Neujahrsmarathon

Schwitzen statt Feiern: Es werden immer mehr Nachtläufer

Pünktlich um Mitternacht wird der Neujahrsmarathon gestartet.

Die Zahl der Anmeldungen ist gegenüber dem letzten Jahr nochmals gestiegen. Auch Franko Marvulli, viermaliger Rad-Weltmeister, wird in Schlieren mitlaufen.

Während viele heute Abend die Korken ihrer Sektflaschen oder die Feuerwerkskörper knallen lassen, wird rund um die Sporthalle Unterrohr in Schlieren zum Jahreswechsel geschwitzt. Zum 15. Mal findet dort der Internationale Neujahrsmarathon Zürich statt.

Neben dem klassischen Marathon über 42,195 Kilometer können die Läufer auch einen Halb- oder einen Viertelmarathon absolvieren. Dazu gibt es für Kinder den Kids Run von 750 Metern Länge und für Staffeln einen Team Run.

Beim Viertel- und Halbmarathon sind die Teilnehmerzahlen allerdings beschränkt. «Sonst gäbe es im Zielraum einen Rückstau», sagt Roger Kaufmann, Renndirektor des Neujahrsmarathons Zürich. Während der Viertel- und Halbmarathon vor einem Jahr am 28. Dezember ausgebucht waren, war dieses Jahr schon an Weihnachten soweit – so früh wie noch nie.

Prominenter Starter

Auf der Startliste findet sich ein prominenter Name: Franco Marvulli. Der viermalige Rad-Weltmeister wird entweder beim Viertel- oder beim Halbmarathon starten. Zudem übernimmt er die Rolle als Co-Speaker vor dem Start und bei der Siegerehrung. Für Marvulli ist es der zweite Einsatz in Folge am Neujahrsmarathon. Vor einem Jahr hatte er den Kids Run moderiert und war beim Team Run gestartet.

«Ich fand die Idee des Neujahrsmarathons witzig, also dass man sportlich ins neue Jahr startet», sagt Marvulli. Dass man nachts läuft, ist für Marvulli ein weiter Pluspunkt: «Nachts ist die Wahrnehmung ganz anders, man sieht weniger, alles ist ruhiger, und man hat weniger Stress. Daher liebe ich die Nacht.» Ein zeitliches Ziel hat er sich jedoch nicht gesetzt: «Ich will einfach Spass haben.»

Ob Viertel- oder Halbmarathon, Marvulli wird pünktlich um Mitternacht losrennen, wenn auch die Athletinnen und Athleten über die volle Distanz starten. Und dieses Jahr werden es besonders viele sein. Über zehn Prozent mehr Anmeldungen gibt es beim Marathon und beim Kids Run sogar 15 Prozent mehr, nämlich rund 1200 Läuferinnen und Läufer, wobei davon zwischen 1050 und 1100 auch tatsächlich starten. Doch es könnten noch mehr werden, denn für den vollen Marathon, den Team Run und den Kids Run kann man sich noch vor Ort registrieren.

Wie erklärt sich Kaufmann den anhaltenden Boom des Neujahrsmarathons? «Ich denke, viel hat mit Mundpropaganda zu tun», sagt er. «Die Qualität des Neujahrsmarathons stimmt offenbar, und das spricht sich herum. Zudem spielt natürlich auch das Internet eine Rolle.»

Vor 15 Jahren, als die erste Ausgabe des Neujahrsmarathons durchgeführt wurde, kamen 150 Teilnehmende. «Und wir hatten keine Ahnung», sagt Kaufmann und lacht. «Wir haben früher alles selber gemacht. Sogar die Bananen, die wir den Läufen auf der Strecke jeweils geben, haben wir selber gekauft. Heute machen das unsere Partner, so wie auch vieles andere, um das wir uns kümmerten.»

Nicht geändert habe sich hingegen, dass man seitens des Organisationskomitees keine Läuferinnen und Läufer einlade. «Sie melden sich alle selber an», sagt Kaufmann. Und jene Athleten, die aus dem Ausland kommen, sorgen sich auch selbst um ihre Unterkunft.

Auch wenn sie in der Szene bekannt sind, wie etwa der US-Amerikaner
T-Roy Brown, der mit dem Chamer Philipp Arnold und dem Schotten Nikki Johnstone zum Favoritenkreis beim Marathon gehört. Letzterer wird gleich im Verbund anreisen. Seine Freundin Dioni Gorla aus Deutschland hat bei den Frauen die Favoritenrolle inne.

Aus insgesamt 50 Nationen stammen die Athleten, unter anderem aus Australien, Südafrika, Japan und Guatemala. Dass sie die Reise nach Schlieren auf sich nehmen, hängt auch damit zusammen, dass sie beim um Mitternacht startenden Marathon die erste Jahresweltbestzeit aufstellen können.

Zudem wird seit drei Jahren für jeden Streckenrekord ein Jackpot ausgeschüttet. 500 Franken können die Männer gewinnen, gar 1000 Franken die Frauen.
Schöne Aussichten also für die Läuferinnen und Läufer. Und ebenso schön sind die Wetterprognosen.

Es dürfte heute Abend trocken und windstill bleiben. «Perfekte Laufbedingungen», sagt Kaufmann. Er rechnet damit, dass sich auch deswegen nochmals über 70 Athleten kurzfristig anmelden.

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