Kanton Zürich

Seltener Fall: Einem Tierarzt droht eine ziemlich saftige Geldstrafe

Hier im Bild: Das Bezirksgericht Bülach. (Archiv)

Hier im Bild: Das Bezirksgericht Bülach. (Archiv)

Das Bezirksgericht Bülach muss entscheiden, ob ein Tierarzt mit einem schwer verletzten Rind pflichtwidrig und unvorsichtig umgegangen ist.

Dass sich ein Tierarzt wegen Tierquälerei vor Gericht verantworten muss, ist selten. Vergleichbare Fälle gibt es in der Schweiz nur wenige. Am Dienstag muss das Bezirksgericht Bülach entscheiden, ob ein erfahrener Tierarzt aus dem Unterland ein Rind unnötig hat leiden lassen.

In Artikel 26 des Tierschutzgesetzes heisst es unter anderem: «Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer vorsätzlich ein Tier misshandelt, vernachlässigt, es unnötig überanstrengt oder dessen Würde in anderer Weise missachtet.» Der Begriff Würde wird im Tierschutzgesetz definiert: «Eigenwert des Tieres, der im Umgang mit ihm geachtet werden muss. Die Würde des Tieres wird missachtet, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann. Eine Belastung liegt vor, wenn dem Tier insbesondere Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden, es in Angst versetzt oder erniedrigt wird.»

Im vorliegenden Fall wirft die Staatsanwaltschaft dem Tierarzt vor, dass er ein hochträchtiges, schwer verletztes Rind unnötigerweise vom Stall auf einem Bauernhof zum Schlachthof transportiert hat. «Dadurch musste das Rind erhebliche Ängste, Schmerzen und Leiden aushalten», heisst es in der Anklageschrift. Richtig wäre laut Staatsanwaltschaft gewesen, wenn der Tierarzt das Rind vor Ort betäubt und entblutet und es erst danach zum Schlachthaus gebracht hätte.

Der Bauer, der während des Vorfalls ebenfalls vor Ort war, möchte vorerst keine Stellung nehmen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Er sagt aber: «Ich habe als Zeuge bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft ausgesagt.» Er selbst ist nicht angeklagt und musste dem Statthalteramt des Bezirks Bülach lediglich eine kleine Busse bezahlen. «Dabei ging es nur um ein Dokument, welches ich nicht richtig unterzeichnet habe.» Er ist froh, dass das Gericht nun ein Urteil fällt. «Die Sache hat sich nun über ein Jahr hingezogen.»

«Schwierig einzuschätzen»

Das verletzte Rind wurde letztlich im Schlachthaus in Glattfelden geschlachtet und das Kalb per Kaiserschnitt geborgen. Marcel Meier, der dort als Kundenmetzger arbeitet, war damals nicht anwesend. «Mein Kollege hat die Schlachtung durchgeführt.» Das Veterinäramt des Kantons Zürich bekam jedoch Wind vom Transport des schwer verletzten Tieres und zeigte den Tierarzt an. Marcel Meier, der auf seinem Hof ebenfalls Kälbchen züchtet, sagt: «Eigentlich ist es schon die Regel, dass wir transportunfähige Tiere direkt auf dem Hof schlachten.» Doch manchmal sei es schwierig abzuschätzen, ob dem Tier der Weg zum nächstgelegenen Schlachthaus wirklich nicht mehr zumutbar ist. «Es kommt auch darauf an, wie man es transportiert. Vielleicht kann ein verletztes Tier ganz sanft angehoben werden, sodass die Schmerzen nicht enorm gross sind.»

Wäre das Rind im vorliegenden Fall auf dem Hof geschlachtet worden, hätte man das Fleisch laut Kundenmetzger Marcel Meier aus Hygienegründen wohl nicht mehr verarbeiten können. «Das Kalb hätte zwar dennoch geborgen werden können, das Muttertier wäre aber sozusagen verloren gewesen.» Deshalb müssen sich Bauer und Tierarzt auch den Vorwurf der Geldgier gefallen lassen.

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