Zürich
Schuldenprävention: Zürcher Oberstufenschüler lernen den Umgang mit Geld

Viele junge Menschen sind im Umgang mit Geld völlig überfordert. Ein neues Kompetenzzentrum für Schuldenprävention schafft Abhilfe, bereits gegen 300 Schüler nutzten das Angebot.

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Überdurchschnittlich viele Jugendliche verschulden sich und haben dadurch schlechtere Arbeits- und Wohnperspektiven. (Symbolbild)

Überdurchschnittlich viele Jugendliche verschulden sich und haben dadurch schlechtere Arbeits- und Wohnperspektiven. (Symbolbild)

Keystone

Viele junge Menschen verfügen über keinerlei Kompetenz im Umgang mit Geld und sind sich der gravierenden Folgen einer Verschuldung nicht bewusst. In Zürich bietet seit kurzem ein Team von Fachleuten Workshops mit Informationen, Übungen und konkreten Tipps zur Schuldenprävention an.

Bereits hätten gegen 300 Schülerinnen und Schüler von Abschlussklassen der Oberstufe vom Angebot des neugeschaffenen Kompetenzzentrums Schuldenprävention profitiert, hiess es am Mittwoch an einer Medienorientierung der Konferenz der Stadtammänner von Zürich. Die Fachleute informieren auch an Elternabenden über die Schuldenproblematik und vermitteln Tipps für Eltern von Jugendlichen.

Die Betreibungsämter der Stadt Zürich stellen fest, dass sich junge Menschen überdurchschnittlich oft verschulden. Eigentlich spiele es gar keine Rolle, ob jemand eher viel oder eher wenig Geld zur Verfügung habe, sagte Gregor Mägerle, Leiter des Kompetenzzentrums Schuldenprävention. Wer sich verschulde hänge vielmehr davon ab, "ob jemand in seiner Jugend gelernt hat, mit Geld umzugehen".

Viele junge Menschen am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt hätten "keine Vorstellung, was das Leben kostet - von der Wohnungsmiete über die Krankenkasse bis hin zum eigenen Auto", sagte Mägerle. In den Workshops würden nicht nur Tipps im Umgang mit Geld gegeben, sondern auch Budgets erstellt.

Eltern rät Mägerle zu möglichst weit gehender Offenheit in finanziellen Fragen. Jugendliche, die eine ungefähre Vorstellung hätten vom Haushaltsbudget der Eltern, seien nämlich "fürs Leben besser gerüstet".

Schwierigkeiten bei Job- und Wohnungssuche

Die Schülerinnen und Schülern werden von den Fachleuten des Kompetenzzentrums aufgeklärt über die häufig schwerwiegenden Konsequenzen einer Verschuldung. Die angehäuften Schuldenberge begleiteten und belasteten die Jugendlichen oft über Jahre.

Schwierigkeiten bei Job- und Wohnungssuche drohten, weil Arbeitgeber und Vermieter immer häufiger Betreibungsauskünfte einholten, sagte Mägerle. Eine Wohnung zu finden sei ja ohnehin schwierig, für jene, die keinen sauberen Betreibungsregisterauszug vorlegen könnten, sei die Suche praktisch unmöglich. "Und wer Schulden hat, hats bei der Arbeitssuche besonders schwer", fügte Mägerle an.

Ziel des aus einem Sozialarbeiter, einer Lehrerin und einem Betreibungsfachmann bestehenden Kompetenzzentrums sei es, in jedem Schuljahr in allen Abschlussklassen der Oberstufe in der Stadt Zürich zumindest einmal einen Workshop durchzuführen. Dieser besteht aus drei Lektionen und ist für die Schulen kostenlos.

Für die individuelle Beratung einzelner Jugendlicher und deren Eltern habe sein Team keine Ressourcen, sagte Mägerle. Dafür gebe es jedoch spezielle Fachstellen.

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