Die amerikanische Künstlerin Helen Mirra wandert seit Jahren durch verschiedene Länder und Erdteile und hinterlässt ganz spezielle Drucke, die sie als Feldforscherin mit künstlerischem Konzept ausweisen. Für die Zürcher Ausstellung hat sie zwei Regionen und eine Stadt erwandert: Ihr «Gehprojekt» führte sie im Sommer 2010 nach Berlin und in die Umgebung von Bonn und Zürich.

Zu Beginn der Ausstellung betritt man eine überraschend leere Stadt. Im grossen Raum im Erdgeschoss sieht man vorerst nur diesen Hinweis: «7×5000 Schritte in Berlin». Und ergänzend zehn Stationen: «1 August, Spree» bis hin zu «4 August, Allee der Kosmonauten».

Lange Wanderungen

Die künstlerische Umsetzung erfolgt an der gegenüberliegenden Wand mit 70 scheinbar abstrakten Drucken. Entstanden sind sie während Mirras Wanderungen durch die zehn Stationen der Stadt. Bei jeder Wanderung legte die Künstlerin 5000 Schritte zurück. Dabei fertigte sie jeweils sieben Drucke an, wobei sie unter Verwendung von Ölpastellkreide die Konturen von Pflastersteinen und Baumstümpfen durch rechteckig zugeschnittenes Leinen rieb.

Wer die Prints betrachten will, muss wandern: von der Schrift auf der einen Seite des Raums zur künstlerischen Umsetzung auf der anderen, von der Ortsbeschreibung zum stellvertretenden Bild. Dessen Geheimnis ist die Reduktion, die der Fantasie Tür und Tor öffnet.

Aufbau und Zerstörung

Die zweite Ausstellung widmet das Haus Konstruktiv dem Zürcher Künstler Rolf Schroeter. Die Retrospektive «Kontakt» zu seinem diesjährigen 80.Geburtstag ist Schroeters bisher grösste Ausstellung. Sie umfasst Werke seit Mitte der 1950er-Jahre. Im Mittelpunkt der Schau stehen fantastische Serien von Fotografien, die Schroeter mit Gedichten von Paul Celan oder Gottfried Benn kombiniert.

Viele Arbeiten vereinen scheinbar Widersprüchliches: Entstehen und Vergehen, Aufbau und Zerfall, Prozess und Zerstörung. Schroeter ist stark dem Experiment verpflichtet. Er geht aus von Gegenständlichem: einer Brücke, Kirchenfenstern, lässt dann aber die Formen bis zur Abstraktion zerfliessen. Darin und in der Liebe zur Bewegung trifft er sich mit Helen Mirra. (SDA)

Haus Konstruktiv Zürich, «gehend (Field Recordings 1–3)» und «Kontakt», bis 6.5. www.hauskonstruktiv.ch