Der Holzgeruch vermischt sich mit dem Duft von frischer Farbe. Die polierten Fitnessgeräte glänzen vor Sauberkeit. Die Sonne scheint über drei acht Meter hohe Scheiben hinein. Es ist heiss. Über dem Fitnessstudio schweben drei eiförmige Gefässe, die ausschauen wie Ufos kurz vor dem Abflug. Darin befinden sich eine finnische Sauna, eine Bio-Sauna und ein Dampfbad.

Das alles ist der neue «Solare Fitness und Wellness»-Bereich der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). Diese Anlage ist kein herkömmliches Fitnessstudio mit Wellnessbereich, denn sie soll komplett mit Sonnenenergie und dem sportlichen Einsatz der Benutzer betrieben werden.

Projektleiter Mark Zimmermann sagt: «Eine normale Wellness-Anlage verbraucht 120 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Auch das Fitnessstudio braucht Energie. «Eine Wellness-Anlage ist vielleicht nicht gerade typisch Empa. Aber eine Anlage zu bauen, die ohne fossile Energie läuft, das war für uns sehr interessant.»

Die neue Anlage befindet sich im Nest. Darin arbeiten Forschung und Wirtschaft zusammen, um Innovationen aus dem Labor besser unter realen Bedingungen zu testen und sie deshalb schneller auf den Markt zu bringen. «Wir können so experimentell entwickeln und viel besser entscheiden, ob etwas marktreif ist – oder noch nicht», erklärt Peter Richner, der stellvertretende Direktor der Empa und strategischer Verantwortlicher von Nest. Das Nest-Gebäude besteht aus einem festen Kern mit drei offenen Plattformen. Auf diesen können dann mehrere unabhängige Forschungs- und Innovationsmodule – sogenannte Units – installiert werden. Eine davon ist nun eben die Fitness- und Wellness-Anlage.

Das Forschungszentrum NEST ist auch Fitnesszentrum

Das Forschungszentrum NEST ist auch Fitnesszentrum

Fitness- und Wellnessanlagen brauchen viel Energie - besonders wenn die Zentren Saunen, Dampfbäder oder Solarien anbieten. Ein Milliardengeschäft mit Wachstumspotenzial. Das Forschungszentrum NEST in Dübendorf will künftig rund 80 Prozent der Energie einsparen, welche diese Zentren verschlingen.

Effiziente Wärme-Kaskade

Die Ziele sind ambitioniert. «Wir wollen die Anlage mit einem Sechstel der Energie betreiben, die sie bei herkömmlichem Betrieb bräuchte», sagt Mark Zimmermann. Die Reduktion basiert hauptsächlich auf einer speziellen CO2-Wärmepumpe. Diese reduziert den Stromverbrauch um zwei Drittel. Eine normale Wärmepumpe hat eine Höchsttemperatur von 60 Grad. Mit der Pumpe der Empa kann eine Temperatur von 120 Grad erreicht werden – ideal für die finnische Sauna. Denn hier verwendet man CO2 als Kältemittel. «Das CO2 ist weder flüssig noch gasförmig, sondern in einem transkritischen Zustand. Die Wärmepumpe kann die Wärme dann bei unterschiedlichen Temperaturen abgeben.»

So gehen 120 Grad in das äusserste Ei, die finnische Sauna. Abgekühlt auf 90 Grad kommt es zurück und läuft in das Dampfbad, von da mit 70 Grad in die Biosauna und schlussendlich 50 bis 30 Grad für die Duschen. «Das führt zu einer optimalen Kaskade.» Problematisch sei es, wenn alle in die Sauna gehen würden, aber niemand dusche, so Zimmermann.

Energie durch Fitness

Die restliche Energie, die man noch braucht, kommt einerseits von Fitnessgeräten, die Strom generieren, andererseits von den Solaranlagen. Zwar beträgt der Energiegewinn von trainierenden Menschen nur 150 Watt. «Aber so kann man wenigstens die Sauna mit gutem Gewissen geniessen.»

Drei Photovoltaikanlagen krönen das 2,3-Millionen-Projekt. Diese sollen für die restlichen 20 000 kWh aufkommen. Die Glasmodule sollen dabei das Sonnenlicht auf der Vorderseite, aber auch auf der Rückseite mit Reflektoren, in Energie umwandeln.

Jetzt startet die Testphase für das Projekt. «Wir müssen in Jahreszyklen verfahren, damit wir sehen, ob das mit der Solar-Energie funktioniert.» Dabei müsse man auch banalere Dinge wie die Hygiene und die Sauna-Nutzung berücksichtigen. «Durch die Betriebsoptimierung kann man die Sauna reservieren. Ferngesteuert wird sie dann vorgewärmt.» Da müsse man schauen, wie viel Zeit im Voraus benötigt wird. Nach der Testphase werde die Anlage auf den Markt gebracht. «Unsere Zielgruppe sind vor allem kleinere Wellness-Center und Hotels», sagt Markus Zimmermann. «Mit unserer Anlage würde ein Hotel nicht nur 24 000 Franken Stromkosten sparen. Die schwebenden Eier sehen auch noch hübsch aus.»