Universität Zürich
Schwere Vorwürfe wegen fehlender Sonderregelung für schwangere Studentinnen

«Die Hälfte der Fakultäten lässt Schwangere im Stich», schreibt die «Zürcher Studierendenzeitung» (ZS) in ihrer aktuellen Ausgabe. Anlass dazu ist der Fall einer Wirtschaftsstudentin.

David Hunziker
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Uni Zürich: Gleiche Rechte für alle?

Uni Zürich: Gleiche Rechte für alle?

Keystone

Judith ist in der Zwickmühle: Bald sollte sie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich ihre Prüfungen schreiben; genau in diese Zeit fällt aber auch der Termin der Geburt ihres Kindes. Ihre Professoren sind damit einverstanden, die Prüfungen aufgrund der Schwangerschaft vorzuverlegen. Einer von ihnen stellt einen entsprechenden Antrag beim Dekanat. Die Antwort: Es werden keine Ausnahmen gemacht.

Tag für Tag lese sie in der Zeitung von Frauenförderung an der Uni und gleichzeitig würden solche Entscheide gefällt, sagt die enttäuschte Studentin gegenüber der «Zürcher Studierendenzeitung» (ZS). «Das sendet falsche Signale an junge Studentinnen.»

Bei der Abteilung Gleichstellung der Universität Zürich stösst Judith auf offene Ohren. Das Gremium beschliesst, im Namen der Studentin beim Dekanat der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät erneut ein Gesuch um Verschiebung der Prüfung zu stellen. Dabei beruft es sich auf den Verhaltenskodex Gender Policy, der 2005 von der Universitätsleitung verabschiedet wurde. Dieser verlangt, dass die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht keine nachteiligen Folgen für die betreffende Person haben darf. Genau dies sei in ihrem Fall aber geschehen, ist Judith überzeugt: «Mein Freund könnte die Prüfung schreiben, ich nicht.»

Auf der gleichen Ebene argumentiert auch das Dekanat, kommt aber zum gegenteiligen Ergebnis: «Unser oberstes Gebot ist, alle Studierenden und damit auch beide Geschlechter gleich zu behandeln. Es gibt deshalb keine Sonderregelung für Schwangere», begründet Katharina Korsunsky den Negativentscheid. Korsunsky hat die Funktion der Geschäftsführerin zwischenzeitlich übernommen – Geschäftsführerin Franziska Föllmi ist im Mutterschaftsurlaub.

Dass es auch anders geht, zeigen andere Fakultäten. An der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät wird für die Verschiebung einer Prüfung im Falle einer Schwangerschaft nicht einmal ein Arztzeugnis verlangt. Auch die Theologische Fakultät bemüht sich, die «persönliche Dimension des Studiums» ernst zu nehmen und die Verschiebung von Prüfungen daher zuzulassen.