Herr Bosshard, Sie wollen gegen die «Weltwoche» und deren Redaktor Alex Reichmuth gerichtlich wegen Rufschädigung vorgehen. Dennoch mussten Sie in den letzten Wochen aufgrund der Berichterstattung Fehler zugeben.

Walter Bosshard : Wir haben die Mängel, zum Beispiel im Bereich der fehlenden Dokumentation, behoben, die zu den Berichterstattungen geführt haben. Es kann aber nicht sein, dass nun das gesamte See-Spital in Verruf kommt, weil es ausschliesslich in der Schmerzklinik zu Schwierigkeiten gekommen ist. Gegen das Spital wurde eine Hetzkampagne lanciert, bei der immer die gleichen, grösstenteils nicht berechtigten Vorwürfe wiederholt wurden. Zudem bin ich persönlich diffamiert worden. Das ist Rufschädigung am See-Spital. Das hat uns gezwungen, zu reagieren.

«Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel sagt, Sie seien laufend mit den Recherchen konfrontiert worden.

Dennoch hatten wir kaum Platz für eine Stellungnahme. Ein bereits geführtes Interview mit mir hat Alex Reichmuth beispielsweise kurz vor der Veröffentlichung wieder aus dem Blatt gekippt, weil er mit dem Foto nicht einverstanden war, das er von uns bestellt hat und wir termingerecht geliefert haben. Das ist eine fadenscheinige Ausrede.

Was die «Weltwoche» aufgedeckt hat, stellt das See-Spital in ein schlechtes Licht. Bei einem internen Umzug sollen beispielsweise Röntgenbilder verloren gegangen sein.

Das ist korrekt. Als Stiftungsratspräsident habe ich von diesem Vorfall auch erst jetzt erfahren. Es ärgert mich sehr. Bei einer Raumrochade im Februar und März 2013 sind einzelne Röntgenbilder von Patienten aus den Jahren 2011, 2012 und 2013 verloren ­gegangen. Unsere IT-Leute versuchten, die Daten wieder herzustellen, schafften dies aber nicht in allen Fällen.

«Ich bin überzeugt, dass die haltlosen Anschuldigungen jeder Grundlage entbehren. Ich hoffe, die Sache wird schnell geklärt.» Walter Bosshard Stiftungsratspräsident See-Spital

«Ich bin überzeugt, dass die haltlosen Anschuldigungen jeder Grundlage entbehren. Ich hoffe, die Sache wird schnell geklärt.» Walter Bosshard Stiftungsratspräsident See-Spital

Wie kann das passieren?

Beim betroffenen Server handelte es sich um ein Gerät älterer Generation, eine sogenannte Stand-alone-Lösung. Diese zeichnete die Bilder nur einfach auf, was im Normalfall auch genügt, besteht doch keine gesetzliche Pflicht, die Bilder doppelt zu speichern. Vom Serverausfall sind einzig die ­Dokumente von Schmerzpatienten betroffen. Nach Anschaffung eines neuen Systems sind wir nun in der Lage, die Bilder künftig doppelt zu sichern.

Welche Auswirkungen hat der Verlust für die Patienten?

Auf die Behandlung der Patienten hat dieser Verlust keine Auswirkung. Aber es ist ärgerlich, dass man nicht auf ältere Bilder zurückgreifen kann, um den Verlauf einer Krankheit nachzuvollziehen. Im Fall des in den Medien kritisierten Schmerzarztes D. kommt hinzu, dass die Dokumentation auch sonst mangelhaft ist. Das ist ein Schwachpunkt.

Werden die betroffenen Patienten finanziell entschädigt?

Bislang hat nur eine Patientin um ihre Bilder gebeten. Eine Entschädigung ist nicht vorgesehen. Der Bildverlust ist zwar ärgerlich, aber der Patientin ist kein Schaden entstanden.

Kürzlich wurde bekannt, dass sich das See-Spital und Schmerzarzt D. darauf geeinigt haben, dass er das Spital auf Ende September verlässt. Arbeitet D. bis dahin weiterhin als Schmerzarzt?

Momentan ist D. in den Ferien. Er löst damit sein Dienstaltersgeschenk von drei Wochen Ferien ein, das ihm nach zehn Jahren Tätigkeit am See-Spital zusteht. Wie er danach bis Ende September weiterarbeiten wird, werden wir mit ihm nach seiner Rückkehr ­besprechen. Er wird uns aber sicherlich für Fragen zur Verfügung stehen, die von Krankenversichern zu einzelnen kritisierten Fällen gestellt werden.

In der Kritik steht aber nicht nur Schmerzarzt D., sondern auch das See-Spital. Kürzlich hat ein Patient eine Strafanzeige eingereicht, weil das See-Spital angeblich falsche Rechnungen an die Krankenkassen verschickt haben soll.

Das trifft nicht zu. Das See-Spital hat stets korrekt abgerechnet. Wir haben von der Strafanzeige via Medien erfahren. Der Patient kam nicht direkt zu uns. Sie liegt bei der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis. Diese wird nun entscheiden, ob ein Verfahren eröffnet wird. Ich gehe davon aus, dass aufgrund der Medienberichterstattung ein Verfahren eröffnet werden könnte. Aber ich bin überzeugt, dass die haltlosen Anschuldigungen jeder Grundlage entbehren. Ich hoffe, die Sache wird schnell geklärt.

Der Patient behauptet, dass er während einer Schmerzbehandlung mit Ozon behandelt wurde, das nicht kassenpflichtig ist. Dennoch hätte das See-Spital die Kosten an die Krankenkasse weiterverrechnet.

Das ist eine Unterstellung. Die Ozonbehandlung kann man in der Grundversicherung nicht abrechnen. Das Ozon war aber nur additiv verabreicht. Eigentlich handelte es sich um eine ­Behandlung mit dem Schmerzmittel Naropin/Ropivacain, das sehr wohl abgerechnet werden darf.

Der Patient behauptet, von Naropin/Ropivacain sei nie die Rede
gewesen.

Wir haben eine schriftliche Bestätigung des zuständigen Pflegers vom März, wonach der Patient über die Behandlung vollumfänglich aufgeklärt worden sei. Diese Erklärung wurde eingeholt, weil die Dokumentation von Schmerzarzt D. zu diesem Fall gefehlt hat. Betrügerische Absicht weisen wir ganz klar zurück. In Gesprächen mit den Krankenversicherern werden wir den Fall klären und beweisen können, dass alles korrekt abgelaufen ist. Es ist für uns wichtig, dass am Schluss der Ruf des Spitals keinen Schaden nimmt. Es war nie die Absicht des See-Spitals, unkorrekt zu handeln.

Falls es doch anders kommt: Wer würde haften?

Schmerzarzt D. hat bei uns im ambulanten Bereich weitgehend autonom gearbeitet, dennoch war er in einem Angestelltenverhältnis. Damit wäre das See-Spital haftbar, könnte aber gegenüber dem Verursacher auch Regress nehmen.

War es ein Fehler, einen Schmerzarzt mehrheitlich autonom arbeiten zu lassen, obwohl er unter dem Dach des See-Spitals tätig war?

Wir haben daraus unsere Schlussfolgerungen gezogen. Die Kontrollen im ambulanten Bereich genügten nicht. Dies haben wir geändert. Wir stehen aber zu einer Schmerzklinik und wollen diese auch in Zukunft weiterführen. Ein Nachfolger wird aber stärker in das See-Spital integriert werden.