Die Schulden sind weg, der Besitzer ist neu: Die Raststätte an der A4 im Konnaueramt ist gerettet. Der Chef blickt zuversichtlich in die Zukunft: «Ohne die finanziellen Altlasten können wir wieder in Ideen investieren.»

Seit November 2009 rollt zwischen Zürich und Zug der Verkehr auf der A4 durch das Knonaueramt. Seit dem selben Zeitpunkt ist – auf Höhe der Ausfahrt Affoltern und Obfelden – die Raststätte «My Stop» in Betrieb. Und seit Beginn kämpfte die Anlage um das Überleben.

Nun ist ihre Zukunft gesichert, wie Recherchen der «Limmattaler Zeitung» zeigen: Eine internationale Investorengruppe hat die Liegenschaft, die Konzession und alle Geschäftsaktivitäten übernommen, die in die kürzlich geschaffene «Raststätte Knonaueramt AG» übertragen wurden.

Die Schulden bleiben bei der ursprünglichen «Autobahn-Raststätte A4 AG». Diese wird nun unter Einhaltung aller gesetzlichen Formen und Fristen liquidiert.

Die internationale Investorengruppe «übernimmt einen von sämtlichen Problemen befreiten Gesamtbetrieb», heisst es seitens der Raststättenbetreiber. Die neuen Besitzer werden am vorgegebenen Konzept einer Autobahnraststätte festhalten und diese mit denselben Angestellten und Lieferanten unverändert fortführen.

Die neuen Betreiber kündigen aber ein «Studium von Optimierungsmöglichkeiten» an. Es gebe noch einigen Spielraum im Mietermix und beim Gastronomiekonzept, sagt Thomas Lohmann, CEO von «My Stop Zürich». Optimierungsmöglichkeiten gebe es, weil in der Vergangenheit zwar verschiedene Visionen entwickelt worden seien, diese aber bislang aus finanziellen Gründen nicht hätten umgesetzt werden können.

Die Schulden blieben 

Seit der Eröffnung vor fünfeinhalb Jahren ist mehrmals analysiert und saniert worden. Schon 2010 waren die Einnahmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Als eine von verschiedenen Sofortmassnahmen wurden damals unter anderem die Personalkosten von 5,2 auf 4 Millionen Franken reduziert.

Und auch später blieb es an den jährlichen Generalversammlungen bei Millionenverlusten und schlechten Nachrichten. 2013 wurde beispielsweise ein externer Bericht vorgestellt, der noch fast überall Handlungsbedarf sah: Das bauliche Gesamtkonzept sei überdimensioniert, das Raum- und Flächenkonzept ungenügend, hielten die Berater fest.

Das Problem der vergangenen Jahre war stets die drückende Schuldenlast. «Die ursprünglich budgetierten Frequenzen auf der A4 zwischen Zürich und Zug-Luzern trafen nicht ein und daher war die Investition rückblickend zu hoch», begründen die Verantwortlichen der Raststätte die seit fünf Jahren bestehenden Anlaufschwierigkeiten.

Aus diesem Grund konnte die Raststätte nie auf einen grünen Zweig kommen: Sie erwirtschaftet zwar einen operativen Gewinn. Aber die hohe Zinslast drückt. An einer ausserordentlichen Generalversammlung im Februar bezifferte Bendikt Höhn von der Zetra International AG, die mit den Restrukturierungsmassnahmen betraut ist, die Nettoschuldenlast auf 16 Millionen. «Die Erfolgsrechnung zeigt, dass aus eigener Kraft keine Befreiung aus der schlechten Lage möglich ist.»

Der Verkauf als Ausweg

Aus diesem Grund entschieden sich die 83 anwesenden Aktionäre im Februar dazu, einen Schlussstrich zu ziehen. Bei wenigen Enthaltungen stimmten sie dem Konzept zu, das nun umgesetzt wird: Das operative Geschäft und die über der A4 gebaute Liegenschaft werden in eine neue AG eingebracht und an einen Investor verkauft.

Nun konnten die Verkaufsverhandlungen zum Abschluss gebracht werden. Wer hinter der «internationalen Investorengruppe» steckt, ist nicht zu erfahren. Auf Anfrage heisst es nur: «Wie in solchen Fällen üblich wurde Stillschweigen betreffend der Transaktion, das heisst betreffend Kaufpreis und Zusammensetzung des Aktionariats, vereinbart.» Raststättenchef Thomas Lohmann ergänzt aber, dass «von einem ernsthaften und langfristigen Engagement in die Immobilie und den Standort im Knonaueramt ausgegangen werden kann».

Der bisherige Verwaltungsrat ist zurückgetreten. Neu wird er von Sharon Zinman geführt. Als weitere Mitglieder nehmen Manfred Suter und Michael von Bergen Einsitz. Die drei bilden bereits den Verwaltungsrat der seit 2013 bestehenden «Real MGT AG». Die in Mettmenstetten domizilierte Firma ist auf Immobilienbewirtschaftung und Immobilienmanagement spezialisiert.

Lohmann ist zuversichtlich, dass es nun aufwärtsgeht. Beim Umsatz hätten zwar alle Geschäfte noch Luft nach oben. Es würden aber bereits heute schwarze Zahlen geschrieben. Es bestehe genügend Zeit, um nachhaltige Konzeptanpassungen vorzunehmen. «Ohne die finanziellen Altlasten sind nun Investitionen in Ideen und in deren effektive Umsetzung möglich.»