Kraftlos in sich zurückgesunken hockt er vor der Schreibmaschine, klackert auf der Tastatur herum und bricht wieder ab. Beni Anderhub, Aussteiger und Schriftsteller, ist kein Liebling der Musen. Frustriert reisst er die angefangene Seite ab und schleudert sie auf den Boden – zu allen anderen Papierknäueln, die vor ihm liegen.

Die zweiaktige Komödie «Es verhängnisvolls Wuchenänd» beginnt nicht gerade verheissungsvoll für Beni Anderhub, gespielt von Thomas Bolliger. Und sie wird sich, so viel sei verraten, auch nicht zu seinen Gunsten weiterentwickeln.

Am Samstag feierte das Stück von Joan Shirley im Üdiker-Huus Premiere. Die Laienschauspieler der Waldegg Bühne Uitikon machten dabei unter der Regie von Harry Sturzenegger allesamt eine gute bis hervorragende Figur.

Benis Selbstfindungstrip ist nicht ganz fruchtlos verlaufen: Im Hintergrund erblickt man ein selbstgemaltes Porträt. Schonungslos gibt es Benis füllige Proportionen wieder.

Dr. Claudia Anderhub, gespielt von Sabine Steigmeier, schätzt weder das Bild noch seine schriftstellerischen Ambitionen. Und erst recht nicht würde sie seine Affäre goutieren, die Beni, so erfährt man, während eines Schreibkurses hatte.

Laszives Edel-Callgirl

Diese Affäre zu verheimlichen, ist im Folgenden eine seiner Hauptbeschäftigungen. Denn natürlich muss Mona – ein Edel-Callgirl auf der Jagd nach erfolgreichen Männern – auftauchen und ihre gaunerischen Forderungen stellen. Mona, herausragend lasziv gespielt von Monika Widmer, hat sich einen Unternehmer geangelt und will nun auf dessen Wunsch hin mit ihm zelten – in Benis Garten.

Beni ist davon wenig begeistert, weiss aber, dass seine Ehe «an einem seidenen Faden» hängt und eine ungewollte Enthüllung ihr nichts Gutes täte. Und so darf Mona ihr Zelt denn aufschlagen und bekommt sogar ein paar Streichhölzer für ein Lagerfeuer. Schliesslich wünscht sich der Unternehmer, gespielt von Marc Friedli, im Garten ein richtiges Pfadfinder-Tohuwabohu.

Das Treiben der beiden wird lediglich von Tante Lotti registriert. Die senile Dame sieht vor allem Geister und füttert, statt ihrer Katze, gerne einen Fuchspelz mit Sardinen. Immer wieder schlurft sie umnebelt von ihrem Delirium durch die Szenen. In einem Augenblick ist sie verblüffend klarsichtig und teilt unliebsame Beobachtungen mit, im nächsten unterhält sie sich wieder mit Skeletten. Cony Seres spielt sie so glaubwürdig, dass man sie am liebsten lachend umarmen würde.

Lob aus dem Publikum

Ganz nebenbei und zur Erheiterung der Zuschauer entspinnt sich ein Techtelmechtel zwischen Lisa, Benis Tochter, gespielt von Jenny Rüttimann, und Baschi, einem von Roli Wismer gespielten Assistenzarzt.

Es ist schwierig, Baschis so unendlich verliebtes Gebaren zu sehen und dabei nicht zu lachen. Nicht zuletzt wird die Praxis in den unpassendsten Augenblicken von Wally, gespielt von Maria Oliveri, besucht. Die Dauerschwangere hat sich auf die Idee versteift, unter Wasser in einem Kinderbassin zu gebären – und dabei ihre anderen Kinder um sich zu scharen.

Das Publikum äusserte sich mehrheitlich positiv zur Premiere: «Das Schauspiel wirkt gut und natürlich, besonders für ein Laientheater», meint Rolf Barandun. Besonders gefiel ihm die Figur der Ärztin. «Die Handlung entwickelt sich zu Beginn vielleicht etwas gemächlich», sagt Doris Gasser. Dafür lobt sie die schauspielerischen Leistungen. «Zwei, drei Aussetzer hat man zwar bemerken können, diese sind aber gut übertüncht worden.»

Weitere Aufführungen: Mittwoch 7. März 20 Uhr, Freitag, 9. März 20 Uhr Samstag, 10. März 20 Uhr, Freitag, 16. März 20 Uhr, Samstag 17. März, 20 Uhr, Sonntag 18. März 14:30 Uhr