Böög
Sechseläuten scheint populärer denn je

Das Sechseläuten steht vor der Tür und erfreut sich weiterhin grösster Beliebtheit. Für den Kinderumzug am Sonntag erwarten die Veranstalter einen Teilnehmerrekord.

matthias scharrer
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Über 3000 Kinder haben sich für den Sechseläuten-Kinderumzug angemeldet. walter bieri/keystone Über 3000 Kinder haben sich für den Sechseläuten-Kinderumzug angemeldet. walter bieri/keystone Über 3000 Kinder haben sich für den Sechseläuten-Kinderumzug angemeldet. walter bieri/keystone

Über 3000 Kinder haben sich für den Sechseläuten-Kinderumzug angemeldet. walter bieri/keystone Über 3000 Kinder haben sich für den Sechseläuten-Kinderumzug angemeldet. walter bieri/keystone Über 3000 Kinder haben sich für den Sechseläuten-Kinderumzug angemeldet. walter bieri/keystone

Limmattaler Zeitung

Sechseläuten – ein alter Hut? Mitnichten. «Es war noch nie so populär wie heute», sagt Werner Vogt, Mediensprecher des Kinderumzugs. Für den Kinderumzug am Sonntag zeichne sich aufgrund der Anmeldungen ein Teilnehmerrekord ab. Und der Kinderumzug lässt sich durchaus als Gradmesser für die Popularität des Zürcher Frühlingsfests nehmen.

Denn anders als am eigentlichen Sechseläuten-Umzug am Montag, der Mitgliedern zünftiger Organisationen vorbehalten ist, steht die Teilnahme am Kinderumzug allen Kindern von 5 bis 15 Jahren aus Stadt und Kanton Zürich offen. «Und wenn ein Cousin aus einem anderen Kanton mitlaufen will, drücken wir gern ein Auge zu», so Vogt. Über 3000 Kinder seien bereits angemeldet. Meistens lag die Teilnehmerzahl zwischen 2000 bis 2500, letztes Jahr waren es 2785. Doch woher rührt die steigende Popularität des 149-jährigen Traditionsanlasses der Zünfte?

Mittelalter und Rokoko

«Der Erfolg zeigt, dass so etwas gerade in einer Zeit, in der regionale Besonderheiten verschwinden, ungeheuer gefragt ist», erklärte Geschichtsprofessor Bernd Roeck schon 2007 gegenüber der az Limmattaler Zeitung. Das Gemeinschaftserlebnis, die von Pferden gezogenen Wagen, die historischen Kostüme – all das spielt gemäss Vogt mit, nebst der Tatsache, dass Sechseläuten dieses Jahr nicht in den Schulferien liegt.

Die historischen Kostüme für den Kinderumzug können die Kinder – oder ihre Eltern – übrigens bei den Zünften oder bei Kostümverleihern wie Kostüm Möller in Zürich mieten. Letzteres empfiehlt sich bei Last-Minute-Anmeldungen, denn die Termine für die Abgabe der Zunft-Kostüme sind bereits verstrichen. Und mitlaufen darf nur, wer ein historisches Kostüm trägt.

60 neue Helfer

Besonders gefragt seien mittelalterliche und Rokoko-Kostüme: «Je weiter der Reifenrock und je länger die Zapfenlocken, desto beliebter», sagt Vogt. Der Fundus des Kostümkomitees der Zürcher Zünfte umfasst rund 850 Kostüme und Trachten.

Dafür, dass sie in Schuss bleiben, sorgt das aus acht Frauen bestehende Kostümkomitee um Beatrice Rübel. «In den Wochen um Sechseläuten kommen etwa 60 Helferinnen und Helfer hinzu», erzählt Rübel. Ansonsten würden die Damen vom Komitee sich ganzjährig rund einen Tag pro Woche mit Nadel, Faden und Nähmaschine um den Unterhalt der gebrauchten Kleidungsstücke kümmern – ehrenamtlich.

Ein Kostüm kostet 1000 Franken

Neue Kostüme lässt Rübel hingegen bei der Schweizerischen Fachschule für Mode und Gestaltung (Modeco) anfertigen, genauer: von angehenden Theater- und Kostüme-Schneidern. Dieses Jahr kamen zehn neue Barock-Kostüme für Mädchen hinzu. Ein nicht ganz billiger Spass: Die Kosten pro Kostüm belaufen sich laut Rübel auf rund 1000 Franken. Vermietet werden die Kleider für jeweils 20 bis 60 Franken. So braucht es viele Jahre, bis sie amortisiert sind. Doch Zeit hat man ja, bei einem Traditionsanlass, der vor bald 150 Jahren erfunden wurde und populärer denn je scheint.