Eigentlich nisten Flussregenpfeifer auf Schotter- und Sandbänken von Flüssen. Weil diese in Zürich Mangelware sind, legte dieses Vogelpaar seine Eier mitten auf einen Kiesweg der Glattpark-Grossbaustelle im Norden der Stadt.

Die Bauarbeiten wurden dadurch nicht gestört. Um aber die Vögel in Ruhe brüten zu lassen, sperrte die Gemeinde Opfikon den Weg ab. Der unübliche Nistplatz habe maximalen Bruterfolg gebracht, sagte Zoologin Yvonne Schwarzenbach. Alle acht Jungtiere hätten überlebt.

Küken gedeihen ohne Vater

Während die erste Brut bereits ausgeflogen ist, hüpfen die zweiten vier Küken gegenwärtig noch über ein überschwemmtes Stoppelfeld und suchen nach kleinen Insekten. Sie schlüpften am 11. Juli und dürften etwa am 4. August alleine losziehen. Weil die Küken als typische «Nestflüchter» schon länger nicht mehr im Nest sitzen, konnte der Kiesweg inzwischen wieder freigegeben werden.

Nicht mehr zu sehen ist gemäss Schwarzenbach jedoch das Männchen. Es sei entweder verunglückt oder habe das Weibchen einfach verlassen. Dies sei durchaus möglich, da Arten wie der Flussregenpfeifer nur eine Saison lang treu seien. Seit zwei Wochen beaufsichtigt das Weibchen die Küken alleine und verteidigt die Kleinen gegen Krähen und Katzen.

Von Hochwasser verschont

Mit ihrem unüblichen Nistplatz hatten die beiden Flussregenpfeifer besonderes Glück: Hätten sie an einem «natürlichen» Ort gebrütet, etwa an der Thur, wären die Jungtiere beim Hochwasser vom Juni wahrscheinlich weggeschwemmt worden.

Der Flussregenpfeifer gilt als stark gefährdet. In der Schweiz leben nur noch knapp 100 Brutpaare, im Kanton Zürich sind es knapp 20. (sda)