Schulbeurteilung
Schüler fühlen sich nicht sicher in der Schule

Die Qualität der einzelnen Schulen ist sehr unterschiedlich. Einzelne wurden von der Fachstelle für Schulbeurteilung als exzellent eingestuft, andere kamen in gewissen Bereichen bloss auf die Beurteilung «wenig entwickelt».

Alfred Borter
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Schülerinnen und Schüler sollen sich wohl fühlen. Walter Schwager

Schülerinnen und Schüler sollen sich wohl fühlen. Walter Schwager

Limmattaler Zeitung

Die Qualität der einzelnen Schulen ist sehr unterschiedlich. Einzelne wurden von der Fachstelle für Schulbeurteilung als exzellent eingestuft, andere kamen in gewissen Bereichen bloss auf die Beurteilung «wenig entwickelt». Das geht aus dem neusten Jahresbericht der Fachstelle hervor.

Alle 500 Schulen analysiert

In den letzten vier Jahren sind sämtliche 500 Schulen im Kanton Zürich von der neu geschaffenen Fachstelle für Schulbeurteilung analysiert worden. Wo sich Schwachstellen zeigten, sind Empfehlungen abgegeben worden, damit Verbesserungen eingeleitet werden können.

Natürlich hat Bildungsdirektorin Regine Aeppli bei der Präsentation des Berichts das Positive hervorgehoben: Die Schulen im Kanton Zürich sind nach ihren Worten «gut unterwegs». Das Schulklima etwa wird in neun von zehn Schulen als gut oder sogar sehr gut bezeichnet.

Allerdings verhehlte sie auch nicht, dass die Fachleute, welche die Schulen beurteilt haben, auf erhebliche Unterschiede gestossen sind. Es gibt vorbildliche Schulen, aber auch solche mit Defiziten. In einigen Schulen ist es zum Beispiel so, dass die Schülerinnen und Schüler selber den Umgang unter ihnen als eher unfreundlich einschätzen. Die einzelnen Schulen wurden aufgefordert, Massnahmenpläne zu entwickeln, um die Defizite zu beheben.

Wo eine Schule nicht kooperiert, greift das Volksschulamt ein, in zwei Fällen ist sogar der Bezirksrat aufsichtsrechtlich eingeschritten, wie der Amtschef des Volksschulamts, Martin Wendelspiess, erwähnte. «Aber meistens sind die Schulen sehr kooperationswillig.»

Jürg Frey, Leiter der Fachstelle, machte darauf aufmerksam, dass man nun sämtliche Schulen einmal beurteilt habe. In Zukunft werde man vergleichen können, ob sich die Empfehlungen positiv ausgewirkt hätten, das heisst ob die Schulqualität zugenommen habe.

Festgestellte Mängel

Zu denken gibt der Befund, dass sich etwa drei Prozent der Schülerinnen und Schüler in der Schule nicht sicher fühlen. Noch grösser ist der Prozentsatz derjenigen, die finden, es gebe zu wenige Anlässe, an denen man Schüler aus anderen Klassen kennen lernen könne. Besser ist die Zufriedenheit darüber, dass Lehrpersonen eingreifen, wenn Schülerinnen und Schüler andere schlagen, bedrohen oder beschimpfen.

Was den auf den einzelnen Schüler besser abgestimmten Unterricht angeht, stellt die Fachstelle allerdings fest, dass hier noch einiges besser gemacht werden könnte. «Die Unterschiede zwischen den Schulen sind sehr gross», wird im Bericht festgehalten.

Allerdings wird auch festgestellt, dass fast überall schnellere Schülerinnen und Schüler mit Zusatzaufgaben speziell gefördert werden. Die Langsameren erhalten ohnehin mehr Beachtung; hier liegt die Beurteilung bei «gut».

Ferner zeigte es sich, dass durchaus nicht alle Schülerinnen und Schüler der Meinung sind, sie würden von der Klassenlehrperson fair beurteilt. Immerhin: Der Mittelwert der Aussage: «Ich verstehe, wie meine Zeugnisnoten zustande kommen», liegt bei «gut».

Allerdings hapert es mit der Vergleichbarkeit der Leistungen der Kinder offenbar nach Einschätzung der Fachstelle gewaltig. In nur zehn Prozent der Schulen wird klassenübergreifend der Stand des Wissens und Könnens geprüft.

Gerade das ist für Bildungsdirektorin Aeppli ärgerlich. «Es ist stossend, dass die gleichen Leistungen in verschiedenen Schulen unterschiedlich beurteilt werden», hielt sie fest. «Die Vergleichbarkeit ist für mich ein zentrales Thema.»

Abschaffung der Fachstelle

Aeppli zählt nun darauf, dass die Beurteilung der einzelnen Schulen dazu führt, dass Defizite behoben werden. Die Arbeit der Fachstelle bezeichnete sie als sehr gutes Mittel für die Qualitätssicherung und die Qualitätsentwicklung. «Viele Schulen betrachten die Empfehlungen als Chance.» Daher erwartet sie, dass auch die kantonsrätliche Kommission für Bildung und Kultur den Wert der Fachstelle anerkennt.

Gegenwärtig befasst sie sich nämlich mit einer Parlamentarischen Initiative von SVP, CVP und EVP, welche im letzten November vom Kantonsrat mit 94 Stimmen vorläufig unterstützt worden ist und nichts weniger als die Abschaffung oder wenigstens die Verkleinerung der Fachstelle verlangt, da sie wenig Nutzen bringe, aber den Schulen enorm viel Arbeit verursache. Die Fachstelle besteht aus 40 Personen, die sich in 30 Vollzeitstellen teilen.