Zudem trinke er keinen Alkohol, hiess es in einem weiteren ärztlichen Bericht.

Der beschuldigte Bauarbeiter erreichte damit sein Ziel: Als vollumfänglich arbeitsunfähig eingestuft, konnte er über ein Jahr lang zusätzlich Invalidengelder in der Höhe von rund 150'000 Franken kassieren.

Sex, Alkohol und Fussballspiele

Eine detektivische Ueberwachung brachte die Wahrheit ans Licht. So fuhr der angeblich traurige Eremit fast jeden Tag mit seinem Auto zum Flughafen Kloten. Dort hielt er sich regelmässig mit Kollegen in Restaurants auf und trank bei guter Laune reichlich Alkohol.

Zudem besuchte er zahlreiche Fussballspiele und begeisterte sich für Schachpartien auf einem Marktplatz in Oerlikon. Nicht zuletzt verreiste er mehrmals im Jahr in die Ferien.

Der zuständige Staatsanwalt sprach von einem «sehr umtriebigen und lüsternen Zeitgenossen», der nur eine Art von Tabletten konsumiert habe: Viagra. So pflegte der Schürzenjäger aussereheliche sexuelle Kontakte und wollte sich mit den blauen Pillen in Form halten. Er wurde im September 2008 für 45 Tage in Untersuchungshaft gesetzt.

Die Verteidigung stufte das Beweisfundament als zu wenig stark ein und verlangte einen Freispruch. Der Angeklagte äusserte sich vor Gericht kaum, gab aber zu, dass er heute von der Sozialhilfe lebe. Noch unklar ist, ob die Verteidigung den Schuldspruch akzeptiert oder Berufung einlegen wird.