Am 1. Mai hatten Jenische das Areal des ehemaligen Hardturmstadions besetzt. Sie forderten von der Stadt Zürich einen Durchgangsplatz, auf dem sie während jeweils zwei bis drei Wochen mit ihren Wohnwagen Station machen könnten. Dabei beriefen sich die Fahrenden auf ihre verfassungsmässigen Rechte und auf den letztes Jahr im kantonalen Richtplan eingetragenen Anspruch auf einen Durchgangsplatz in Zürich.

Nun erfüllt die Stadt Zürich ihre Forderung — wenn auch vorerst nur provisorisch: Bis Ende 2017 stellt sie nahe beim Bahnhof Altstetten einen Durchgangsplatz zur Verfügung. Das entsprechende Areal liegt zwischen Europabrücke, Aargauerstrasse und Bernerstrasse. In den nächsten Tagen können die Fahrenden in einer Ecke des Geländes rund 2000 Quadratmeter beziehen, was für zehn Wagengespanne reicht. Ab Ende Juli bietet dann ein 2500 Quadratmeter grosses Stück Land auf dem gleichen Areal Platz für bis zu 20 Gespanne, wie Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) gestern vor den Medien sagte. In der Zwischenzeit stelle die Stadt noch Strom- und Wasseranschlüsse bereit und ebne den Platz ein.

15 Franken Miete pro Tag

Die Kosten für die Stadt belaufen sich laut Leutenegger auf 600 000 Franken, inklusive Verzicht auf maximal 200 000 Franken Miete durch anderweitige Nutzungen während dreier Jahre. Die Fahrenden bezahlen der Stadt Zürich pro Tag und Wohneinheit 15 Franken. Als Wohneinheit gelten ein Wohnwagen und ein Wohnwagen für die Kinder sowie ein bis zwei Personenwagen oder ein Wohnmobil und ein Personenwagen. So steht es in der Nutzungsordnung, die Leutenegger und Mike Gerzner, Präsident der Bewegung der Schweizer Reisenden, sowie Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, vor den Medien unterzeichneten.

«Wir sind sehr zufrieden, dass jetzt 20 Familien dort mit ihren Gespannen unterkommen», sagte Gerzner, nachdem er unterschrieben hatte. «Das ist eine gute Lösung. Stadtrat Leutenegger hat sein Versprechen gehalten.» Später fügte Gerzner noch an: «Eigentlich schade, dass wir dafür erst demonstrieren mussten.» Auch Huber zeigte sich erfreut darüber, dass nun endlich ein Durchgangsplatz für Fahrende in Zürich zur Verfügung steht.

Der Platz ist laut Nutzungsordnung ausschliesslich Schweizer Fahrenden vorbehalten. Zunächst einmal gelte es deren Bedürfnisse zu befriedigen, sagte Leutenegger. «Wenn beispielsweise Roma aus Rumänien kommen, rufen wir die Polizei», machte Gerzner unmissverständlich klar. Grund dafür seien nicht rassistische Motive, sondern die Platznot der Schweizer Fahrenden. Fahrenden aus dem Ausland wirft er zudem vor, Durchgangsplätze oft dreckig zu hinterlassen.

Die Nutzungsordnung schreibt den Platzbenützern vor, für Ordnung und Sauberkeit auf dem Durchgangsplatz zu sorgen. Huber betonte, der Vorbehalt für Schweizer Fahrende richte sich nicht grundsätzlich gegen Sinti und Roma: «Man muss Wege für beide finden.»

Bei dem insgesamt 10 000 Quadratmeter grossen Areal, das nun teilweise zum Durchgangsplatz für Fahrende wird, handelt es sich um eine städtische Landreserve. Teile davon sind an einen Autohändler sowie an die SBB vermietet. Langfristig könnten dort gemäss Leutenegger Bürogebäude entstehen. Die städtische Bau- und Zonenordnung liesse siebenstöckige Gebäude zu.

Wie die Stadt Zürich den Anspruch der Schweizer Fahrenden auf einen Durchgangsplatz langfristig erfüllen will, ist laut Leutenegger noch offen: «Die Suche nach einer dauerhaften Lösung geht jetzt los», so der FDP-Stadtrat. Immerhin anerkennt Leutenegger mit der gestern unterschriebenen Nutzungsordnung den Anspruch der Fahrenden: «In der Stadt Zürich fehlt ein Durchgangsplatz für Fahrende, wie ihn der kantonale Richtplan vorsieht», heisst es in der Einleitung des Dokuments.

Auch kantonsweit ist das Angebot an Durchgangsplätzen noch spärlich: Einer existiert bei einer Mülldeponie in Winterthur. «Die Kinder kriegen dort oft Ausschläge», bemängelt Gerzner. Ein anderer befinde sich in Wädenswil, nahe bei einem Homosexuellen-Strich. «Da gehe ich nicht hin mit meinen Kindern», so der Präsident der Bewegung der Schweizer Reisenden weiter.

Auf dem provisorischen Durchgangsplatz in Zürich Altstetten dürfen die Fahrenden maximal 30 Tage am Stück bleiben. Der Platz ist ganzjährig geöffnet. Von Anfang November bis Ende Februar beträgt die Aufenthaltsdauer pro Gespann maximal drei Monate am Stück.

Zudem gibt es in Zürich Seebach noch den Standplatz Eichrain, auf dem Fahrende überwintern können. Das Zigeuner-Kulturzentrum auf dem Schütze-Areal in Zürich-West, wo vom 8. bis 12. Juli wieder die Zigeuner-Kulturtage stattfinden, soll laut Leutenegger ab nächstem Jahr auf dem Albisgüetli eine neue Bleibe finden. Die Bewilligung durch den Kanton stehe aber noch aus. Auf dem Schütze-Areal ist eine Überbauung geplant.