Kantonsrat
Schüler der Sek B und C müssen weiterhin in den Französischunterricht

Die Schülerinnen und Schüler der Sek B und C im Kanton Zürich sollen nicht selber entscheiden können, ob sie den Französischunterricht besuchen wollen. Der Kantonsrat lehnte am Montag ein Postulat von GLP, EVP und EDU mit dieser Forderung ab.

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Das Postulat für freiwilligen Französischunterricht wurde mit 86 zu 68 Stimmen (9 Enthaltungen) abgelehnt. (Symbolbild)

Das Postulat für freiwilligen Französischunterricht wurde mit 86 zu 68 Stimmen (9 Enthaltungen) abgelehnt. (Symbolbild)

Keystone

Die Schülerinnen und Schüler der Sek B und C im Kanton Zürich sollen nicht selber entscheiden können, ob sie den Französischunterricht besuchen wollen. Der Kantonsrat lehnte am Montag ein Postulat von GLP, EVP und EDU mit dieser Forderung ab. Der Lehrerverband bedauert den Entscheid.

Der Französischunterricht wird von den Schülerinnen und Schülern in der Sek B und C sowie von deren Lehrkräften zunehmend als mühsam und wenig zielführend empfunden, begründeten die Postulanten ihr Anliegen. Das Fach sollte deshalb von den Schülern abgewählt werden können, damit sie dort besser gefördert werden könnten, wo es Sinn mache.

"Die sprachlich überforderten Schüler sollen individuell nach ihren Stärken geschult werden", sagte Christoph Ziegler (GLP, Elgg). Aufwand und Ertrag in diesem Fach stünden bei vielen der betroffenen Schülern in keinem Verhältnis. "Zudem stören sie oft den Unterricht und beeinträchtigen so das Lernen der Stärkeren."

Die betroffenen Schüler sollten vielmehr in den Grundkompetenzen Deutsch und Mathematik gefördert werden, argumentierte Margreth Rinderknecht (SVP, Wallisellen). Sie stellte jedoch zur Diskussion, lieber den Englisch- als den Französischunterricht als freiwillig zu erklären.
Bei der Stellensuche benachteiligt

Der Vorstoss blieb chancenlos. Er wurde mit 86 zu 68 Stimmen bei 9 Enthaltungen abgelehnt. Die Postulanten der GLP, EVP und EDU wurden nur von einzelnen Exponenten aus der SVP unterstützt.

Das Postulat berge langfristig Gefahren, sagte Mattea Meyer (SP, Winterthur). "Die betroffenen Schüler würden ohne Französischkenntnisse bei der Berufsmaturität ausgeschlossen oder sie sind bei der Stellensuche benachteiligt." Die Freiwilligkeit damit zu begründen, dass diese Schüler störten, sei mehr als fraglich.

Die Mehrsprachigkeit sei zentral in der Schweiz, betonte Res Marti (Grüne, Zürich). "Es geht hier nicht um kulturellen Heimatschutz." Denn es sei die Aufgabe der Schule, möglichst allen Schülern eine gute Chance beim Einstieg ins Berufsleben zu bieten.

Auch FDP und CVP sprachen sich gegen das Postulat aus. Die Idee widerspreche nicht nur der Chancengleichheit sondern auch Harmos, sagte etwa Dieter Kläy (FDP, Winterthur). Es mache wenig Sinn, ein seit wenigen Jahren eingeführtes System schon wieder zu ändern, betonte auch Lorenz Schmid (CVP, Männedorf).
Lehrerverband bedauert Entscheid

Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) zeigte sich in einer Stellungnahme enttäuscht vom Entscheid des Kantonsrates. Damit sei die Chance für eine pragmatische Lösung der höchst unbefriedigende Situation verpasst worden, schreibt der Verband in einer Mitteilung.

Es sei eine Tatsache, dass es Schülerinnen und Schüler auf dem Niveau Sek B/C gebe, die mit zwei Fremdsprachen überfordert seien. Die Diskussionen um die weiterhin zwei obligatorischen Fremdsprachen seien deshalb trotz des Entscheids des Kantonsrates nicht abgeschlossen.