Zürich

Schweizer Nationalhymne kommt nicht ins Zürcher Volksschulgesetz

Im Bild: Das Original der Schweizer Nationalhymne, des "Schweizer Psalm", wird im Kloster Mehrerau aufbewahrt. Der Komponist Alberich Zwyssig war einst ein Mönch im Kloster Wettingen und floh nach Mehrerau.

Im Bild: Das Original der Schweizer Nationalhymne, des "Schweizer Psalm", wird im Kloster Mehrerau aufbewahrt. Der Komponist Alberich Zwyssig war einst ein Mönch im Kloster Wettingen und floh nach Mehrerau.

Die Zürcher Schülerinnen und Schüler müssen die Schweizer Nationalhymne nicht zwingend auswendig lernen und singen können: Ein Postulat von EDU und SVP hat der Kantonsrat am Montag mit 108 zu 51 Stimmen abgelehnt.

Die Hymne sei ein wichtiger Teil der Schweizer Identität, begründete Hans Egli (EDU, Steinmaur) den Vorstoss. Sie vertrete Werte, die für das Zusammenleben von grosser Wichtigkeit seien. Das gemeinsame Singen der Hymne schaffe ein Wir-Gefühl und wirke integrierend, meinte auch Jürg Trachsel (SVP, Richterswil).

Die Hymne bringe die "unersetzbare Wurzel echter Schweizer Werte wie Solidarität, Freiheit und Demokratie zum Ausdruck", hatten die Motionäre auch in ihrem Vorstoss festgehalten. Allein schon deren Entstehungsgeschichte - ein überkonfessionelles Werk eines reformierten Dichters und eines katholischen Komponisten - sei ein Stück Landesgeschichte.

Eine Ablehnung der Motion könnte gemäss Hans Egli auch ein schlechtes Omen für den weiteren Verlauf der Fussball-WM sein: Denn er hat festgestellt, dass jene Mannschaften, deren Spieler die Landeshymne mit Inbrunst und Stolz singen, erfolgreicher sind.

Wie die kurze Debatte im Kantonsrat zeigte, war Egli nicht der einzige, der sich daran stört, dass die Schweizer Spieler kurz vor dem Matchbeginn während des Schweizer Psalms nur maximal die Lippen etwas bewegen. Doch für eine Verankerung der Hymne im Volksschulgesetz, wie dies die Motion forderte, sah die Mehrheit dennoch keine Veranlassung.

Denn die Nationalhymne sei ja im neuen Lehrplan erwähnt, hielten mehrere Redner fest. So ist sie auf der Liste der Heimatlieder namentlich aufgeführt, welche die Lehrpersonen in ihrem Unterricht verwenden könnten.

Eine Verankerung von einzelnen Lerninhalten im Volksschulgesetz sei zudem weder angezeigt noch sinnvoll, sagte Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP). "Am Ende hätten wir eine ganze Liedliste im Gesetz drin." Steiner zeigte sich überzeugt davon, dass die Lehrpersonen der Landeshyhmne - und den Schweizer Werten - genügend Bedeutung schenken würden.

Vorstösse mit einer ähnlichen Stossrichtung gab es schon in anderen Kantonen: So lehnte es unter anderem der Solothurner Kantonsrat Mitte Mai ab, die Nationalhymne als Obligatorium im Lehrplan 21 festzuschreiben.

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