Eine Ex-Direktionssekretärin der UBS soll zwischen 2003 und 2010 eine Firmenkreditkarte für private Zwecke benutzt haben. Mehr als eine Million Franken habe sie für Kleider, Schmuck, Reisen, Essen und Schönheitsoperationen ausgegeben. Am Dienstag stand die Frau zum zweiten Mal vor dem Zürcher Bezirksgericht wegen Veruntreuung und diesmal sogar Betrug. Zum zweiten Mal gab es einen Freispruch.

In der Urteilsbegründung sagte die Richterin gleich selbst: «Das Urteil erscheint gegen aussen unwahrscheinlich.» Für das Gericht war klar, dass die ehemalige Direktionssekretärin die Firmenkreditkarte der Grossbank für private Zwecke gebraucht hatte. Es sei schon sehr dreist, was sich die Beschuldigte geleistet habe. «Das Gericht ist aber keine moralische Instanz. Es ist einzig dem Recht verpflichtet», sagte die vorsitzende Richterin.

«Bezüge hätten auffallen müssen»

Auch wenn die Beschuldigte private Bezüge getätigt habe, seien diese vom dreistufigen Kontrollsystem der UBS abgesegnet worden. «Die Bezüge hätten auffallen müssen», sagte die Richterin.

Das Gericht verwarf den Betrugsvorwurf. Dass die Beschuldigte die Unterschriften auf den Kreditkartenabrechnungen erschlichen habe, indem sie ihre Abrechnung und jene eines anderen Mitarbeiters zusammengeheftet habe, sei eine Mutmassung der Vorgesetzten.

Die Unterschriften seien unzweifelhaft echt. Und die Vorgesetzten wollten den Eindruck vermeiden, sie hätten «einfach so» unterschrieben. «Bei aller moralischen Entrüstung: Hier hat das Controlling der UBS gänzlich versagt», sagte die Richterin. Auch der Vorwurf, die Beschuldigte habe das Vertrauen der Vorgesetzten ausgenutzt, verfange nicht. Schliesslich hätten die Vorgesetzten gewechselt und es seien mehrere Stellen zuständig gewesen.

Veruntreuung schloss das Gericht aus, weil die Direktionssekretärin die Geschäftskreditkarte benutzen durfte. Das Geld sei ihr damit aber noch nicht anvertraut gewesen, was der Arbeitgeber mit dem Controlling signalisiert habe. So konnte die Beschuldigte das Geld auch nicht veruntreuen.

Staatsanwalt kündigt Berufung an

Der Staatsanwalt kündigte Berufung an. Liege das schriftlich begründete Urteil vor, werde er entscheiden, ob er daran festhalte. In seinem Plädoyer hatte er noch gesagt, die Beschuldigte hätte ihre Bezüge versteuern müssen, wenn sie denn rechtmässig gewesen wären. «Dann wäre das ein Lohnbestandteil.» Die Frau habe ihre Vertrauensposition skrupellos ausgenützt. Die Rechtsvertreter der UBS sahen kein Mitverschulden bei der Grossbank.

«Eigentliches Kesseltreiben»

Der Verteidiger sprach von einem eigentlichen Kesseltreiben gegen seine Mandantin. Man versuche, ihr krampfhaft etwas anzuhängen. «Ziel war es, den ganzen Dreck aus jener Zeit der Sekretärin anzuwerfen und sich dann beruhigt zurückzulehnen.» Die Abgrenzung zwischen geschäftlichen und privaten Ausgaben sei fliessend gewesen. Die Ausgaben seien akzeptiert worden und damit zulässig gewesen.

Die Ex-Sekretärin selbst hatte gesagt, sie habe nicht gewusst, dass die Kreditkarte nicht für Privates gedacht war. Die monatlichen Abrechnungen seien von den Vorgesetzten immer anstandslos abgesegnet worden: «Es ist nicht mein Problem. Es ist das Problem desjenigen, der die Abrechnung akzeptiert.»

Zwar habe sie die Karte zunächst bloss fürs Geschäft verwendet. Dann habe sich das Geschäftliche und das Private aber vermischt. «Vorgesetzte haben mir nicht-geschäftliche Besorgungen in Auftrag gegeben», sagte die Mittfünfzigerin. So habe sie Geschenke für reiche Privatkunden, für Geburtstage und Jubiläen besorgen müssen.