Das Medieninteresse war gross, als die Fifa am 28. Februar ihr neues Schmuckstück in Zürich Enge eröffnete. Journalisten aus aller Welt berichteten über das «Fifa World Football Museum», wie es offiziell heisst. Zwar blieben die Korruptionsskandale nicht unerwähnt, doch was das Museum betraf, waren selbst Fifa-Kritiker voll des Lobes.

Ben Rumsby, der für den britischen «Telegraph» den Fifa-Funktionären auf die Finger schaut, twitterte beispielsweise: «Hate to say it, but this is rather splendid». Auf Deutsch so viel wie: «Ich sage es nicht gerne, aber das ist ziemlich grossartig.» Auch auf den anderen sozialen Plattformen waren die Kommentare durchweg positiv. Neun von zehn Besuchern gaben gute Noten und würden das Museum weiterempfehlen.

Doch wie viel ist heute von der anfänglichen Euphorie geblieben? Viel, sagt Marc Caprez, Mediensprecher des Museums. Vor allem die Sonn- und Feiertage waren gut besucht. Alleine am Karfreitag wurden über 1000 Eintritte gezählt.

Genaue Besucherzahlen will Caprez zu diesem frühen Zeitpunkt nicht nennen. Mit dem Aufkommen sei man jedenfalls zufrieden. Vor allem wenn man berücksichtige, dass die Eröffnung im März erfolgte – einem eher touristenschwachen Monat. Caprez erwartet den grössten Andrang im Sommer, wenn die Hoteliers im Grossraum Zürich wieder mit gegen fünf Millionen Übernachtungen rechnen.

Vor allem Deutschschweizer

In den ersten zehn Monaten hat sich das Museum eine Besucherzahl von 150 000 bis 180 000 zum Ziel gesetzt. 330 Führungen sind bis Ende Jahr budgetiert. Diese Zahl hat es schon nach einem Monat beinahe erreicht. Alleine im März wurden 45 Gruppen durch die Räume geführt, die meisten im Rahmen eines Privat- oder Firmenanlasses. Bis und mit Dezember gibt es bereits 326 Anfragen. Aufgrund der grossen Nachfrage arbeiten die Verantwortlichen an einem Konzept für ständige Publikumstouren zu fixen Zeiten.

Neun von zehn Führungen erfolgten jeweils in Deutsch, eine in Englisch. Ein Grossteil der Besucher stamme aus der Deutschschweiz, sagt Caprez. «Dennoch sind wir überrascht, wie viele Touristen bereits den Weg zu uns gefunden haben. Gemäss Schätzungen unserer Mitarbeitenden am Ticketschalter gehen wir davon aus, dass rund 30 Prozent der Besucher aus dem Ausland stammen oder zumindest fremdsprachig sind.»

Begeisterte Chinesen

Zürich Tourismus hat die Anfragen zur neuen Attraktion nicht gezählt. Laut Mediensprecher Ueli Heer ist das Interesse der Tour-Operatoren und internationalen Journalisten aber gross. «So gross wie noch nie bei einer Neueröffnung in Zürich», sagt Heer. Die ersten Rückmeldungen waren ausnahmslos positiv. Insbesondere Besucher aus China und anderen asiatischen Ländern seien begeistert gewesen. Zürich Tourismus sieht viel Potenzial und ist deshalb eine langfristige Kooperation mit dem Fifa-Museum eingegangen. Wie die Logos der zwei anderen «Key Partners» Swiss Casinos Zürich und Zürich Flughafen erscheint jenes des Fifa-Museums auf der Website, auf Stadtplänen und weiteren Marketingkanälen von Zürich Tourismus.

Das Museum selbst hat bis jetzt wenig in die Vermarktung investiert. «Wir wussten, dass man ein so grosses Museum nicht von heute auf morgen füllen kann und haben deshalb bewusst auf Werbung verzichtet», sagt Caprez. Erst gegen Ende dieses Monats sei eine erste Plakat- und Radiokampagne geplant. Am wichtigsten für den Erfolg sei aber ohnehin eine gute Mundpropaganda. «Das hat für die Besuchenden die grösste Glaubwürdigkeit.»

Orientierungsschwierigkeiten

Was bei den Besuchern am besten ankommt und was nicht, sollen zwei Befragungen ergeben. Sie werden derzeit ausgewertet. Aufgrund der ersten Erfahrungen zeige sich aber bereits, welche Bereiche und Attraktionen noch nachgebessert werden müssen.

Bemängelt wurde insbesondere die Signaletik. Sich auf den drei Ebenen und einer Fläche von 3000 Quadratmetern zu orientieren, bereitet den Besuchern teilweise noch Mühe. Auch dass sie dabei einem festgelegten Rundgang folgen müssen, stiess auf Kritik. Aufgrund vereinzelter Rückmeldungen werden zudem mehr Sitzgelegenheiten geschaffen. Nur ganz wenige Äusserungen hätten sich auf die Ticketpreise bezogen. Sie betragen 24 Franken für Erwachsene und 14 Franken für Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren.

Besonders beliebt sei die Timeline, welche die Geschichte der Entwicklung des Verbandsfussballs zeigt. Überrascht war das Team, wie gut der «Rainbow» – die Shirts aller 209 Mitgliederverbände – bei den Kindern ankommt. Sie und ihre Eltern machten auch fleissig vom Kids-Trail-Büchlein Gebrauch, einem Lehrpfad für die jungen Besucher.

Die 15 interaktiven Stationen hätten sich als gute Investition erwiesen. Obwohl manche Gäste Hemmungen hätten, die Stationen zu bedienen. Und ab und zu fielen die Geräte aus. Vor allem die Pinball-Maschine – eine Art überdimensionaler Flipperkasten – sei störungsanfällig. Dass dieser Prototyp noch Kinderkrankheiten haben könnte, sei klar gewesen. Mittlerweile kenne das Personal die Maschine und könne Pannen schnell beheben.

Montags, wenn das Museum geschlossen ist, stehen jeweils Wartungs- und Verbesserungsarbeiten auf dem Programm. «Alle Anpassungen waren ein Fortschritt», sagt Caprez. «Wir sind überzeugt, dass wir bald alle Kinderkrankheiten ausgeseucht haben.»