Bildung
Schulbeurteilung: Viele Eltern stören sich am Klassenklima

Die Zürcher Schulen konnten ihre Qualität steigern, schreibt die Fachstelle für Schulbeurteilung. Doch Eltern sind mit vielem unzufrieden.

Heinz Zürcher
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Bei den Eltern der heutigen Schülern sah das Schulzimmer noch ganz anders aus.

Bei den Eltern der heutigen Schülern sah das Schulzimmer noch ganz anders aus.

Keystone

Das Volksschulgesetz schreibt seit 2005 vor, dass die Schulqualität regelmässig überprüft werden muss. Dafür zuständig ist die Fachstelle für Schulbeurteilung der Bildungsdirektion. Für den kürzlich veröffentlichten Bericht über das Schuljahr 2013/2014 hat sie rund 100 Schulen besucht und beurteilt. Obwohl die Unterschiede teils gross sind, zeigt sich im Vergleich zur letzten Erhebung, dass die Qualität mehrheitlich zugenommen hat.

In die Ergebnisse flossen nebst den Auswertungen des Evaluationsteams auch die Einschätzungen der Lehrer, Schüler und Eltern ein. Gute bis sehr gute Noten erhielten 90 Prozent der beurteilten Schulen in den Bereichen Schulgemeinschaft, Unterrichtsgestaltung, Klassenführung und Zusammenarbeit mit Eltern. Auch was individuelle Lernbegleitung, Führung und schulinterne Zusammenarbeit angeht, stieg die Qualität. Zudem gaben gegenüber der ersten Befragung mehr Kinder und Jugendliche an, sich wohlzufühlen in ihrer Schule.

Die grössten Fortschritte seien in der Elternarbeit erzielt worden, sagt Jürg Frey, Leiter der Fachstelle für Schulbeurteilung. «Sie ist mittlerweile in fast allen Schulen institutionalisiert.» Eltern wie Lehrpersonen gaben deshalb an, dass sich ihre Zusammenarbeit verbessert habe. Was nicht heisst, dass die Eltern restlos zufrieden sind. Sie äussern im Jahresbericht am meisten Kritik.

Die Eltern bemängeln beispielsweise den Umgang mit Problemen und Konflikten. Diesen nehmen sie als wenig respektvoll und freundlich wahr. Zudem hinterfragen viele Eltern die Schulregeln und verhängten Strafen. Aus ihrer Sicht sollten sich Lehrpersonen noch mehr für eine faire Streitschlichtung engagieren.

Sowieso stören sich viele Eltern am Klassenklima. Ihnen ist der Unterricht teils zu störungsanfällig. Sie befürchten, dass sich die Unruhe negativ auf das Lernen auswirkt. Gegenüber der letzten Befragung sind ausserdem mehr Eltern der Ansicht, dass die Kinder zu wenig lernten und zu wenig gefordert würden.

Es wird häufiger geschwatzt

Heisst dies nun, dass künftig ruhiger und geordneter unterrichtet werden müsste? Jürg Frey verneint. «Der Eindruck der Eltern ist geprägt durch die Erinnerungen an ihre eigene Schulzeit. Heute gibt es viel mehr offene Lernformen – dadurch entsteht mehr Bewegung in der Klasse und es wird mehr geschwatzt.» Jürg Frey rät deshalb, die Eltern noch besser zu informieren. Und zwar nicht nur über Veranstaltungen und Ausflüge, sondern auch über Methodik und pädagogische Haltung. «Je besser Eltern informiert sind, umso zufriedener sind sie. Das zeigt die Befragung.»

Unterschiede bei den Noten

Laut dem Bericht kritisieren denn auch viele Eltern die Informationspraxis der Schule. Ein möglicher Grund: Die Elternarbeit ist in den letzten Jahren vielerorts ausgebaut worden. Mütter und Väter wurden besser mit einbezogen und vermehrt nach ihrer Meinung befragt. Damit stiegen die Erwartungen und Ansprüche betreffend Informationen, ohne dass die Schulen adäquat darauf reagierten.

Verbesserungspotenzial gebe es auch bei der Beurteilung der Schülerleistungen. «Da gibt es noch zu grosse Unterschiede. Es kommt zum Beispiel vor, dass eine Lehrperson aus Prinzip keine Einer und Sechser verteilt, die Lehrperson der Parallelklasse aber schon», so Frey.