Zürich

Schwarze Kasse bringt Fass zum Überlaufen: ERZ-Direktor Urs Pauli fristlos entlassen

Ehemaliger und jetzt fristlos entlassener ERZ-Direktor Urs Pauli bei einer Medienkonferenz.

Ehemaliger und jetzt fristlos entlassener ERZ-Direktor Urs Pauli bei einer Medienkonferenz.

In der Stadt Zürich wird der nach dem Fund einer Schwarzen Kasse zunächst freigestellte Direktor von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) fristlos entlassen. Der Stadtrat hat zudem eine umfassende externe Untersuchung in Auftrag gegeben.

ERZ-Direktor Urs Pauli war am 22. Mai wegen Verdachts auf ungetreue Amtsführung freigestellt worden. Pauli soll sich im Jahr 2012 widerrechtlich ein teures Dienstfahrzeug angeschafft und dieses auch privat genutzt haben.

Der zuständige Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) reichte darauf Strafanzeige ein. Kurz darauf wurde in einem Bürogebäude von ERZ eine Schwarze Kasse entdeckt. Ein Safe enthielt Bargeld in der Höhe von rund 215'000 Franken, das in der offiziellen Rechnung des Amtes nicht auftauchte.

Dieser Fund brachte nun das Fass zum Überlaufen: Auf Antrag von Leutenegger entlässt der Stadtrat deshalb den freigestellten ERZ-Direktor Pauli fristlos, wie der Stadtrat am Freitag mitteilte.

Pauli bekomme keine Abfindung, sagte Leutenegger auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Der 58-jährige Pauli hatte zeitgleich mit der Freistellung seinen frühzeitigen Altersrücktritt eingereicht und hätte so noch bis Ende Jahr seinen Lohn erhalten.

Kritik am Führungsstil

Wie bereits angekündigt, gibt der Stadtrat zudem eine externe Untersuchung zu den Unregelmässigkeiten bei ERZ in Auftrag. Dabei sollen auch die Rollen der operativ Verantwortlichen seit Mitte der 1990er Jahren sowie der politischen Vorgesetzten von Kathrin Martelli (FDP) über Martin Waser (SP), Ruth Genner (Grüne) bis zum jetzigen zuständigen Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) geklärt werden.

Inhaltlich geht es in der Untersuchung um Submissionen, personal- und finanzrechtliche Vorgaben, Beteiligungen von ERZ und Public Corporate Governance sowie Einzelprojekte. Einzelprojekte sind unter anderen die Rolf Bossard AG, die ZAV Recycling AG sowie der Umbau ausgedienter Klärbecken im Werk Werdhölzli.

Der nun fristlos entlassene ERZ-Direktor steht schon länger in der Kritik wegen seines eigenmächtigen Führungsstils und seines Vorgehens bei einzelnen Geschäften.

Eine Administrativuntersuchung zeigte ausserdem, dass der Objektkredit für den Bau eines Logistikzentrums wegen zahlreicher interner Verfehlungen um 14,7 Millionen Franken überschritten wurde. Hinweise auf Straftaten gab es keine und der Stadt entstand auch kein finanzieller Schaden. Der ehemalige Direktor wurde aber vom Stadtrat ermahnt.

Pauli trat 1997 bei der damaligen Stadtentwässerung als Leiter des Finanz- und Rechnungswesens ein. Später nahm er Einsitz in die Geschäftsleitung von ERZ, 1999 folgte die Ernennung zum Vizedirektor. 2008 wurde er Direktor. In seiner Amtszeit hatte er das frühere Abfuhrwesen zu einem strategisch und organisatorisch stark aufgestellten Betrieb gemacht.

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