Zürich Stadtkreis 4
Sensationsfund bei Sanierung: Keltisches Frauengrab bei Schulanlage entdeckt

Bei der Sanierung der Schulanlage Kern im Zürcher Stadtkreis 4 haben Archäologen ein keltisches Frauengrab aus der Zeit um 250/200 vor Christus entdeckt. Die Grabfunde sollen nach der Restaurierung und Auswertung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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 Bei der Sanierung des Schulhauses Kern stossen die Archäologen der Stadt Zürich auf ein keltisches Frauengrab.
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 Der Baumstamm der als Sarg diente ist noch gut erkennbar, von den Knochen der Keltin ist jedoch nicht mehr viel übrig. Dafür sticht der reichhaltige Grabschmuck - die Bronzekette um die Hüfte ins Auge.
Grabfund einer keltischen Frau beim Schulhaus Kern
 Eindrücklich ist der Brustschmuck mit Perlen aus blauem und gelbem Glas und Bernstein.
 Eindrücklich ist die feingliedrige Bronzekette mit variablem hakenverschluss und den Anhängern.
 Hier legen Archäologen in Feinstarbeit den fast 2000 Jahre alten Schädel frei.
 Nahaufnahme des keltischen Frauenkörpers. Oben der Schädel, die blauen Perlen deuten auf den Brustschmuck hin, die Kette auf Hüfthöhe, sowie der brozene Armreifen am linken Arm der Frau. Die Einbuchtungen oberhalb der Bronzekette deuten auf Eisenfiebeln hin. Damit verschloss die Frau wohl ihre Gewänder. Sie sind mit heutigen Sicherheitsnadeln zu vergleichen.

Bei der Sanierung des Schulhauses Kern stossen die Archäologen der Stadt Zürich auf ein keltisches Frauengrab.

Hochbaudepartement der Stadt Zürich

Das Frauengrab befand sich unmittelbar vor der Westfassade des Schulhauses, wie das Amt für Städtebau am Freitag mitteilte. Es war Anfang März im Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten an der Schulanlage entdeckt worden.

Die Frau war in einem Baumsarg beigesetzt worden. Die Form des ausgehöhlten Baumstammes war anhand der Holzreste noch gut erkennbar. Nur mehr spärlich vorhanden waren die Knochen des Skelettes.

Die Frau trug einen bronzenen Armring sowie einen Brustschmuck mit Perlen aus blauem und gelbem Glas und Bernstein. Ihre Gewänder verschloss sie mit mehreren Eisenfibeln. Herausragend sei die feingliedrige Gürtelkette aus Bronze mit variablem Hakenverschluss und Anhängern, heisst es weiter.

Anhand der Objekte lässt sich das Grab in die jüngere Eisenzeit um etwa 250/200 vor Christus einordnen. Es handelt sich um einen "sehr seltenen, prähistorischen Grabfund auf Stadtgebiet". Zwar wurden seit 1898 in der Nähe immer wieder alte Gräber gefunden, aber diese stammten aus dem Frühmittelalter, also dem 6. Jahrhundert nach Christus.

Eine Ausnahme bildet ein einzelnes Grab eines keltischen Mannes mit Schwert, Schild und Lanze, das 1903 beim Bau der Turnhalle Kern entdeckt wurde. Gemäss Mitteilung könnte er der Begleiter der jetzt zum Vorschein gekommenen Frau sein. Die beiden Grabstellen liegen allerdings 80 Meter voneinander entfernt.

Die Objekte des Frauengrabs werden nun im Labor gereinigt und restauriert. Anhand der Knochen soll unter anderem geklärt werden, wie alt die Frau war. Bisher unklar ist, wo sich die Siedlung befand, in der die Menschen lebten. Die restaurierten Funde sollen später öffentlich zugänglich gemacht werden.