Schwimmen
Auf diese Fische können Badende stossen

Kürzlich biss ein Wels im Greifensee eine Schwimmerin. Dass Fische Badende attackieren, ist in den hiesigen Gewässern äusserst selten. Doch wer im Zürichsee oder in der Limmat baden geht, betritt einen vielfältigen Lebensraum.

Matthias Scharrer
Drucken
Teilen
Taucher trifft Wels.

Taucher trifft Wels.

Sven Borchert

Mit den sommerlichen Temperaturen laden Seen und Flüsse wieder zum Baden. Was Badende dabei häufig ausblenden: Unter der Wasseroberfläche lebt es. Das bekam kürzlich eine Schwimmerin im Greifensee zu spüren. Ein Wels hatte sie gebissen. Also einer dieser bis zu drei Meter langen Fische, die zumeist eher in der Tiefe des Sees unterwegs sind. Mit seinen kleinen Zähnen, die von Natur aus nicht auf derart grosse Beute aus sind, hinterliess er einen etwa 15 Zentimeter langen Bissabdruck, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Normalerweise beisst der Wels Entenküken und dergleichen.

Die Wahrscheinlichkeit, von einem Wels gebissen zu werden, sei verschwindend klein, sagte Lukas Bammatter von der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Doch dass Badende auf andere Fische, etwa Schwalen, Läugel oder Schwärme von kleinen Egli träfen, sei nicht selten. Je nachdem sehe man beim Schwimmen auch Schleien oder Brachsmen.

Der Wels hat sich ausgebreitet

Zwar sind die Fisch- und Krebsbestände in den Zürcher Gewässern in den letzten hundert Jahren stark zurückgegangen, wie einem unlängst veröffentlichen Bericht des kantonalen Amts für Landschaft und Natur zu entnehmen ist. Gründe seien die Verdoppelung der menschlichen Bevölkerung im Kanton Zürich und die damit verbundenen Wasserverschmutzungen, aber auch der Klimawandel mit vermehrten Hochwassern, mehr Hitze und Phasen ausgedehnter Trockenheit.

Dennoch gibt es noch eine beachtliche Vielfalt an Fischen in Zürcher Seen und Flüssen. Manche Fischarten, etwa der ursprünglich im Rhein beheimatete Wels, haben sich sogar vermehrt ausgebreitet. So gibt es Welse inzwischen auch im Zürichsee, Greifensee und Pfäffikersee sowie in der Limmat und vereinzelt in der Glatt und der Töss, wie es weiter im Bericht des Kantons heisst. Der Wels habe dem Hecht den Rang als grösstes Raubtier in den Zürcher Gewässern abgelaufen.

Hechte werden bis zu eineinhalb Meter lang. Ihre Bestände und Fangquoten in den drei grossen Zürcher Seen blieben in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant. Allein letztes Jahr fischten Angler und Berufsfischer über 5000 Hechte aus dem Zürichsee.

Felchen und Egli sind am häufigsten

Zum Vergleich: Die Welsfänge im Zürichsee beliefen sich 2020 auf 133 Stück. Demgegenüber tummeln sich andere Fische in ungleich grösseren Mengen im grössten Zürcher Gewässer: Die jährlichen Fangzahlen bei den Felchen und Egli belaufen sich auf über 100'000 Stück; bei den Schwalen, auch Rotauge genannt, lagen sie gemäss kantonaler Statistik 2020 bei rund 60'000 Tieren.

Eglischwarm im Zürichsee beim Hafen Tiefenbrunnen.

Eglischwarm im Zürichsee beim Hafen Tiefenbrunnen.

Pascal Meichtry/zvg

Die geografisch am weitesten verbreitete Fischart in den Zürcher Gewässern ist die Bachforelle; sie kommt in fast allen kleinen und grossen Fliessgewässern vor. Die Bachforellen-Fangzahlen haben sich in den letzten Jahren kantonsweit bei rund 5000 Stück pro Jahr eingependelt.

Zwar halten sich die meisten Fische in der Regel deutlich weiter unten im Wasser auf als Badende. Doch auf der Nahrungssuche kommen sie durchaus auch mal an die Wasseroberfläche. Und im Bassin des Stadtzürcher Seebads Enge lassen sich kleine Fische gut vom Beckenrand beobachten.

Im Bassin des Stadtzürcher Seebads Enge lassen sich Fische beobachten.

Matthias Scharrer

Dass Badende aber auf einen Wels treffen oder gar gebissen werden, ist äusserst unwahrscheinlich, wie ein Sprecher der für die Zürcher Gewässer zuständigen kantonalen Baudirektion bestätigt. Handkehrum würden die Badenden auch das Leben der Fische nur minim beeinträchtigen, wenn sie dort baden, wo es erlaubt ist. Sonnencreme von Schwimmerinnen und Schwimmern sowie Littering falle relativ wenig ins Gewicht, verglichen mit dem, was Abwasserreinigungsanlagen, die Landwirtschaft oder Strassenabwasser an Schadstoffen in die natürlichen Gewässer bringen. Dennoch betont er:

«Littering ist sehr störend und ärgerlich und zudem schädlich für Gewässer und ihre natürlichen Bewohner.»

Wer nach dem Schwumm im Zürichsee oder in der Limmat noch ein kühles Bier geniesst, sollte also die Bierdose und andere Abfälle wieder mitnehmen und bei der nächsten Sammelstelle entsorgen.

Aktuelle Nachrichten