Es riecht nach Zitronengras und Kokosmilch, der Raum ist hell, die Einrichtung durchgestylt. Hinter der Bar des «Coming Soon» bereitet sich Inhaber Rico Fanchini auf den Abendservice vor. «Jemand muss anfangen, haben wir uns gedacht und unsere Toiletten schnurstracks umkonzipiert», sagt er und führt stolz zu seinen neuen WC's. 

Im vietnamesischen Restaurant gibt es seit Dienstag keine geschlechtergetrennten Toiletten mehr. Für Männer, die trotzdem lieber diskret das Pissoir benutzen möchten, gibt es eine Schiebetür.

Das Restaurant reagiert damit auf eine Debatte, die in den USA schon länger geführt wird: Für Menschen, die sich nicht ins binäre Geschlechtermodell einordnen können oder wollen, ist die Trennung nach männlich und weiblich problematisch. «Stimmt etwa das äusserliche Geschlecht nicht mit dem empfundenen Geschlecht überein, fühlen sich diese Menschen ausgeschlossen und diskriminiert», erklärt Fanchini. «Wir wollen ein Statement der Offenheit und Rücksichtnahme gegenüber unseren trans- und intergeschlechtlichen Mitmenschen setzen.» In New York würden ab 2017 stadtweit Unisex-Toiletten eingeführt, in Schweden und Grossbritannien seien sie auch weit verbreitet, führt Fanchini weiter aus.

Einige «Coming Soon»-Besucher stehen zunächst etwas ratlos vor dem Symbol, das weder männlich noch weiblich, sondern eben beides zeigt. «We don't care», «Uns kümmert es nicht», steht als Statement daneben. Das Geschlecht spielt keine Rolle. 

«Wir sind uns sicher, unsere Gäste werden sich schnell daran gewöhnen», sagt Fanchini. «Ein kleiner Schritt für die Gäste, doch ein grosser Schritt gegen Ausgrenzung.»

Inhaber nehmen Busse in Kauf

Mit seinem Statement gegen Ausgrenzung verstösst das Restaurant gegen die Vorschriften der Stadt Zürich für Toilettenanlagen. Gemäss dem Reglement vom Umwelt- und Gesundheitsschutz müssen ab 50 Gästeplätzen geschlechtergetrennte WC's mit getrennten Waschbecken angeboten werden.

«Warum sollen Frauen und Männer sich nicht gemeinsam die Hände waschen?», fragt Fanchini. «Und warum wird seitens der Behörden nicht anerkannt, dass es Menschen gibt, die sich keinem Geschlecht zuordnen können oder wollen?»

Die drei Inhaber möchten eine entsprechende Gesetzesänderung anstossen und nehmen für ihr Anliegen eine Busse der Stadt in Kauf: «Wenns eine Busse gibt, gibt's halt eine», sagt Fanchini dazu. «Das ist es uns wert.»

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